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„Wir meckern auf hohem Niveau“

Nörten-Hardenbergerin in Namibia „Wir meckern auf hohem Niveau“

Nörten-Hardenberg. Vier Wochen lang hat Britta Engelhardt an einer Schule für Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen in Namibia mitgeholfen. Ohne Bezahlung, sondern weil sie herausfinden wollte, „wie im Ausland mit dem Thema Inklusion umgegangen wird“. Jetzt ist sie zurück in Nörten-Hardenberg.

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Britta Engelhardt mit Tjuti (links) und ihrem "Schützling" Metangaje.

Quelle: R

Nörten-Hardenberg. Namibia habe sie bei drei Urlaubsreisen aus touristischem Blickwinkel kennengelernt, sagt die 41-Jährige, die in Nörten-Hardenberg ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde ist und als selbstständige Supervisorin arbeitet. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit sei die Arbeit mit Menschen mit Behinderung, so Engelhardt auf die Frage, was sie zu ihrer vierwöchigen Auszeit in Namibia brachte. „Ich wollte gucken, wie andere Länder mit dem Thema Inklusion umgehen“. Nach kurzer Recherche im Internet stieß sie auf die Train Occassion Primary School in Otjiwarongo, etwa 180 Kilometer südlich des Etosha-Nationalparks und 250 Kilometer von der namibischen Hauptstadt Windhoek entfernt. Keine zwei Stunden, nachdem Engelhardt bei der Schulleiterin, einer gebürtigen Deutschen, ihre Anfrage gestellt hatte, kam das Okay, dass sie im September vier Wochen mitarbeiten darf.

25 Schüler zählt die Grundschule, etwa die Hälfte habe aufgrund von körperlichen, geistigen oder auch seelischen Beeinträchtigungen Hilfebedarf, beschreibt Engelhardt die Situation. Nicht mehr als sechs Kinder seien es pro Gruppe an der Schule in der Stadt Otjiwarongo, „aber es gibt nur zwei Festangestellte“. Den Rest übernähmen Ehrenamtliche, wie die anderen drei Volunteers, die Engelhardt während ihres Aufenthaltes kennenlernte - ein Schweizer, der zuletzt im Qualitätsmanagement einer großen Firma gearbeitet habe und sich gerade versuche selbst zu finden, eine 19-Jährige aus Bayern, die noch nicht wisse, was sie wolle, und eine Studentin.

Die Nörtenerin ist nach ihrem Aufenthalt in Namibia überzeugt: „Inklusion funktioniert überhaupt nicht ohne Ehrenamtliche“. Persönlich habe sie ihren Blick erweitert in Bezug auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen im Ausland. Hierzulande, meint sie, „meckern wir auf hohem Niveau“.

Untergebracht war die 41-Jährige bei einer Gastfamilie. Metangaje, der zehnjährige Sohn der eher wohlhabenderen Herero-Familie, bekam von Engelhardt eine Einzelbetreuung. Der Junge habe autistische Züge, und ihm falle die Teilnahme am normalen Unterricht schwer, weil er sich leicht ablenken lasse. Zwar sei ihre Gastfamilie „nicht so wahnsinnig herzlich“ gewesen, wohl aber hätten sie wie viele Namibier die Menschen näher an sich rangelassen.

Über ihre Eindrücke aus Namibia berichtet Engelhardt am 19. November, um 11 Uhr in der Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung, Gartenstraße 25 in Göttingen.

Die Train Occasion Primary School

Die Train Occasion Primary School in Otjiwarongo im Norden Namibias ist eine Grund- und Vorschule für unterstütztes Lernen. Auf der Internetseite der Schule heißt es, dass auch in Namibia Inklusion groß geschrieben wird, aber in der Praxis kaum möglich ist. Allgemeinbildende staatliche Schulen würden etwa 40 Schüler pro Klasse betreuen, ein benachteiligtes Kind könne da keine geeignete Förderung erhalten.

Train Occasion bedeutet soviel wie „Gelegenheit zu trainieren und sich dadurch zu entwickeln“. Die Schule unterrichtet zurzeit 25 Kinder mit besonderen Lernschwierigkeiten wie geistigen und körperlichen Behinderungen, aber auch Kinder ohne Probleme. Die Schüler sämtlicher Bevölkerungsgruppen können hier in ihrem eigenen Tempo lernen. Die Schule finanziert sich durch Schulgeld, das je nach Einkommen der Eltern gestaffelt ist, und Spenden. Weitere Infos: trainoccasion-primaryschool.webs.com/

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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

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