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Eine automobile Lebensgeschichte

Wiedersehen mit dem Erstbesitzer Eine automobile Lebensgeschichte

Norbert Tilling hat mit seinem Opel Rekord eine Tour gemacht, die sicher nicht jeder Autobesitzer unternimmt: er hat dem Erstbesitzer seines Opels einen Besuch abgestattet.  Wilhelm Schwierking bestellte den Wagen 1969 und legte damit den Grundstein für eine etwas skurrile Automobilgeschichte.

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Wilhelm Schwierking (links) und Norbert Tilling

Quelle: r

Nörten-Hardenberg. Winter 1970, Rüsselsheim. Hier beginnt die Reise von Schwierking, einem Schuster der Bundeswehr aus Diepholz mit seinem Opel Rekord CL 1700 S (das L steht übrigens für Luxus). Bei dichtem Schneetreiben und auf Sommerreifen überführte er den Wagen inerhalb von  zwei Tagen in den Norden Deutschlands. Am 6. Januar 1970 erfolgte die Erstzulassung. Die ersten Jahre seines automobilen Daseins verbrachte der Opel gut behütet: Schwierking nutzte den ursprünglich türkisfarbenen Wagen nur an Sonntagen und für Urlaubsfahrten, sein Alltagsauto war ein eher klappriger Renault R4.

Sechs weitere Besitzer später nennt Tilling aus Nörten-Hardenberg den inzwischen in Saphirblau Metallic lackierten Wagen sein Eigen. Weil seine Frau zu ihrem Geburtstag eine kleine Reise zum Dümmer im Kreis Diepholz machen will, kommt ihm die Idee, den Erstbesitzer des Wagens, inzwischen jenseits der 80, zu besuchen. Eine kurze Recherche im Telefonbuch stellt den Kontakt mit dem begeisterten Senior her. Wegen relativ umfangreicher Blecharbeiten kann die Reise allerdings nicht mit dem Opel erfolgen, vorerst müssen Bilder genügen.  "Er hat sich gewünscht, den Wagen noch einmal zu sehen", sagt Tilling. Ein Gefallen, den Tilling ihm gern erweist, allein die zahlreichen Anekdoten aus der Geschichte des Wagens seien es wert gewesen.

Dabei ist schon die Geschichte, wie Tilling an den Rekord gelangte, alles andere als alltäglich. "Der letzte Besitzer vor mir war ein Student, der in der Göttinger Diskothek Tangente als Gläserspüler gearbeitet hat", erzählt Tilling. Eines Abends konnte ein Gast seine Zeche von ansehnlichen 120 Mark nicht bezahlen und hinterlegte als Sicherheit seinen Fahrzeugbrief, den des Opel Rekord. Der Vertrag dazu sei auf einem Bierdeckel festgehalten worden. Der Student zahlte schließlich die Zeche des Mannes und holte sich sein neues Auto. Nach einem halben Jahr verkaufte er ihn 1992 für 2000 Mark an Tilling.  "Ich hatte vorher Urlaubsgeld in bar ausgezahlt bekommen", erinnert sich der Nörten-Hardenberger. Er habe schon mehrere Opel Rekord besessen, wollte aber unbedingt ein Modell  "C" haben. Das Inserat zu seinem Objekt der Begierde entdeckte er übrigens in einer Ausgabe des Tageblattes. 

Nachdem er seine Frau mit diesem Wagen kennengelernt hatte sei ein Verkauf für ihn ausgeschlossen, sagt Tilling.  Zwar hat der Wagen 1999 einen Austauschmotor bekommen (das gleiche Modell wie ab Werk), aber Tilling schätzt, dass große Teile der Karosserie über 350 000 Kilometer auf dem Buckel haben, genau ließe sich das aber nicht sagen. "Im Sommer ist der Wagen täglich im Einsatz. Es ist ein sehr zuverlässiges Auto, hat mich bisher nie im Stich gelassen", betont sein stolzer Besitzer. 

So war dann auch die Fahrt nach Diepholz kein Problem für das inzwischen 47 Jahre alte Fahrzeug. Dort kam es dann zur freudigen Wiedervereinigung von Fahrzeug und Erstbesitzer. Der alte Herr wollte es sich zudem nicht nehmen lassen, selbst noch einmal eine Runde in seinem Rüsselsheimer zu drehen. Um einige Anekdoten reicher trat Tilling anschließend den Rückweg an. Im Übrigens scheinen beide Opelfreunde bis heute einen ähnlichen Geschmack zu haben, was Autos angeht. Auch Tilling besitzt auch noch einen Renault, allerdings keinen R4.

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