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Verschuldung bereitet schlaflose Nächte

Interview mit Astrid Klinkert-Kittel Verschuldung bereitet schlaflose Nächte

Astrid Klinkert-Kittel ist heute seit 100 Tagen als Landrätin des Landkreises Northeim im Amt. Im nachfolgenden Interview spricht sie über den bisherigen Verlauf ihrer Amtszeit.

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Astrid Klinkert-Kittel

Quelle: r

Northeim. Tageblatt: Frau Klinkert-Kittel, Sie sind am 25.6. seit 100 Tagen im Amt. Was hat Sie seither am meisten beschäftigt?

Klinkert-Kittel: Seit meinem Amtsantritt bin ich bestrebt die Fachbereiche und Einrichtungen des Landkreises mit meinen Mitarbeitern persönlich kennen zu lernen. Neben dem persönlichen Kontakt ist mir dabei auch wichtig, einen Eindruck vom Zustand der kreiseigenen Infrastruktur zu bekommen. Ich gebe zu, auch die Höhe der Verschuldung des Landkreises hat mir schon die eine oder andere schlaflose Nacht bereitet.

Gibt es Neuerungen, die Sie bereits auf den Weg gebracht haben? Welche sind das?

Es wird zum 1. August die neue, mir direkt unterstellte, Stabsstelle „Jugendhilfeplanung“ geben: Die Förderung von Kindern und Jugendlichen wird einer der Schwerpunkte meiner künftigen Arbeit sein. Aus der Stabsstelle „Wirtschaftsförderung und Tourismus“ wird zum 1. Juli die Stabsstelle „Wirtschafts- und Projektförderung“: Die Unterstützung der ehrenamtlichen Strukturen im Landkreis bei der Realisierung von Maßnahmen und Projekten und dabei die Übersicht im „Fördermitteldschungel“ zu behalten, steht bei dieser organisatorischen Maßnahme im Vordergrund. Im Übrigen habe ich aktuell den Auftrag erteilt, zu prüfen, wie wir unsere Dienstleistungen im Bereich der Zulassung besser verfügbar machen können.

Die Flüchtlingszahlen sind in den vergangenen Wochen merklich zurückgegangen. Wie verändert das die Situation im Kreis Northeim in Bezug auf Unterbringung und Integration?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich unheimlich stolz und froh bin, dass sich zahllose Ehrenamtliche in den vergangenen Monaten für die Aufnahme der geflüchteten Menschen eingesetzt haben. Die Situation hat sich insoweit verändert, dass sich die Zahl der geflüchteten Menschen in Sammelunterkünften drastisch verringert hat und wir, was die Unterbringung angeht, den Krisenmodus verlassen konnten und zu normalen Verhältnissen zurückkehren. Während vor einigen Monaten der Schwerpunkt auf der Unterbringung lag, verlagert sich dieser nun mehr und mehr auf die Integration. Mit unserer Kreisvolkshochschule haben wir einen wichtigen Partner für die Sprachausbildung direkt vor Ort. Auch im Bereich der beruflichen Integration sind wichtige Projekte angelaufen oder in Planung. Äußerst wertvoll bleibt die Arbeit der lokalen Initiativen.

Welche Ideen haben Sie, um dem Thema Landflucht beziehungsweise demografischer Wandel zu begegnen?

Es gibt nicht die „eine“ Maßnahme, mit welcher der demografische Wandel aufgehalten werden könnte. Wenn wir dem Wandel etwas entgegensetzen wollen, dann müssen wir die Region für junge Menschen und Familien attraktiv gestalten. Dazu gehören attraktive Schul- und Ausbildungsangebote ebenso wie Arbeitsverhältnisse und Freizeitangebote. Gerade für junge Familien sind Betreuungsangebote wichtig. Aber auch ein modernes und bedarfsgerechtes Angebot an Mobilität spielt eine Rolle. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an der Umsetzung des geförderten Breitbandausbaus im Landkreis Northeim. Und das Südniedersachsenprogramm enthält viele gute Projekte und Ideen, die es gemeinsam umzusetzen gilt.

Sie haben betont, dass Ihnen die interkommunale Zusammenarbeit wichtig ist. Wo sehen Sie hier in der nächsten Zeit Möglichkeiten?

Die bedeutendste interkommunale Zusammenarbeit dürfte in nächster Zeit die Umsetzung des Südniedersachsenprogramms und der daraus entwickelten Projekte sein. Mit dem Regionalmanagement haben wir ein weiteres wichtiges Standbein, welches wir gemeinsam mit den Städten und Gemeinden nutzen wollen. Außerdem stellen wir Überlegungen an, beim Landkreis eine zentrale Vergabestelle einzurichten, hier wäre eine Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden vorstellbar. Auch im Bereich der Arbeitssicherheit und des Arbeitsschutzes streben wir eine Zusammenarbeit an.

Ihr Wunsch an die neuen Vertreter der Kreis-Gremien, die am 11. September gewählt werden?

Ich wünsche mir Vertreter im Kreistag, die bei allem Wünschenswerten das Machbare und Notwendige im Auge behalten. Es muss uns gemeinsam gelingen, die Verschuldung des Landkreises Northeim durch Konsolidierung der Kreisfinanzen weiter abzubauen, um nachfolgende Generationen nicht über Gebühr mit Schulden zu belasten. Dies schaffen wir nur im offenen und sachlichen Dialog an dessen Ende wir sicherlich auch die eine oder andere unliebsame Entscheidung werden treffen müssen.

 

Interview: Britta Eichner-Ramm      

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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

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