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Zustimmung in der Bevölkerung für Windkraftanlage

200 Meter hoch, vier Millionen Euro teuer Zustimmung in der Bevölkerung für Windkraftanlage

Ein 200 Meter hohes Windrad errichtet die Firma Windenergie Hardegsen in Lichtenborn. Das vier Millionen Euro teure Kraftwerk, das drei Megawatt Strom erzeugen kann, geht Anfang August ans Netz. Es ersetzt drei halb so hohe Windräder (Gesamtleistung: 1,8 Megawatt) aus dem Jahr 1997.

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Quelle: Hinzmann

Lichtenborn. „Anderenorts bilden sich Bürgerinitiativen, um gegen Windkraftanlagen vorzugehen“, sagt Investor Jan-Christoph Friedrichs. In Lichtenborn habe sich bei einer Bürgerbefragung hingegen eine deutliche Mehrheit für das Projekt ausgesprochen. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, dem ortsansässigen und entsprechend „gut vernetzten“ Landwirt Frank Ahrens, habe er für das Kraftwerk geworben. Nötig geworden sei die Befragung, weil die neue Anlage nur 700 Meter vom Ort entfernt stehe. Der Rat der Stadt Hardegsen habe jedoch eine Entfernug von 1000 Meter festgelegt.

Planungsbeginn 2013

„Die Lichtenborner haben sich an den Anblick der insgesamt fünf Windräder gewöhnt, die von Ahrens Vater und Partnern errichtet worden sind“, sagt Friedrichs. Selbst von Göttingen aus seien die Anlagen zu erkennen. Das neue Kraftwerk werde mit einem Rotordurchmesser von 122 Metern noch besser zu sehen sein.

„Aufgrund des breiten Zuspruchs wollten wir die Bürger über die Genossenschaft Bürgerenergie Hardegsen an unserem Projekt beteiligen“, sagt Friedrichs. Die Genossenschaft habe sich 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima gebildet, um einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. „Wir wollten ein Drittel der Geschäftsanteile übernehmen“, bestätigt Dieter Sjuts, der Aufsichtsratsvorsitzende der Genossenschaft. Weil sich aber seit Planungsbeginn 2013 die Rahmenbedingungen verschlechtert und zudem immer neue, unvorhergesehene Kosten aufgetreten seien, hätten sie sich am Ende „schweren Herzens“ zurückgezogen. „Wir müssen uns vor 176 Genossen verantworten“, erklärt Sjuts.

Bei Lichtenborn wird ein 200 Meter hohes Windrad gebaut.

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Die immer neuen Hindernisse zerrten auch an Friedrichs Nerven. Mehrmals habe das Projekt auf der Kippe gestanden, bekennt der promovierte Landwirt und landwirtschaftliche Sachverständige aus Einbeck-Sievershausen. Ein Beispiel: „Die Flugsicherung der Bundeswehr verweigerte unserem Bauantrag, den wir im November 2015 beim Landkreis Northeim eingereicht hatten, die Zustimmung“, erinnert sich Friedrichs. Das Windrad, so hieß es, verstelle dem Militär die Sicht. Erst als sie mit einem teuren Gutachten der Airbus Defense and Space das Gegenteil bewiesen hätten, habe die Bundeswehr ihren Einwand zurückgezogen.

Immer neue Probleme im Verlauf

„Eine Zitterpartie“, so Friedrichs, sei auch der Bau des Fundaments gewesen. Es müsse auf felsigem Untergrund stehen. Eine Probebohrung habe ergeben, dass dies mindestens an einem Punkt der 19,5 mal 19,5 Meter großen Bodenplatte gegeben sei. Erst beim Ausschachten habe sich herausgestellt, dass dies auf der ganzen Fläche der Fall sei. Auch bei der Anfahrt zum Bauplatz habe es immer neue Probleme gegeben. Es sei nicht einfach, die großen Beton- und Stahlteile dort hinzubringen. Aufgrund der vielen Zeitverzögerungen schafften sie es nun nicht, wie ursprünglich geplant, das Kraftwerk noch im Juli in Betrieb zu nehmen. Dadurch verschlechtere sich für sie die Vergütung des Stroms.

„Im Gebiet der Stadt Hardegsen gibt es bisher nur in Lichtenborn Windkraftanlagen“, sagt Manfred Schöfer, der bei der Stadtverwaltung den Fachbereich Finanzen und Wirtschaft leitet. Der Flächennutzungsplan, der Vorrangflächen ausweisen solle, sei seit anderthalb Jahren in Arbeit. Der alte, allerdings nicht mehr gerichtsfeste Plan weise noch im Bereich Hevensen eine Fläche für Windräder mit einer maximalen Höhe von 100 Metern aus.

„Windräder sind auch südlich von Asche oder bei Gladebeck denkbar“, meint Sjuts von der Genossenschaft. Die Bürgerenergie würde sich gerne an einem solchen Projekt beteiligen. Alleine könnten sie die Kosten und das Riskio nicht stemmen.

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