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„Ritt auf der Rasierklinge“

Landgericht verurteilt Drogendealer zu Bewährungsstrafe „Ritt auf der Rasierklinge“

Der Drogenhändler, der sich seit Mittwoch vor dem Göttinger Landgericht zu verantworten hat, muss nicht hinter Gitter. Der 36-Jährige wurde am Donnerstag zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Einbeck. Allerdings nur ganz knapp. Das Verfahren bis hin zum Urteil sei „ein Ritt auf der Rasierklinge“ gewesen, befand August-Wilhelm Marahrens als Vorsitzender Richter. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf drei Jahre und sechs Monate ohne die Möglichkeit einer Bewährung wäre juristisch ebenfalls „durchaus vertretbar“ gewesen.

Letztlich habe eine Vielzahl von Faktoren den Ausschlag für eine Bewährungsstrafe gegeben, meinte Marahrens. So habe der Angeklagte ein volles Geständnis abgelegt und auf die Rückgabe von fast 3000 Euro verzichtet, die allerdings vermutlich aus Drogengeschäften stammen. Und die beschlagnahmten Drogenmengen seien im Rechtssinne zwar erheblich, nicht aber riesig. Und dazu auch noch von mäßiger Qualität, so dass die Wirkstoffmenge, aufgrund dessen sich Urteile bemessen, erst recht an der unteren Grenze liege. Zudem sei die Schreckschusspistole offenbar nicht für den tatsächlichen Einsatz bereitgehalten worden.

Außerdem, so Marahrens, müsse dem 36-Jährigen eine verminderte Schuldfähigkeit wegen seines eigenen gewohnheitsmäßigen Drogenkonsums während der Dealerei zugute gehalten werden. Die hatte zu Beginn der Verhandlung am Donnerstag die psychologische Gutachterin Martina Arndt konstatiert. Innerlich labil, Neigung zum Stottern, schon in frühen Lebensjahren depressiv und schüchtern, so ihr Fazit.

Trotz früherer Verurteilungen wegen Drogenhandels sei daher eine Verurteilung auf Bewährung gerade noch gerechtfertigt, erklärte Richter Marahrens, der mit dem Strafmaß dem Antrag der Verteidigerin folgte. Um diesem „absoluten Grenzfall“ gerecht zu werden, müssten jedoch „Daumenschrauben“ im Sinne von Aufsichtsverfügungen angesetzt werden: 250 Stunden gemeinnützige Arbeit, ein Bewährungshelfer, Aussetzung der Bewährung auf vier Jahre und das Bemühen um eine ambulante Drogentherapie. Die aber hat der 36-Jährige bereits aus eigenem Antrieb begonnen.

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