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76-Jähriger greift Vermieterin mit Messer an

Bad Lauterberg 76-Jähriger greift Vermieterin mit Messer an

Ein 76-jähriger Spätaussiedler aus Russland ist vom Landgericht Göttingen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte den Rentner angeklagt, weil err im Juli 2015 seine 79-jährige Vermieterin in Bad Lauterberg mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt hatte.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Bad Lauterberg. Das Landgericht verurteilte den 76-Jährigen, der seit 25 Jahren straffrei in Bad Lauterberg lebt, am Freitag wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Auflage muss er seiner früheren Vermieterin sofort 800 Euro als Schadenswiedergutmachung zahlen sowie 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, deren finanzieller Gegenwert ebenfalls dem Opfer zu Gute kommt.

Ursprünglich hatte der Prozess bereits im April stattfinden sollen. Nachdem der 76-Jährige jedoch nicht zu dem Termin erschienen war, hatte ihn das Gericht in Hauptverhandlungshaft nehmen lassen. Zu Beginn des neuen Verhandlungstermins legte der Angeklagte dann ein Geständnis ab.

Der 76-Jährige war erst wenige Wochen vor der Tat aus Süddeutschland in den Südharz gezogen. Er hatte sich damals auf eine Wohnungsanzeige der ebenfalls aus Russland stammenden 79-jährigen Frau gemeldet und war dann als Mieter in ihr Wohnhaus in Bad Lauterberg eingezogen. Weil er sich jedoch offenbar mehr als nur ein reines Mietverhältnis versprochen hatte, kam es schon bald zum Konflikt. Als die 79-Jährige ihn zum Auszug aufforderte, so die Anklage, würgte er sie zunächst mit beiden Händen und stach dann mit einem Küchenmesser auf sie ein. Die Stiche trafen das Opfer im Rücken, im Oberbauch und im Ellbogen.

Die 79-Jährige schaffte es in dieser lebensgefährlichen Situation, so beruhigend auf ihn einzuwirken, dass er schließlich von ihr abließ. Während sie blutüberströmt zu den Nachbarn rannte, um Hilfe zu holen, unternahm er zwei Suizidversuche, die beide misslangen. Die 79-Jährige war durch die Messerstiche so schwer verletzt worden, dass sie längere Zeit auf der Intensivstation behandelt werden musste. Sie habe Todesangst ausgestanden und leide immer noch sehr unter den psychischen Folgen der Tat, sagte die Anwältin der als Nebenklägerin auftretenden Frau.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Antrag gestellt. „Es ist eine widerliche Tat, die Sie da verübt haben“, hielt der Vorsitzende Richter August-Wilhelm Marahrens dem Angeklagten vor. Hätte dieser nicht von seinem Opfer abgelassen, hätte er sich wegen eines versuchten Tötungsdelikts vor dem Schwurgericht verantworten müssen. Auch das Geständnis wirkte sich strafmildernd aus, weil es damit dem Opfer erspart blieb, vor Gericht als Zeugin auszusagen. Die 79-Jährige habe damals „sagenhaft tough“ gehandelt, als sie in Ruhe auf ihn einredete, sagte der Richter. Um ihr die Angst zu nehmen, dass sie ihm noch mal begegnen könnte, untersagte das Gericht dem Angeklagten jegliche Kontaktaufnahme zu ihr. pid-nie

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