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Luther mischt Northeim und Einbeck auf

Roman von Albrecht Gralle Luther mischt Northeim und Einbeck auf

Passend zum bevorstehenden Reformationsjubiläum 2017 hat der Northeimer Schriftsteller Albrecht Gralle einen Martin-Luther-Roman vorgelegt: Er versetzt den Reformator per Zeitreise nach Südniedersachsen, wo sich Luther über die Gegenwart wundert und für einigen Wirbel sorgt.

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Albrecht Gralle hat einen Martin-Luther-Roman vorgelegt.

Quelle: r

Northeim. Gralle hat in seinen Werken schon öfter biblische Geschichten in die Gegenwart verlegt. Diesmal ist der Reformator dran. Bei einem Blitzschlag soll der historische Luther gelobt haben, sein Leben Gott zu widmen, und so ist es passenderweise ein Blitz, der Gralles Luther in die Gegenwart befördert – und zwar nach Northeim.

Roman mit viel Lokalkolorit

Der Autor, früher Pastor der Baptistengemeinde Northeim, hat seinem Roman viel Lokalkolorit mitgegeben: Luther besucht die Kirche St. Sixti in Northeim und trinkt in Einbeck Bier. Doch zugleich geht es Gralle, wie in vielen seiner Werke, auch um eine Auseinandersetzung mit dem Glauben. So wird Luther ausgerechnet von Pastor Andreas Sonnhüter aufgelesen, dem der Glauben abhanden gekommen ist. Da ist Luther, als begnadeter Seelsorger gezeichnet und von Gralle mit einer kräftigen, altertümlichen Sprache ausgestattet, ein guter Widerpart. Der Reformator läuft nämlich auch nach 500 Jahren noch zu Hochform auf, wenn er von der unverdienten Gnade Gottes spricht.

Gralle betreibt aber keine Heroisierung, sondern lässt Luther auch schlemmen und furzen. Vor allem aber wird der große Reformator von einer jungen Theologiestudentin ins Kreuzverhör über die dunklen Seiten seines Werkes genommen. Es geht um die Schriften gegen die aufrührerischen Bauern im Bauernkrieg und gegen die Juden. Die späten Folgen seiner Worte bringen Luther aus dem Takt, doch er wehrt sich auch: „Nur weil ich ein groß Zorn auf die Jüden hab gehabt, glauben all, sie könnten sich auf mich berufen. Teufelsdreck, feige Hasen!“

Gralle lässt es erzählerisch krachen

Luther macht sich schließlich auf den Weg nach Hause, nach Wittenberg. Unterwegs lässt Gralle es dann erzählerisch so richtig krachen: In Goslar verbringt Luther eine Nacht mit niemand geringerem als Papst Franziskus, der dort gerade inkognito unterwegs ist. In Magdeburg trifft Luther auf Muslime, Neonazis und eine Prostituierte.

In Wittenberg läuft der Reformator auf einer Jubiläums-Pfarrkonferenz noch einmal zu großer Form auf, als er in deftigem Luther-Deutsch den seiner Meinung nach laschen Glauben der Zuhörer abwatscht: „Und noch was han ich wider euch: Ihr sagt, ihr gläubt an Gott und gläubt doch nit. Ich hab hier bei euch keine heißen Beter nit gesehen. Alles nur kalte, dünne Gebet, abgelesen und lauwarm wie die Pisse in eurem Bauch.“ Danach lässt Gralle seinen Luther wieder von der Bildfläche verschwinden. Doch in Pastor Sonnhüter ist dank Luther wieder ein Funke Glaube aufgeglommen.
 
Albrecht Gralle: Als Luther vom Kirschbaum fiel und in der Gegenwart landete. Brendow-Verlag, 232 Seiten, geb., 14,95 Euro.

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