Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Abends geplant, morgens in die Tat umgesetzt

Urteil wegen „Ruckzuck-Banküberfall“ Abends geplant, morgens in die Tat umgesetzt

Fast auf den Tag genau acht Monate nach einem Raubüberfall auf eine Volksbank-Filiale in Wieda im Südharz hat das Landgericht Göttingen am Donnerstag die drei Tatbeteiligten wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt.

Voriger Artikel
Höchstes Abzeichen erreicht
Nächster Artikel
1,4 Millionen Euro durch Verkehrsverstöße
Quelle: dpa (Symbolbild)

Wieda. Ein mehrfach vorbestrafter 30-jähriger Mann aus Walkenried (Kreis Osterode) erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Nach Ansicht der Kammer hatte er die Idee zu dem Überfall gehabt. Ein ebenfalls aus Walkenried stammender 19-Jähriger wurde zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Parallel dazu ordnete das Gericht für die beiden drogenabhängigen Angeklagte die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der dritte Angeklagte, ein 25-jähriger Mann aus Bad Lauterberg, erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die Angeklagten seien „auf der Suche nach dem schnellen Geld“ gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Michael Kalde. Es sei „schon verrückt“, wie spontan und leichtsinnig sich die jungen Männer zu solch einer schwerwiegenden Tat verabredet hätten. Der 30-Jährige habe im Februar dem 25-Jährigen erzählt, dass er Geldprobleme habe und einen Fahrer für einen Banküberfall suche. Der bis dahin unbescholtene 25-Jährige habe sofort zugesagt – „unfassbar“, meinte Kalde.

Etwa zwei Wochen später fuhr er die zwei Hauptakteure nach Wieda. Der 30-Jährige, der sich zuvor mit Crystal Meth aufgeputscht hatte, ging in die Bank und gab vor, ein Konto eröffnen zu wollen. Kurz darauf folgte der maskierte 19-Jährige, hielt dem Komplizen eine Waffe an den Kopf und rief: „Kohle her, oder ich knalle ihn ab!“. Die Bankmitarbeiter packten das vorrätige Bargeld in die von ihm mitgebrachte Plastiktüte – knapp 11.500 Euro. Sie flüchteten. Der Vorsitzende Richter verwies auf die schwerwiegenden psychischen Folgen der Tat. Eine Bankangestellte sei so geschockt gewesen, dass sie sich in ärztliche Behandlung habe begeben müssen. Die drei Angeklagten hatten in dem Prozess Geständnisse abgelegt und sich bei den Betroffenen entschuldigt. Der 25-Jährige hatte bereits vorher ein Entschuldigungsschreiben an die Bank geschickt und 2.000 Euro als erste Schadenswiedergutmachung überwiesen. Außerdem hat er einen Dauerauftrag eingerichtet, um auch den Rest der erbeuteten Summe zurückzuzahlen. Die Richter gehen in ihrem Urteil davon aus, dass die Steuerungsfähigkeit des 30-Jährigen und des 19-Jährigen aufgrund ihres Drogenkonsums zur Tatzeit vermutlich erheblich vermindert war. Ohne eine Entzugstherapie bestehe die Gefahr, dass sie wieder straffällig würden. pid-nie

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016