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Königliche Post nach Tettenborn

Dank für Buch Königliche Post nach Tettenborn

Burkhard Schmidt schrieb ein Buch über einen Niederländer, der in Nüxei interniert war, und schenkte es dem niederländischen Monarchen. Das Königshaus dankte schriftlich.

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Das niederländische Königspaar Maxima und Willem-Alexander besuchte Buchenwald. Im Nachgang des Besuchs überreichte Burkhard Schmidt dem König ein Buch über das Leben von Albert van Dijk.

Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Tettenborn. Burkhard Schmidt aus Tettenborn hat jüngst besondere Post erhalten: Ihn erreichte ein Brief vom niederländischen Königshaus, in dem sich König Willem-Alexander für die Arbeit des Ortschronisten bedankt, der in einem Buch den Leidensweg eines Niederländers in der Nazi-Diktatur dokumentiert hat. Das Buch hatte Schmidt dem König nach dessen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald geschickt.

Ab 1940 wurden etwa 3.300 Niederländer nach Buchenwald deportiert, mehr als 500 davon verloren dort ihr Leben. "Es sind immer die großen Lager, die im Zentrum der Berichterstattung über den Holocaust stehen. Die kleineren und in unserem Fall das Außenlager Nüxei sind selbst bei vielen Südharzern nicht bekannt. Sie wissen nicht, welches Unheil vor der Haustür geschehen ist", sagt Schmidt.

Einer, der den Holocaust überlebte, war Albert van Dijk. Nach seiner Internierung in Buchenwald wurde er ins Lager Nüxei deportiert. Von seinem Schicksal handelt das Buch "Jugend hinter Stacheldraht". Schmidt hat Albert van Dijks Lebensgeschichte aus dem Holländischen übersetzt und als Buch herausgegeben.

Arbeitseinsatz in Allendorf

Albert van Dijk hatte Glück im Unglück, nachdem er zum Arbeitseinsatz in eine der damals größten Munitionsfabriken des Deutschen Reichs in Allendorf (heute Stadtallendorf) bei Marburg abkommandiert wurde. Bereits am zweiten Tag hat er sich abgesetzt, um in seine Heimatstadt Kampen zurückzukehren.

In Osnabrück wurde er gefasst und am 1. Januar 1943 nach Buchenwald überstellt. Ein Jahr Lagerhaft in Buchenwald hatte er überlebt, als er mit 200 anderen Häftlingen nach Nordhausen gebracht wurde. Hier wurde er auf seine Fähigkeiten geprüft: Van Dijk musste auf einer Schreibmaschine schreiben. Das hatte er vor seiner Verwaltungslehre bei Nonnen im Kloster gelernt. Trotz der abgemagerten Finger klappte es noch. Die Enttäuschung war groß, als er als Schreiber des Arbeitskommandos der Baufirma Hochtief in den unterirdischen Tunneln des Kohnsteins zugeteilt wurde. Tageslicht gab es nur selten, höchstens, wenn die Häftlinge zum Appell antreten mussten oder erhängt wurden.

Im Sommer 1944 rückte der kleine Weiler Nüxei in den Fokus des nationalsozialistischen Rüstungsprogramms. Nachdem die Raketenproduktion der V-Waffen aus Penemünde in den Südharz verlegt wurde, musste die Infrastruktur hergestellt werden. Hierzu bediente sich der SS-Apparat wieder der KZ-Häftlinge. In Windeseile mussten für den Bau von Gleisanlagen kleine Lager gebaut werden. Im Juni 1944 wurde etwa die Scheune des Landwirts Wilhelm Walter in Nüxei von der SS beschlagnahmt. Drei Wehrmachts-Lkw fuhren vor und begannen gegenüber dem heutigen Pferdehof mit dem Bau von zwei Häftlings- und einer Wachbaracke. Hier sollte später auch Albert van Dijk inhaftiert werden.

Zu Fuß in Richtung Westen

Zu Fuß verließen etwa 1.000 Häftlinge am Morgen des 30. Juli 1944 das Lager bei Nordhausen in Richtung Westen. Ältere Einwohner von Tettenborn konnten sich noch an den Zug der "Zebras" durch das Dorf in Richtung Nüxei erinnern.

Kurz vor Nüxei teilte sich die Kolonne. 300 Häftlinge schlugen den Weg nach Mackenrode ein, die restlichen 600 gingen in Richtung Nüxei. Hier blieben 300 Häftlinge, die übrigen marschierten bis Osterhagen weiter.

Der Holländer van Dijk war für das Lager Nüxei bestimmt. Auch hier hatte er wieder Glück. Die Wachmannschaften waren nicht frontfähige Luftwaffenangehörige, die zur Bewachung der SS abgestellt wurden. Ein Oberfeldwebel ließ die Häftlinge aus Polen, Russland, Frankreich und Holland antreten. Er hatte erfahren, dass van Dijk mehrsprachig war. Der musste übersetzen: "Wir sind keine SS, nix SS, compris?"

Mitleid mit dem Holländer

Der Feldwebel hatte Mitleid mit van Dijk und stellte ihn dem zivilen Lokführer der Feldbahn vor, der ihm Arbeit auf der Lok verschaffte, die van Dijks Überleben sichere: Im Winter war es warm und der Lokführer steckte ihm etwas vom guten Wehrmachtsessen zu.

Bis Karfreitag am 30. März 1945 waren noch alle Bauarbeiter, die die Gleisanlagen herstellten, vor Ort. Sie wohnten in den umliegenden Dörfern und in Bad Sachsa. Ab Ostern lief nichts mehr auf der Baustelle, die Häftlinge blieben im Lager. Ab dem 5. April begann schließlich der Todesmarsch über den Harz. Viele haben ihn nicht überlebt.

"Wir dürfen diese Zeit, in der viele Verbrechen geschehen sind, nicht vergessen. Neben den Kindern der Widerstandskämpfer des 20. Juli ist auch an die vielen Toten aus den allein drei KZ-Lagern in der heutigen Stadt Bad Sachsa - zwei in Tettenborn und eins in Nüxei - zu denken", ist Schmidt überzeugt. nza

Mit einem Brief hat sich das niederländische Königshaus für das Buch bedankt.

Mit einem Brief hat sich das niederländische Königshaus für das Buch bedankt.

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