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Säuglingsskelett freigelegt

Grabung an der früheren Wüstungskirche Säuglingsskelett freigelegt

Kurz vor Abschluss der zweiten Grabungssaison sind an der Ruine der Wüstungskirche bei Asche bemerkenswerte Funde gemacht worden. Direkt an der Außenmauer der früheren Pfarrkirche wurde ein Säuglingsskelett freigelegt, das sich in „sensationell gutem Zustand“ befindet.

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Letzte Grabungen an der Wüstungskirche bei Asche vor der Winterpause. Es wurde u.a. ein Kinderskelett gefunden.

Quelle: Harald Wenzel

Asche. Dass es sich bei der Kirchenruine um eine Pfarrkirche aus der Zeit um 1200 bis 1280 - handeln könnte, haben Grabungs-Initiator Frank Wiese, Archäologe Frank Wedekind und die ehrenamtlichen Ausgräber des Geschichtsvereins Asche-Ferlingsen schon geahnt. Die jetzt freigelegten Bestattungsspuren bestätigen das, wie Wiese sagt: „Die Kirche war zeitweilig eine Pfarrkirche“, denn nur dort habe es Bestattungen gegeben.

Bei den Grabungen im nunmehr zweiten Jahr wurde ein vollständig erhaltenes Säuglingsskelett dicht an der Kirchenmauer gefunden. Der kleine Schädel des Babys sei jedoch noch nicht an den Knochennähten zusammengewachsen gewesen, so Wiese. Archäologe Wedekind ergänzt, dass es sich um ein rührendes Beispiel des damaligen Bestattungskults handle. Weil das Skelett dicht an der Kirchenmauer bestattet wurde, handle es sich wohl um eine Traufbestattung. Das noch nicht getaufte gestorbene Kind wurde dort beigesetzt, wo das vom Kirchendach herabtropfende heilige Regenwasser dafür sorge, dass das Baby nocht getauft werde und in den Himmel komme.

Das etwa 50 Zentimeter große Säuglingsskelett ist fast vollständig erhalten geblieben. Das führt Wedekind darauf zurück, dass es auf weichem Kalkstein ruhe. „Umso weniger Kalk wird aus den Knochen gewaschen“, erklärt er. Kinderskelette seien häufig nicht so gut erhalten.

Die Grabungsstelle am Kirchberg bei Asche werde am Wochenende für den Winter abgedeckt, um die Ruine vor Feuchtigkeit und Witterung zu schützen, kündigt Wiese an. Zuvor werde der Skellettfund herausgenommen und antropologisch untersucht. Möglicherweise ergäben sich dadurch Hinweise auf die Todesursache, meint Wedekind. Wiese kündigt an, dass es wieder an gleicher Stelle beigesetzt werden soll.

Wenige Meter von der Fundstelle der Säuglingsgebeine nahe der sogenannten Laienpforte befindet sich die Priesterpforte der früheren Kirche. Dort brachten die Grabungen Schädelfragmente eines Kleinkindes zutage. Außerdem deuten zwei Gruben sowie der Umriss eines Grabes unmittelbar unter der Priesterpforte darauf hin, erklärt Wiese, „dass hier möglicherweise eine Bestattung mit Sarg“ vorgenommen wurde - eher ungewöhnlich im Mittelalter. Die Ascher Ausgräber vermuten, dass es im gesamten Bereich auf der Ostseite der Kirchenruine Bestattungen gegeben habe. Mindestens fünf bis sechs seien bisher nachgewiesen, so Wiese. Die Besonderheit an der Ausgrabung bei Asche, sagen Wedekind und Wiese, sei der gute Erhaltungszustand der Kirche. Bis zu zwei Meter Mauerwerk, zum Teil noch mit Spuren des Originalputzes, sowie Bogenfragmente und Bauornamente wurden bisher freigelegt. „Es handelt sich hier um eine Landkirche, die ein gewisses architektonisches Repertoire hatte“ - ein Alleinstellungsmerkmal, so Wiese. Kreisarchäologin Petra Lönne besichtigte am Freitag zusammen mit Hardegsens Bürgermeister Michael Kaiser die Grabungsstelle und lobte das Engagement des Geschichtsvereins bei der Erhaltung und Erforschung des Denkmals: „Hut ab.“

2 Bilder unter gturl.de/ grabung

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