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Ärzte bereit für flexible Lösung

Kinderärztlicher Notdienst Ärzte bereit für flexible Lösung

Dass die Aufgabe des Kinderärztlichen Notdienstes im Altkreis Osterode ein Thema ist, das viele Eltern sehr bewegt, zeigte die große Teilnahme am Samstag an der Infoveranstaltung der Bürgerinitiative (BI) Für Osterode. Über den zukünftigen Kindernotdienst ab 2018 im Landkreis Göttingen informierte der Geschäftsführer der Bezirksstelle Göttingen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) Harald Jeschonnek.

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Bei der Diskussion über eine mögliche Lösung, den Kinderärztlichen Notdienst für den Altkreis Osterode zu erhalten: Kinderärzte Ute Leib und Martin Webel mit Dr. Andreas Philippi und Harald Jeschonnek (v.li.).

Quelle: Herma Niemann

Bad Lauterberg. Es sei unzumutbar, mit einem kranken Kind im schlimmsten Fall mehr als 60 Kilometer bis nach Göttingen fahren zu müssen, sagte der Vorsitzende der BI, Bernd Hausmann. Deshalb habe man zu dieser Zusammenkunft eingeladen, um Alternativlösungen zu suchen. Hausmann berichtete, dass es mehrere Unterschriftenaktionen zum Erhalt des Notdienstes gebe, die auch weiterhin laufen sollen.

Hintergrund für die Zentralisierung des Kinderärztlichen Notdienstes in Göttingen sei, dass die Bereitschaft von Ärzten, sich im ländlichen Raum niederzulassen, gesunken sei, da die Bereitschaftsdienste nicht dazu beitragen, Beruf und Familie miteinander zu verbinden, so Jeschonnek. Daraufhin habe die KVN durch ihre Vertreterversammlung festgelegt, dass Ärzte nur noch vier Bereitschaftsdienste pro Quartal absolvieren müssten. Bei 92 Tagen im Quartal müssten demnach 23 Kinderärzte vorhanden sein. Mit den vorhandenen sechs Kinderärzten im Altkreis Osterode sei dies nicht aufrecht zu erhalten, zumal man demnächst auch daran denken müsse, dass in einigen Jahren Nachfolger gefunden werden müssten. Bereits jetzt gebe es in vielen Regionen keinen Kinderärztlichen Notdienst.

Eine weitere neue Bedingung sei, dass der Bereitschaftsdienst zentral einer Klinik angeschlossen sein muss, da dort auch die nötigen Geräte vorgehalten werden können. Regelungen seien nicht in Stein gemeißelt, so Jeschonnek, aber bei allen Angelegenheiten habe die KVN immer gesamt Niedersachsen im Auge.

Dr. Roy Kühne (CDU) betonte, dass die KVN Anreize schaffen müsse. Der Wegfall des Kindernotdienstes bedeute für die Region eine Attraktivitätsverlust. Wenn es im ländlichen Raum so weiterginge, habe man bald ein großes Problem bei der gesamten ärztlichen Versorgung. „Die Beibehaltung eines Kinderärztlichen Notdienstes ist ein Qualitätsmerkmal, das wir hier brauchen. Auch wenn man es nicht jedem Recht machen kann, muss es doch eine Kompromisslösung geben“, so Kühne.

Auf Nachfrage von Andres Körner (CDU) nach der Vorgehensweise für einen Antrag an die KVN erklärte Jeschonnek, dass die Mitgliederversammlung des KVN aus gewählten Mitgliedern, insgesamt 50 Ärzten (darunter vier aus Göttingen), bestehe. Die Versammlung tage dreimal im Jahr. Einen Antrag könnten nur die gewählten Mitglieder stellen. Körner schlug den Kinderärzten vor, sich zusammenzusetzen und einen Vorschlag zu erarbeiten, der realistisch ist und die Forderungen nicht überdimensional formuliere.

Schlussendlich erfolge die Finanzierung durch die Beiträge der Eltern, sagte Jens-Norbert Marxen von der BI. „Es kann nicht sein, dass die KVN so etwas allein entscheiden kann, obwohl diese von unseren Geldern lebt“, so Marxen.

Keine Selbstverständlichkeit

Eigentlich hätte es ab dem Jahr 2018 gar keinen Kinderärztlichen Notdienst mehr geben sollen, sagte Kinderarzt Martin Webel, weshalb die zentralisierte Lösung an der Göttinger Kinderklinik keine Selbstverständlichkeit sei. Man könne sich jedoch gut vorstellen, neben dem zentralisierten Notdienst in Göttingen, wenigstens stundenweise einen solchen in Osterode anzubieten, ohne die Göttinger Lösung zu gefährden.

Dr. Andres Philippi (SPD) bat darum, Aktionen und Diskussion um einige Wochen zurückzustellen, da im Februar Gespräche mit Vertretern aus Ärzteschaft, KVN und Politik stattfinden sollen. Er versprach, das Ergebnis sofort mitzuteilen. Danach drohte die bisher friedliche Diskussion kurzfristig zu kippen, da Marxen und Frank Kosching von der BI sich von dem Vorschlag Philippis bevormundet fühlten. Hausmann appellierte für eine gemeinsame Lösung, bei der jeder, der sich engagiert, mit an den Verhandlungstisch gehöre.

Viele Eltern schilderten die Situation eines Notfalls mit einem kranken Kind, mit dem man unmöglich eine solche Strecke bis nach Göttingen zurücklegen könne. Da bliebe dann nur noch, einen Rettungswagen zu rufen. Eine Mutter gab zu bedenken, sich einmal auf die Spitze getrieben vorzustellen, was passiere, wenn viele Eltern gleichezeitig einen Rettungswagen anfordern und an anderer Stelle ein Erwachsener mit einem Herzinfarkt ebenso schnelle Hilfe benötige. „Fehlt noch, dass sich die Notärzte fragen müssen, wer jetzt vorgeht“, so die Mutter.

Im weiteren Verlauf wurde auch noch einmal deutlich hingewiesen, dass die Einstellung im Altkreis Osterode und die Zentralisierung des Kinderärztlichen Notdienstes in Göttingen nichts mit der Kreisfusion zu tun habe, sondern allein mit den Entscheidungen der KVN zusammenhänge. Für Ärzte müsse der Weg zum Bereitschaftsdienst zumutbar sein, so Hausmann, das müsse jedoch auch für Eltern und ihre Kinder gelten.

Von Herma Niemann

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