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Blutiger Streit im Treppenhaus

Vor Gericht Blutiger Streit im Treppenhaus

15 Monate Freiheitsentzug wegen gefährlicher Körperverletzung für einen 51 Jahre alten Frührentner, der im Treppenhaus im Streit einen Nachbarn mit dem Messer verletzt hat. Das hat das Schöffengericht Northeim am Donnerstag ausgeurteilt - und die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Lütgenrode/Northeim. Vorgeworfen wurde dem Frührentner aus dem Nörtener Ortsteil Lütgenrode, am 4. Juli 2014 seinen Nachbarn aus der Wohnung über ihm mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser mindestens fünf Schnittverletzungen am Kopf sowie zwei weitere Abwehrverletzungen am Unterarm beigebracht zu haben. Die Gesichtsverletzungen hätten potenziell lebensgefährlich sein können, heißt es in der Anklage.

Der Haussegen in dem Mehrfamilienhaus hing schon lange schief. Der Angeklagte hatte den Mann aus der Dachgeschosswohnung einmal verpfiffen, als der auf der Straße ein Auto zerkratzt hatte. Am Tattag trug der herzkranke Frührentner eine Kiste Bier ins Haus, als er gehört haben will „Draußen bleiben!“. Im Treppenhaus will er seiner Frau dann gesagt haben: „Der will wohl ein paar auf die Fresse?“ Das hatte der Mieter von oben gehört, soll heruntergerufen haben „Komm rauf, du faule Sau!“ - und dann sei der von oben, ein ehemaliger Irak-Kämpfer der Bundeswehr, heruntergekommen und habe mehrfach geklingelt. „An die Tür gebollert“ sagen der Angeklagte und seine Frau hingegen. Die Frau will Todesangst gehabt haben. Da habe er sie doch beschützen müssen, sagt der Angeklagte. Er habe sich ein Messer gegriffen, will die Tür geöffnet und das Messer als Drohung gezeigt haben. Das Opfer beschreibt den Moment so: Die Tür sei aufgerissen worden und der Nachbar sei sofort mit dem Messer auf ihn losgegangen.

Das Gericht folgte später jedoch der Schilderung des Angeklagten, geht also nicht von einem sofortigen Messerstich aus. Der will nämlich den Irak-Kämpfer zunächst mit Links gepackt haben und ihm das Messer mit dem Knauf zweimal auf den Hinterkopf geschlagen haben. Erst als der Gegner blutete und ihm die blutige Hand ins Gesicht geschlagen habe, habe er mit der Messerklinge angegriffen.

Das Schöffengericht folgt durchaus dem vom Angeklagten geschilderten Ablauf. Für die schwersten Verletzungen, die nach dem Schlag ins Gesicht beigebrachten Schnittwunden, schließt es sogar eine Notwehrsituation nicht aus. Aber auf den draußen klingelnden, vielleicht gar beleidigenden Nachbarn sofort mit einem Messer einzuschlagen, sei mit nichts zu rechtfertigen. Die Richter sehen eine Zäsur in dem Schlag mit der blutigen Hand. Vorher war es ein Angriff mit einem gefährlichen Werkzeug. Danach könne Notwehr nicht ausgeschlossen werden. Deshalb die noch milde Verurteilung nur für den ersten Teil.ck

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