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Stuhl auf Kopf des Opfers zertrümmert

Drei Jahre Haft Stuhl auf Kopf des Opfers zertrümmert

Weil er bei einem nächtlichen Wutausbruch seinen Chef zusammengeschlagen und schwer verletzt hat, muss ein 29-jähriger gelernter Elektromechaniker für drei Jahre ins Gefängnis. Das hat das Landgericht Göttingen entschieden. Die Kammer befand den Angeklagten der gefährlichen Körperverletzung für schuldig.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Nörten-Hardenberg. Der 29-Jährige hatte im Januar in einem Wohnhaus in einem Ortsteil von Nörten-Hardenberg (Kreis Northeim) mit einem Stuhl und einem Besenstiel derart massiv auf den 43-Jährigen eingeschlagen, dass dieser eine Vielzahl von Verletzungen am Kopf, im Gesicht und im Rückenbereich erlitt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten außerdem zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 7500 Euro. Er muss dem Opfer außerdem sämtliche weiteren Schäden ersetzen, die auf die Tat zurückzuführen sind.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine deutlich höhere Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren gefordert hatte. Die Nebenklage beantragte, den 29-Jährigen wegen versuchten Totschlages und gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Haft zu verurteilen. Die Verteidigung plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Nach Ansicht des Gerichts die Schuldfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit erheblich vermindert, da er stark alkoholisiert war. Ein Alkoholtest hatte damals einen Wert von 3,36 Promille ergeben. Den Ermittlungen zufolge hatte der 29-Jährige gemeinsam mit dem späteren Opfer in der Wohnung eines weiteren Zeugen erhebliche Mengen Alkohol getrunken. Als der 43-Jährige nach Mitternacht in seine eigene Wohnung ging, sei ihm der Angeklagte gefolgt. Vor der Wohnungstür sei es dann zum Streit gekommen.

Was dann folgte, war ein Gewaltexzess. Bei dem Angeklagten hatte sich zuvor großer Frust aufgebaut, weil er sich durch seinen neuen Chef schikaniert fühlte. Er habe diese aufgestaute Wut ausgelebt und den 43-Jährigen mit einer Vielzahl von Schlägen attackiert, sagte der Vorsitzende Richter Patrick Gerberding. Dabei habe er diesem erst mehrere Faustschläge auf`s Auge verpasst und dann mehrfach so heftig mit einem Stuhl gegen dessen Kopf geschlagen, dass der Stuhl zerbrach. Der Angeklagte habe anschließend mit den Bruchstücken des Stuhles und mit einem Besenstiel weiter auf den 43-Jährigen eingeschlagen.

Der 43-Jährige erlitt dadurch zehn isolierte Verletzungen am Hirn- und Gesichtsschädel sowie zahlreiche weitere Schnittverletzungen, Quetsch-Risswunden, Brüche der Lendenwirbelsäule und Hämatome. Die rechtsmedizinische Untersuchung ergab außerdem, dass der Angeklagte mindestens sechsmal den rechten oberen Ohrmuschelknorpel durchtrennt und den 43-Jährigen an Augenbrauen und Unterlidern verletzt hatte.

Täter informierte den Rettungsdienst

Nach Ansicht des Gerichts war dem 29-Jährigen aufgrund seiner Alkoholisierung nicht bewusst, dass die Schläge tödlich sein könnten. „Es war eine affektgeladene Spontantat“, sagte der Richter. Der 29-Jährige hatte schließlich von seinem Opfer abgelassen und einen weiteren auf dem Werkstattgelände lebenden Zeugen informiert, der den Rettungsdienst verständigte. Der Angeklagte habe den vor der Tür liegenden Schwerverletzten dann noch zu seinem Wohnwagen gebracht, weil ihm klar gewesen sei, dass dieser sonst in der Kälte erfrieren würde. Die Polizei nahm den 29-Jährigen kurz darauf fest, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

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