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Petry sorgt sich um deutsche Sprache

AfD-Kundgebung in Northeim Petry sorgt sich um deutsche Sprache

Knapp 150 Anhänger und Neugierige sind am Sonnabendnachmittag einem Aufruf der Alternative für Deutschland (AfD) gefolgt. Auf dem Markt sprach unter lautstarkem Protest von etwa gleichvielen AfD-Gegnern die AfD-Sprecherin Frauke Petry.

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Frauke Petry bei der Kundgebung der AfD in Northeim

Quelle: CH

Northeim. Pünktlich um 15 Uhr eröffnet die AfD. Die Gegendemo des DGB und des Northeimer Bündnisses gegen Rechtsextremismus, auf Distanz gehalten durch dezent von der Polizei bewachte Gitter, pfeift und trötet mit ebenfalls knapp 150 Teilnehmern. Die Betreiber des Eine-Welt-Ladens stehen in ihrer Eingangstür und spielen mit der Klampfe Friedenslieder gegen die politische Gegnerschaft beider Seiten.

Der AfD-Landesvorsitzende Armin Paul Hampel grüsst die Leute "von der anderen Feldpostnummer". Hampel ist Reserveoffizier und betont seinen Eid auf Deutschland. Plötzlich ist der Ton weg. Nur noch der Lärm der Gegendemo ist zu hören. Selbst das Megaphon versagt. "Sowas darf nicht passieren", schimpft ein betagter Zuhörer auf die eigenen Leute. Viele sind wie er jenseits des Rentenalters. Nach zehn Minuten geht es weiter. Hampel erklärt die AfD zur Partei des gesunden Menschenverstandes. Hauptgegnerin: die Bundeskanzlerin, die einfach die Grenzen aufgemacht habe. "Den Altparteien geht der Arsch auf Grundeis!", meint Hampel. Er rechnet großzügig mit dem Einzug in die kommunalen Parlamente und mit bis zu 180 Abgeordneten der AfD im Bundestag nach der Wahl.

AfD-Anhänger

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Dann kommt Frauke Petry. Unter Applaus der knapp 150 will sie "entscheidende Themen aufs Tapet bringen, vor denen die Einheitsparteien Angst haben." Petry spricht unter anderem über den Niedergang der deutschen Sprache. Sie habe ja zehn Jahre in Göttingen gelebt, studiert und gearbeitet. Schon damals habe man an der Uni kaum noch Deutsch gesprochen. Es schicke sich nicht mehr, in Deutschland Deutsch zu reden. Da würden Seminare lieber in schlechtem Englisch gehalten. Ihr Fazit: "Wer an einer Uni nicht mehr in der eigenen Sprache forscht und denkt, wird die eigene Sprache auf Dauer verlieren." Und: "Die Irrsinnigkeit gendergerechter Sprache kommt dazu." Damit lege Deutschland "die Säge an die Forschungskraft". Wacker musizieren die Betreiber des Eine-Welt-Ladens immer noch - in Englisch.

Die "Schreihälse" der Gegendemo werden von Petry beschimpft. Von den 150 Zuhörern klatscht nur gut die Hälfte zu ihren Forderungen, am lautesten aber, wenn es gegen Angela Merkel geht. Etliche stehen distanziert. Petry wähnt sich dennoch in der Mehrzahl. Viele trauten sich nicht zu sagen, was sie denken. Das Internet aber sei voll von dem, was auch AfD-Meinung sei. Zum Beispiel zum Thema Islam: Die AfD sei die einzige Partei, die die Errungenschaft der Aufklärung mit Trennung von Kirche und Staat bewahre. Von den Altparteien würde "im Ernstfall sogar die Scharia anerkannt werden". Und zur EU: "Der Euro schadet Deutschland." Großbritannien stellt Petry als Vorbild hin, das nach dem EU-Austritt nun Wirtschaftswachstum zu erwarten habe.

Nach 20 Minuten Petry ist Schluss. Die AfD-Veranstaltung endet mit der Nationalhymne. Die Gitarrengruppe singt immer noch: "We are going to San Francisco". Petry lässt sich unterdessen im Kreise ihrer Anhänger für die Parteichronik fotografieren.

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