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Sechs Monate Bewährung für 67-Jährige

Lotto-Gesellschaft erpresst Sechs Monate Bewährung für 67-Jährige

Regina O. hat jetzt ihren heiß ersehnten „Sechser“ bekommen. Allerdings nicht bei Toto-Lotto-Niedersachsen. Die 67-Jährige aus Bad-Sachsa hatte versucht die Gesellschaft zu erpressen - und wurde zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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Quelle: Wallmüller

Bad Sachsa/Hannover. Schöffenrichterin Sylvia Riedel im Amtsgericht Hannover spricht im Urteil von einer „massiv bedrohlichen Wortwahl“ im Erpresserschreiben. Die Angeklagte habe die Ermittlungen „massiv erschwert“ und das Verfahren verzögert. Regina O. aus Bad Sachsa (Kreis Göttingen) hatte versucht, den Verdacht auf ihren Bruder zu lenken. Die Rentnerin und Mutter von zwei Kindern war im Prozess nicht geständig. Die Beweislage war allerdings mehr als eindeutig.

Am 5. Januar 2015 schickte sie den Erpresserbrief an Toto-Lotto. Dabei gab sie sich als „Irak-Veteran“ aus. „Dort habe ich das Töten gelernt“, schrieb sie. Sie verfüge über Gas und beobachte die Verantwortlichen der Lottogesellschaft. Der Brief ist gespickt mit abenteuerlichen Rechtschreibfehlern. Darin fordert sie, dass die Zahlen 4, 13, 18, 29, 39 und 43 gezogen werden sollen.

Akribische Ermittlerarbeit führte auf die Spur der Lotto-Oma. Bereits 2014 waren ähnliche Briefe bei dem Unternehmen eingegangen, allerdings ohne Drohung. Damals sollten die Zahlen 5, 12, 26, 27, 31 und 48 der Frau zu Reichtum verhelfen.

Das Unternehmen ermittelte, dass beide Zahlenfolgen nur in einer Annahmestelle in Bad Sachsa getippt wurden. So fiel der Verdacht auf Regina O. Bei der Hausdurchsuchung fanden die Beamten noch Tippscheine von 2014, mit den Zahlen in dem Bettelbrief. Ein Doppel-Sechser für die Ermittler. Ein Handschrift-Gutachten ergab, dass der Brief von 2014 mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit von der Angeklagten geschrieben wurde. Bei dem Brief vom 5. Januar 2015 lag die Wahrscheinlichkeit bei 75 Prozent. Dieser Brief war in Blockbuchstaben geschrieben, deshalb die geringere Wahrscheinlichkeit. Auch DNA von Regina O. wurde auf der Briefmarke eines Schreibens an Toto-Lotto gefunden.

Und trotzdem leugnete sie die Taten. Ihr Anwalt versuchte seine Mandantin als schwachsinnig darzustellen. Er bezog sich dabei auf die katastrophale Orthografie des Erpresserschreibens. Ohne jeden Anhaltspunkt für eine geistige Erkrankung setzte er ein psychiatrisches Gutachten durch. Ergebnis: Regina O. ist voll schuldfähig.

Richterin Riedel verurteilte die Angeklagte wegen versuchter räuberischer Erpressung. Die vergleichsweise milde Strafe (siehe Text unten) rechtfertigte sie im Urteil folgendermaßen: Regina O. habe aus „grobem Unverstand“ gehandelt.

Von Thomas Nagel

Der Epresserbrief:
Diesen Brief schrieb Regina O. am 15. Januar 2015 an die Lotto-Gesellschaft in Hannover:

„Sehr Geerttherren wir mußten mit Betauern Festelen das meine Oma nicht im Haus so ndern under der Brüke mit meiner Behinder-den Schwester Wohnt, ob wol sie sie um Hilfe gebeten hatten. Ich und mein Kumpel sind erst jetzt wieder anaus der aus den Irak zu rück gekommen, wir haben da das Töten Gelernd wir machen keinen spas. Wir geben ihnen 4 Wochen zeit diese Zahlen zu zihen die ich Tibe das sind die Zahlen 4, 13, 18, 29, 43, 39, wir machen keinen spas. Oder sol es einen so gehen wie die Frau von Bank, wo ihr Mann auch nicht zahlen wolte, und dann mit der Schult nicht leben können. Sie haben meine Eltern schon auf dem gewisen, weil sie vor Filn jahren einen 6 haten der nicht anerkannt worte warum auch imer, und da haben sie sich so aufgereht das sie gegen einen Baum gefahren sind und Tot wah-ren. Wenn nicht gehen wir zu Zei-tung die hat interese da rass das zu Feröfflichen. Ich könnte meiner Oma ja das Geld beschafen aber sie wil keins wo Blud dran ist wie der Gelddrassborter, den wir brau-chen Waffen. Sie haben ja alle Gaß das geht gut hoch. Ein paar Frauen von ihnen sehen Nackt sehr gut aus. Ich und mein kumbel wahren bei machen schon im Haus. Wir haben die Kunden von Voto gegu-uht, und das was sie in der Zei-tung Schreiben ist gelogen. Wir sind hir in Hannover und bebach-ten sie alle, wenn wir auch im gan-zen Harz underweks sind. Sie haben 3 Wochen zeit, wir machen keinen spas. Wir haben Sie alle Fotokrafien und ihre Familien. Sie haben es Warm und ihn müßen Frieren und sie haben Schult. Wir sind schon fihle, wir haben schon andere umkebracht. Wir haben schon machen umgebracht, sie sind nicht die Ersten.“

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