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Landwehrbataillon half Napoleon zu besiegen

Osterode Landwehrbataillon half Napoleon zu besiegen

Der Jubel war groß. Vor 200 Jahren, am 2. Februar 1816, kehrte das Osteroder Landwehrbataillon in die Heimat zurück. Anderthalb Jahre hatten die 650 Wehrpflichtigen, die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen aus der Stadt und den umliegenden Dörfern, gegen Napoleons Truppen gekämpft. Daran erinnert noch heute eine alte Fahne.

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Vor 200 Jahren kehrte die Einheit nach der Schlacht bei Waterloo in ihre Heimatstadt zurück.

Quelle: EF

Osterode. „Als das Bataillon im Frühjahr 1814 aufgestellt wurde, hatte niemand mehr mit Krieg gerechnet“, berichtet Stadtarchivar Ekkehard Eder. Er hat anlässlich des Jubiläums zehn Aktenbände durchgearbeitet. Napoleon schien nach seinem gescheiterten Russlandfeldzug und der französischen Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig besiegt.

 
Das von Napoleon zerschlagene Königreich Hannover, zu dem Osterode gehörte, wurde 1813/14 wieder hergestellt. Um im europäischen Mächtekonzert mitspielen zu können, benötigte es eine Armee. Die Soldaten rekrutierte Hannover per Losverfahren unter den Untertanen.

 
„Das Bataillion rückte im August 1814 nach Flandern ab, wo es die Grenze zu Frankreich sichern sollte“, sagt Eder. Im Frühjahr 1815 kehrte jedoch Napoleon überraschend aus dem Exil zurück, stellte eine neue Armee auf und rückte gegen Brüssel vor. Die Preußen unter Blücher versuchten Napoleon zu stellen, wurden aber zurückgeschlagen. Zwei Tage später kam es zur Schlacht bei Waterloo. Die Alliierten unter Herzog Wellington siegten, weil Gebhard Leberecht von Blücher gerade noch rechtzeitig mit Verstärkung auf dem Schlachtfeld eintraf.

 
Mit dabei waren die im blutigen Soldatenhandwerk ungeübten Osteroder. „Sie mussten die Nacht auf dem Schlachtfeld inmitten der Toten und Schwerverletzten verbringen“, erzählt Eder. Davon gebe es im Archiv bewegende Berichte. Die Rekruten rückten in den darauffolgenden Tagen mit den anderen Truppen in Frankreich ein und wurden als Besatzungssoldaten im Großraum Paris eingesetzt. Die Unterbringung erfolgte in Zelten und Erdlöchern. Im Dezember 1815 erhielten sie den Befehl zum Rückmarsch. Die Zahl der Toten bei Kämpfen, durch Krankheiten und Unfälle belief sich auf 32 Personen.

 
„Willkommen ihr mutigen Krieger“, lautet die erste Zeile eines Gedichts, das die Rückkehrer feierte. Stadtrat und Vertreter des königlichen Amts der 3000-Einwohner-Stadt begrüßten die Soldaten vor dem Neustädter Tor. Bürgertöchter hatten für das Bataillon eine Fahne angefertigt. Die weiblichen Dienstboten schenkten der Einheit ein Paar silberne Becken für die Militärmusik. Auf dem Marktplatz erhielten die Offiziere Lorbeerkränze. Während sie abends an einem Ball teilnahmen, bewirteten Bürger die Unteroffiziere und einfachen Soldaten.

 
Vier Jahre später löste Hannover die Landwehr wegen ihres geringen Kampfwerts auf. Die Osteroder Schlosskirche St. Jacobi übernahm die Fahne, die die Veteranen in den kommenden Jahren immer wieder bei Umzügen und Beerdigungen durch die Stadt trugen. „Die Erinnerung an den Krieg blieb während der langen Friedensjahre bis 1866, als Preußen das Königreich annektierte, lebendig“, weiß Eder. Die Fahne befindet sich heute im Osteroder Museum im Ritterhaus.

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