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Experten untersuchen die Wanderrouten der Harzer Luchse

Die A 7 ist das größte Hindernis Experten untersuchen die Wanderrouten der Harzer Luchse

Bad Harzburg. Wie schaffen es die Luchse, den Harz zu verlassen und sich in anderen Regionen auszubreiten? „Das größte Hindernis sind stark befahrene Straßen“, sagt der Luchsbeauftragte der Harzer Nationalparkverwaltung, Ole Anders. „Vor allem die Autobahn 7 stellt eine enorme Barriere dar.“

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Schnappschuss mit der Fotofalle: Ein Luchs spaziert durch einen Durchlass an der Bundesstraße 242, der für Wildkatzen angelegt wurde.

Quelle: Götz/pid

Inzwischen ist es jedoch einigen Pinselohren gelungen, mehrspurige Bundesstraßen und Autobahnen zu queren. In einigen Fällen haben die Luchs-Experten mit Hilfe von Telemetrie-Daten und Fotofallen die Stellen identifizieren können, wo die Luchse erfolgreich „rübergemacht“ haben.

Die Auswertung ergab, dass die „Grenzübergänge“ vor allem zwei Gemeinsamkeiten aufweisen: Zum einen grenzten zu beiden Seiten Wälder oder zumindest hohe Vegetation an die Schnellstraße. Außerdem befand sich an dem jeweiligen Streckenabschnitt entweder eine Unterführung oder eine Grünbrücke, sodass die Luchse gefahrlos auf die andere Seite gelangen konnten.

Um nähere Erkenntnisse über die Migrationswege der Luchse gewinnen zu können, hatten die Forscher die Unterführungen und Wildbrücken an den Bundesstraßen und Autobahnen kartiert, die westlich und südlich des Harzes verlaufen. „Wir haben uns für diese Straßen entschieden, weil sich die Harzer Luchspopulation bislang überwiegend in Richtung Westen und Südwesten ausgebreitet hat“, erklärt Anders.

Zu den kartierten Streckenabschnitten gehörte unter anderem die A 7 zwischen Hildesheim und der Landesgrenze nach Hessen. „Auf diesem 120 Kilometer langen Abschnitt befinden sich bislang nur wenige durchlässige Stellen ganz im Norden und im Süden, dazwischen gibt es keine geeignete Überquerungsmöglichkeit für den Luchs“, sagt Anders.

Seit dem Start des Auswilderungsprojekts im Jahr 2000 sind nach den Erkenntnissen der Luchs-Experten mindestens 15 Pinselohren dem Verkehr zum Opfer gefallen. Ein Luchs wurde beispielsweise bei Bockenem getötet, als er die A 7 überqueren wollte. Ein anderer Luchs fiel dem Verkehr auf der B 243 bei Osterode zum Opfer. Beide Luchse seien nur wenige Hundert Meter von einer Unterführung entfernt gewesen, sagt Anders.

Die geringe Durchlässigkeit der A 7 ist vermutlich der Grund dafür, dass die Harzer Luchse als erstes in den Kaufunger Wald ausgewandert sind und nicht in den Solling. Die Autobahn 7 versperrt ihnen den direkten Weg in das waldreiche und viel nähere südniedersächsische Mittelgebirge. Inzwischen wurden aber auch dort Luchse gesichtet. „Wir haben sogar Hinweise darauf, dass es im Solling Luchs-Nachwuchs gibt“, freut sich Anders.

Deutlich mehr Querungsmöglichkeiten bietet die Autobahn 38 südlich von Göttingen. Zwischen Friedland und Worbis gibt es zwei Streckenabschnitte mit sieben geeigneten Unterführungen. Telemetrie-Daten von besenderten Luchsen zeigen, dass ein Luchs schon mindestens zweimal die A 38 gequert hat.

Einmal nutzte er einen Wilddurchlass, einmal war er auf dem Heidbergtunnel unterwegs. Auch der Luchs „M9“, der im vergangenen Frühjahr bei Hedemünden eingefangen und mit einem Senderhalsband ausgestattet worden war, hat die A 38 gequert.  An der Bundesstraße  243 gibt es zwischen Herzberg und Osterode mehrere Unterführungen, die bereits mehrfach von Luchsen genutzt wurden.

Dass die Pinselohren auch engere Durchlässe nicht scheuen, beweist eine Fotofallen-Aufnahme von der B 242 bei Harzgerode. Weil in dem Bereich häufiger  Wildkatzen überfahren wurden, hatte die Landesstraßenbaubehörde dort zwei spezielle Wildkatzen-Durchlässe errichten lassen.

Um zu prüfen, ob die Wildkatzen die neuen Unterführungen auch nutzen, wurden dort Fotofallen installiert. Auf einem der Fotos ist ein Luchs zu sehen, der durch die Unterführung spaziert.

Von Heidi Niemann

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