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Landkreis muss Lärmpegel ermitteln

Gandersheimer Domfestspiele Landkreis muss Lärmpegel ermitteln

Geht von den Gandersheimer Domfestspielen eine unzulässige Lärmbelästigung aus? Diese Frage muss jetzt der Landkreis Northeim überprüfen. Das Verwaltungsgericht Göttingen gab der Klage einer Anwohnerin des Domvorplatzes statt, die sich durch die Geräuschkulisse während der Festspielzeit beeinträchtigt fühlt.

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Quelle: Archiv

Bad Gandersheim/Göttingen. Das Gericht verpflichtete die Behörde zum „bauaufsichtlichen Einschreiten“. Der Landkreis muss in der nächsten Festspielsaison durch Sachverständige ermitteln lassen, wie hoch der Lärmpegel beim größten Freilichttheater Niedersachsens ist. Sollte sich herausstellen, dass die zulässigen Immissionsrichtwerte überschritten werden, müsste die Behörde gegen die Bad Gandersheimer Domfestspiele gGmbH einschreiten (Aktenzeichen 2 A 224/16).

Der Streit um die Geräuschkulisse bei den Domfestspielen schwelt bereits seit Jahrzehnten. Anfang der 1990-er Jahre hatte sich der Sohn der Klägerin, der im gleichen Haus wohnt, vor allem über die Lautstärke bei den Musical-Aufführungen beschwert. Damals hatte er wiederholt Proben und Festspielaufführungen gestört, indem er bei offenem Fenster Staubsaugergetöse oder Radiolärm auf den Domvorplatz hinausschallen ließ. Festspielbesucher in den hinteren Reihen bekamen so Musicalklänge von vorn und Popmusik von hinten zu hören.

Die Stadt Bad Gandersheim, die Eigentümerin des Wohnhauses ist, hatte damals einige Anstrengungen unternommen, um die lärmgestressten Mieter zu besänftigen. Unter anderem baute sie teure Schallschutzfenster mit einer speziellen Be- und Entlüftung ein, so dass auch bei geschlossenem Fenster frische Luft ins Haus strömte. Der Sohn der Klägerin war mit dieser Lärmschutzmaßnahme allerdings nicht einverstanden und verweigerte den mit dem Einbau der Fenster beauftragten Arbeitern der Stadt den Zutritt zu seiner Wohnung. Der Stadt blieb damals nichts anders übrig, als den Anwohner zu verklagen. Das Amtsgericht Bad Gandersheim entschied, dass der angeblich lärmgeplagte Mieter den Einbau der Lärmschutzfenster dulden müsse.

Dieser ließ indes nicht locker. 1995 wollte er mit einer Klage gegen den Landkreis Northeim die Inbetriebnahme einer neuen Tribüne mit 980 Sitzplätzen verhindern, erlitt jedoch eine Niederlage. Das Verwaltungsgericht Göttingen verwies damals darauf, dass nur der Eigentümer des Grundstücks klageberechtigt sei. Eigentümerin sei aber die Stadt Gand Gandersheim, und diese habe dem Bauvorhaben zugestimmt. Der Kläger bewohne in dem Haus lediglich ein Zimmer in der Wohnung der Eltern, denen die Stadt ein Wohnrecht auf Lebenszeit eingeräumt habe. Er selbst habe somit keinerlei Rechtsposition an der von ihm mitbewohnten Wohnung inne. Es gebe auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Geräuschkulisse der Festspiele „eine gesundheitsbeeinträchtigende Intensität“ erreiche. Das Gericht will nun mehr als 20 Jahre später ermitteln lassen, ob diese Einschätzung immer noch zutreffend ist.

Bei den diesjährigen Festspielen fanden zwischen Anfang Juni und Ende Juli insgesamt 56 Aufführungen vor dem Dom statt. Rund 43.000 der Besucher sahen vor der beeindruckenden Domkulisse Inszenierungen von „Kabale und Liebe“, „Saturday Night Fever“, „Comedian Harmonists“ oder das Kinderstück „Die kleine Hexe“. Im nächsten Jahr steht ein Jubiläum an: Dann finden die 60. Domfestspiele statt – mit Lärmmessungen. nie

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