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Impulse für die Innenstädte

Fachwerk-Fünfeck-Konferenz Impulse für die Innenstädte

„Leben in der Fachwerk-Stadt“ – unter diesem Titel sind am Freitag Vertreter der Fachwerk-Fünfeck-Städte in Einbeck zu einer Konferenz zusammengekommen. Die Gastredner haben dabei Perspektiven für die Innenstädte aufgezeigt, und Impulse gegeben, wie sich Mittelzentren in Szene setzen können.

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Bei der Fachwerk-Fünfeck-Konferenz in Einbeck am Rednerpult (v.l.): Hermann Staub, Sabine Michalek, Prof. Axel Priebs, Katharina Franzke und Georg Foltmann.

Quelle: Eichner-Ramm

Einbeck. Als Fachwerk-Fünfeck haben sich die Städte Einbeck, Duderstadt, Northeim, Hann. Münden und Osterode 2014 zusammengeschlossen und werden vom Bund im Rahmen des Programms „Nationale Projekte des Städtebaus“ bis 2018 gefördert. Zurzeit werde intensiv an einer Anschlussfinanzierung gearbeitet, sagte die Einbecker Bürgermeisterin und Gastgeberin der Konferenz, Sabine Michalek.

Schöne Innenstädte, aber der Schein trügt

Die fünf Mittelzentren hätten alle historische Fachwerk-Altstädte, die Michalek als „Schätze“ bezeichnete. Aber, so sagte sie, die Innenstädte seien nicht nur ein begehbares Museum, das Touristen begeistere. „Der Schein trügt“, sagte sie. „Die Kerne unserer Städte drohen zu verfallen und zu veröden“.

Um das zu verhindern, dürfe es nicht nur um die Erhaltung der alten Bausubstanz gehen, sondern die Menschen, die dort leben müssten sich dort auch zuhause fühlen. „Wir müssen unsere Städte wie ein Theater in Szene setzen“, sagte die Einbecker Bürgermeisterin.

Handel hat Leitfunktion für eine Stadt

Prof. Axel Priebs, Dezernatsleiter der Region Hannover und Vorsitzender des Zukunfstforums Niedersachsen, lieferte in seinem Vortrag Analysen von Mittelzentren und Beispiele von Städten, die mit unterschiedlichen Konzepten Leerständen oder fehlender Attraktivität entgegenwirken. „Die Stadtmitten sind die Visitenkarte einer Stadt“, betonte Priebs und ergänzte: „aber nicht nur für Touristen“. Der Handel habe nach wie vor Leitfunktion einer Stadt.

Manche Städte hätten selbst die Keimzelle für zunehmende Leerstände gelegt, indem sie dem Handel, insbesondere den Discountern ermöglicht hätten, an den Stadtrand zu gehen. Denn den Discountern folgten Drogeriemärkte, Textildiscounter und Schuhmärkte. Diese sogenannten Leitsortimente fehlten in der Folge in der Innenstadt und Kundenfrequenz werde abgezogen. Eine Mall oder ein Shoppingzentrum an der richtigen Stelle einer Innenstadt könne deren Attraktivität fördern, sagte Priebs und nannte das Beispiel Hameln.

Warum nicht eine Rückrufaktion für abgewanderte Bürger?

Mittelzentren bräuchten nach Auffassung von Priebs die Städtebauförderung als Unterstützung für ihre historischen Altstädte, sagte Priebs. Die Städte selbst rief er zu Imagekampagnen, mehr Selbstbewusstsein und einer Rückrufaktion für abgewanderte Bürger auf.

Arbeitsplätze auch für die Partner, eine vollständige Schul- und Kindergartenlandschaft, Wohnraum, verkehrsgünstige Anbindungen sowie Sport-, Kultur und-Gastronomieangebote seien in genau dieser Reihenfolge die Kriterien, die die Mitarbeiter des Einbecker Unternehmens KWS Saat SE an Wünschen an ihren Arbeits- und Wohnort stellen würden. Das sagte der KWS-Vertreter Georg Foltmann in seinem Vortrag und zeigte auf, wo in puncto Infrastruktur Nachbesserungsbedarf bestehe.

Ohne Gymnasium ziehen neue Mitarbeiter nicht nach Einbeck

Foltmann warnte eindringlich davor, das Gymnasium in Eingeck aufzugeben: „Wenn wir potenziellen neuen Mitarbeitern kein Gymnasium liefern können, ist die Wohnsituation in Einbeck für sie ein No-Go. Da hilft es auch nicht, wenn wir günsigen Wohnraum anbieten.“

Barrierefreiheit, moderne Grundrisse und kurze Wege

Wie die Wohnsituation dazu beitrage, die Menschen in den Innenstädten zu halten, zeigte Katharina Franzke, Geschäftsführerin der „Wohnen in Northeim“ GmbH am Beispiel Northeims auf. Sie sprach von gelungenen und geplanten Umbau- und Sanierungsmaßnahmen von Bestandswohnungen in Northeim – etwa aus den 50er- und 60er-Jahren, aber auch von Fachwerkhäusern. Barrierefreiheit, Quartiersmanagement, moderne Grundrisse und kurze Wege waren wesentliche Stichpunkte ihrer Ausführungen.

Fördermittel aus öffentlicher Hand für Private Sanierungsprojekte nötig

Schließlich schilderte Hermann Staub seine Erfahrungen bei der Sanierung einer Privatimmobilie in der Hann. Mündener Altstadt als Privatmann. „Erhebliche private Finanzielle Mittel“, seien dafür nötig, sagte er und betonte, dass ein solches Projekt nicht ohne Fördermittel der öffentlichen Hand möglich sei. „Wer nach kurzfristigem Profit guckt und nicht bereit ist, in Jahrzehnten zu rechnen“, so Staub, dem rate er: „Finger weg.“

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