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„Wunsch nach einer Gleichgesinnten“

Nach Krebserkrankung Freunde geworden „Wunsch nach einer Gleichgesinnten“

In der schwersten Phase ihrer beider Leben ist eine enge Freundschaft zwischen Meike Hampel und Miriam Diederich entstanden. Diese Freundschaft half den Frauen, die an einer meist tödlich verlaufenden Vorstufe der Leukämie litten, die Zeit der Krankheit zu überstehen.

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Miriam Diederich (links) und Meike Hampel haben sich während der Krankheit kennengelernt

Quelle: Christina Hinzmann

Nörten-Hardenberg/Obernfeld. Die Nörten-Hardenbergerin Meike Hampel und die Obernfelderin Miriam Diederich kannten sich bis vor rund drei Jahren nicht. Heute sind sie eng miteinander befreundet. Sie verbindet das gleiche Schicksal: Beide litten am MDS/MPS overlap Syndrom, einer Vorstufe der Leukämie. Im Jahr 2013 ließen sich beide Stammzellen transplantieren und bauten vor allem während und nach der Zeit in der Klinik, eine enge Verbindung zueinander auf. „In so einer Zeit hat man den Wunsch nach einer Gleichgesinnten“, erzählte die 51-jährige Hampel. „Ich konnte gut verstehen, was sie in dieser Zeit bewegte, denn mir ging es genauso wie ihr“, fuhr sie fort.

Durch eine Typisierungsaktion, die auch in der Zeitung stand, erregte Diederichs Schicksal die Aufmerksamkeit von Hampels Schwester. Diese rief die 32-jährige Diederich an und stellte den Kontakt zu Meike Hampel her. Die beiden Frauen lernten sich in den Monaten vor ihrer Transplantation kennen. „Im Mai 2013 haben wir uns auf ein Eis im Uniklinikum Göttingen getroffen“, erinnerte sich Hampel. „Es passte einfach von Anfang an“, ergänzte Diederich.

Im Sommer 2013 ließen sich die Frauen Stammzellen transplantieren. „Ich war vorher dran und habe es quasi für Meike getestet“, scherzte Diederich. „Wir haben uns immer wieder geschrieben, Ich habe sie die unmöglichsten Dinge gefragt, weil ich mich irgendwie darauf vorbereiten wollte“, schilderte Hampel.

"In dem Moment hat die Vernunft bei mir ausgesetzt"

Die 51-Jährige erläuterte, dass sich das Immunsystem während der Zeit in der Klinik durch die Chemotherapie komplett heruntergefahren habe. „Ich habe Miriam sogar einmal auf der Station besucht, was eigentlich ein Tabu ist. Sie sah gut aus, und das hat mir unheimlich gut getan, aber ich hatte auch ein schlechtes Gewissen wegen der Infektionsgefahr“, so Hampel. „In dem Moment hat die Vernunft bei mir ausgesetzt. Ich wollte einfach sehen, wie es ihr geht.“

Für die Patientinnen war die vierwöchige Behandlungszeit in der Klinik sehr kraftraubend. Die Zwillingsmutter Diederich berichtete: „Ich habe während dieser Zeit an meine Kinder gedacht. Auch in der Zeit nach der Klinik waren sie mein Kraftpol.“

Während der Behandlung und in der Zeit danach haben sich beide gegenseitig Kraft gegeben, wenn es ihnen nicht gut ging, erzählten sie. Heute gelten sie als gesund.

„Wir reden natürlich viel über unsere Krankheit. Das hilft beim Verarbeiten. Es tut gut, ist aber kein Dauerthema“, so Diederich.

Freundschaften entstehen

Bilder von ihrer Freundin Meike Hampel und sich im Wartezimmer des Klinikums stellte Miriam Diederich mit der Überschrift „Freundschaften entstehen“ ins Internet und erhielt eine Anfrage vom ZDF-Servicemagazin „Volle Kanne“. Daraufhin trafen sich beide Frauen mit dem Team des Servicemagazins zum Dreh, um über ihr Schicksal und ihre Freundschaft zu berichten. „Alles Revue passieren zu lassen, ist nicht einfach“, schilderte Diederich. „Aber unsere Geschichte zeigt, dass alles gut ausgehen kann und ruft auch andere Leute zur Typisierung auf“, erzählte die junge Mutter.

Der Dreh umfasste Szenen aus dem Klinikum und dem Kennenlernen von Diederich und deren Stammzellenspender. „Es war ein anstrengender, aber toller Tag“, fasste Hampel den Drehtag zusammen. Der Tag weckte bei den Frauen Erinnerungen an die schwere Zeit. Für beide sei der Schritt, sich zur Behandlung auf die Station zu begeben, sehr schwierig gewesen. „Ich fühlte mich gesund, als ich auf die Station kam, und wusste, dass ich mich auf der Station krank fühlen werde“, sagte die 51-jährige Nörten-Hardenbergerin. Diederich zufolge sei sie zwei Tage vor ihrer Behandlung noch 30 Bahnen geschwommen.

Beide sind sich einig, dass das Erzählen ihrer Geschichte „eine gute Sache“ ist. „Mir hat es damals Mut gemacht, von jemanden zu lesen, der überlebt hat, und dem es heute gut geht“, sagte Diederich. „Wir sind nicht mehr so belastbar wie früher“, beschrieb Hampel die Folgen der Behandlung. Trotzdem sagte sie: „Alles ist gut, aber nichts ist so, wie es früher war“. Den Bericht über die beiden Frauen zeigt das ZDF in der Sendung „Volle Kanne“ am 29. Juli.

Typisierung

Dr. Beatrix Pollok-Kopp, ärztliche Leiterin von der Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen, informiert über die Typisierung bei der KMSG: Menschen im Alter von 18 bis 50 Jahren können sich typisieren lassen. Ausschlusskriterien für eine Spende sind schwere Erkrankungen wie ein Schlaganfall, Diabetes oder Autoimmunerkrankungen. Eine Ausnahme bildet die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis. Auch Drogensüchtige und Alkoholkranke können keine Spender werden. Die Typisierung wird über Spenden finanziert.

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