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Gero Geißlreiter sucht einen neuen Job

Ehemaliger Erster Kreisrat von Osterode Gero Geißlreiter sucht einen neuen Job

Nach dem Fusionstermin Anfang des Monats ist es ruhig geworden im Dienstzimmer von Gero Geißlreiter. „Ich bin Kreisrat zur besonderen Verwendung“, schmunzelt er. Nach all den arbeitsreichen Jahren ist diese Situation doch ungewohnt.

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Gero Geißlreiter in seinem Dienstzimmer. 

Quelle: Michael Paetzold

Osterode. Bis zum 31. Dezember muss der ehemalige Erste Kreisrat des Landkreises Osterode im Kreishaus noch Dienst schieben. Und dann?

Bewegte Arbeitsjahre

Gero Geißlreiter hat bewegte 16 Jahre bei der Osteroder Kreisverwaltung hinter sich, vor allem in Zuge der Fusionsvorbereitung. Nach dem Wechsel von Landrat Bernhard Reuter nach Göttingen hatte er die Aufgaben eines hauptamtlichen Landrats übernommen, er war Erster Kreisrat, hatte die Dienst- und Fachaufsicht in der Verwaltung, war als Justiziar der einzige planmäßige Volljurist der Verwaltung im Fronteinsatz, füllte die Pressestelle aus, war seit 2013 zudem Fachbereichsleiter des Jobcenters und zuletzt Fachbereichsleiter Jugend und Soziales. „Das ging alles nur, weil ich gute und leistungswillige Mitarbeiter an meiner Seite hatte. Da will ich mich nicht mit fremden Federn schmücken“, relativiert er.

Kraftakt für Verwaltung

Als gewaltigen Kraftakt für die gesamte Verwaltung bezeichnet der 47-Jährige den Fusionsprozess vor allem in der Phase, als Verwaltung und Politik mit Goslar, dem Landkreis und der Stadt Göttingen sowie mit Northeim teils parallel verhandelten. Das habe sie vor große Herausforderungen gestellt und mit den Arbeitsgruppen viele Kräfte gebunden. Die Politik habe damals keine klaren Ansagen gemacht und die Sache lange in der Schwebe gehalten. Geißlreiter erlebte reichlich Grabenkämpfe, Vorbehalte in der Politik und stand dabei als Mann an der Verwaltungsspitze ständig im Kreuzfeuer alle möglichen Interessensgruppen. Seinen teils nervenaufreibenden Job erledigte er selbst dann noch, als ihn eine schwere Krankheit ereilte.

Chemo- und Strahlentherapie, Operation: Der Erste Kreisrat war schnell wieder im Dienst. Andere hätten dankend abgelehnt und sich gefragt: Wofür? Er habe die Behandlung gut vertragen, und auch medizinisch sei die Arbeit vertretbar gewesen, erläutert er sein Engagement, und: „Das Alltagsgeschäft hat mich von der Krankheit abgelenkt und war eine willkommene Abwechslung.“ Inzwischen ist Geißlreiter wieder genesen.

„Habe ein dickes Fell“

Nein, Dank erwartet er nicht für seinen Einsatz . Das sei in dem Job auch nicht vorgesehen. So nimmt er die gerne genutzte Verballhornung seines Namens als „Geißlreuter“ auch locker, die seine Nähe zum Göttinger Verwaltungschef beschreiben soll. „Erstmal habe ich ein dickes Fell, und es ist doch irgendwie auch eine Ehre. Schließlich wird Landrat Bernhard Reuter als Architekt der Fusion bezeichnet.“ Wie es im neuen Jahr für ihn weitergeht, weiß der Northeimer derzeit nicht. Obwohl er in den Ruhestand treten könnte, soll es das beruflich noch nicht gewesen sein. Als Volljurist tue sich ihm ein weites Feld auf, er werde seine beruflichen Möglichkeiten prüfen.

Zudem wird er sich um die freie dritte Dezernentenstelle beim neuen Landkreis Göttingen bewerben, bleibt bei allen Verdiensten um die Fusion dabei aber Realist. Die Weichen stellten sich nach nackter Machtarithmetik, bringt es Geißlreiter auf den Punkt, die Politik gehe über Einzelinteressen hinweg. „Das war mir immer klar.“ Selbstbewusst in Fusion gehen Während der konstituierenden Sitzung des Kreistages in Göttingen am 3. November waren mit Christel Wemheuer (Grüne) und Marcel Riethig (SPD) zwei der drei Dezernentenstellen erwartungsgemäß besetzt worden. Die Dritte soll an die CDU gehen und wird ausgeschrieben. Geißlreiter ist CDU-Mann.

Allerdings ist derzeit Marlies Dornieden, CDU-Bürgermeisterin der Samtgemeinde Gieboldehausen, als aussichtsreichste Bewerberin im Gespräch. Den Menschen im Altkreis Osterode rät der ehemalige Verwaltungschef, mit Selbstbewusstsein in die Fusion zu gehen und die Chancen im neuen großen Landkreis zu sehen. „Es hilft nicht weiter, einer Idylle hinterher zu jammern, die es nie gab“. Heimat, so ist er sich sicher, findet in der Gemeinde statt. Die Aufmerksamkeit der Politik im Altkreis will er aber auf einen besonderen Umstand lenken.

Fachkräfte aus der Sösestadt seien bei Leitungsfunktionen in der Verwaltung auch unterhalb der Dezernentenebene unterrepräsentiert. Nur eine von sieben Stabsstellen beziehungsweise Referaten falle der Osteroder Leitung zu, ebenso nur zwei von elf Fachbereichen: „Der Anteil von Osterodern in Führungsstellen ist unbefriedigend.“ Wie auch immer sich die berufliche Entwicklung Geißlreiters vollzieht: Anfang des Jahres wird die Familie zunächst von der geänderten Situation profitieren können. Das ist in jedem Fall schon mal eine gute Perspektive.  

Von Michael Paetzold

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