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Rusteberg reist mit Bikern durch Japan

Aus der Metropole ins Weltkulturerbe Rusteberg reist mit Bikern durch Japan

Wer in den 1970er Jahren an Motorrädern interessiert war, wird jetzt sicherlich an die Kawasakis, Suzukis, Yamahas und insbesondere an die Honda CB 500 four denken. Eine Tour durch das "Mutterland" der modernen Viertakter war ein Traum einer Gruppe Motorradfahrer, darunter Hans Walter Rusteberg aus Wulften.

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Quelle: Hans Walter Rusteberg

Wulften. Diesen Traum haben sich Rusteberg und seine Mitstreiter jetzt erfüllt."Wir haben eine günstige Gelegenheit beim Schopf gepackt: Ein Schul- und Sportkamerad lebt schon seit mehr als 20 Jahren in Japan, spricht und schreibt die Sprache perfekt und fährt seit seiner Jugend gerne Motorrad", berichtet Rusteberg. Die Gruppe nahm das Angebot, nach Japan zu kommen an und stürzte sich in die Planung - ein ganzes Jahr lang. Die Motorräder wurden vor Ort gemietet: drei BMWs mit Komplettausstattung. Weiter musste die deutsche Botschaft den Führerschein ins Japanische übersetzen, was in Zeiten des Internets kein Problem gewesen sei, sagt Rusteberg. Mit British Airways ging es dann ab Hannover zunächst nach London und von dort nach Tokyo.

 

Sightseeing in Tokyo

 

Vor Ort stand zunächst Sightseeing auf dem Programm. Eine knappe Woche verbrachten die Biker in Tokyo, bevor die zweiwöchige Motorradrundreise begann. Rusteberg schildert seine Eindrücke: "Tokyo ist die pulsierende Hauptstadt mit neun Millionen Einwohnern und größte Metropolregion der Welt, eine Stadt der Gegensätze mit Gärten, Parks, modernsten Hochhäusern und einem nicht enden wollenden Häusermeer. Der Autoverkehr in dieser Megastadt hat es extrem schwer, dafür ist der öffentliche Personenverkehr extrem gut ausgebaut und sehr pünktlich und auffallend sauber." Eingeführt in die Geheimnisse des Nahverkehrs wurden die Biker von ihrem Freund, der sie vom Flughafen abholte und ab diesem Moment auch ihr Tourguide war.

 

Japan - ein Land mit etwa 130 Millionen Einwohnern auf einer Fläche, die nur etwas größer ist als die der Bundesrepublik - verbinde man sofort mit der Kirschblüte. "Wir waren genau zum Höhepunkt da", freut sich Rusteberg. "Ein erster Spaziergang nach dem Einchecken im Hotel führte in den Shinjuku Gyouen Park mit unglaublich schöner Kirschblüte, unter den Bäumen versammelten sich Jung und Alt und genossen diese Pracht."

 

Am nächsten Tag ging es zum Kaiserpalast - durch den Hauptbahnhof von Tokyo, den täglich fast drei Millionen Fahrgäste nutzen. "Ein Gewusel mit auf den ersten Blick unüberschaubarer Dynamik: Personen in schwarzen Anzügen und Kostümen, das Smartphone in der Hand, unbekannte Schriftzeichen und Ansagen. "Das hat die erste Verwirrung komplett gemacht, aber wir hatten ja einen Einheimischen dabei."

 

Abends sei dann ein verabredetes Tischtennisspiel gegen einen japanischen Verein fällig gewesen, das in großer Harmonie, schöner Gastfreundschaft und mit Händen und Füßen zur Kommunikation bei einem japanischen Essen seinen Abschluss fand.

 

Der letzte motorradfreie Tag in Tokyo führte die Gruppe mit der Bummelbahn nach Kamakura, eine kleine Halbinsel mit einem großen Buddha direkt am Strand. "Auffällig waren die vielen Hinweise für den Fall eines Seebebens und den besten Fluchtrouten im Falle eines Tsunamis - eine latente Bedrohung für die Küstenregionen", schildert der Wulftener.

 

Am nächsten Tag begann die Motorradrundreise: zwei Wochen und etwa 2800 Kilometer lagen vor den Harzer Bikern. Südlich von Tokyo, bei Linksverkehr und einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern auf den Autobahnen ging es entlang der Pazifikküste los. "Dann lag er da: der Fuji, Japans 'heiliger? Berg, mit schneebedeckter Kuppe vor strahlend blauem Himmel - ein gewaltiger Anblick, der uns zu einer längeren Pause veranlasste."

 

Nächste Station war in Suwa ein traditionelles Hotel, ein sogenannter Ryokan, mit Matten auf dem Fußboden und einem heißen Quellbad, dem Onsen, der zur japanischen Badetradition gehört. Alte historische Städte auf der Route waren Naraijuku und der alte Poststationsort Magome, der auch Weltkulturerbe ist. "Dort konnte man Dörfer sehen und durchwandern, die wie nach Jahrhunderten auferstanden schienen."

 

Eine Vielzahl von Schlössern (Hikone) und Schreine (Fushimi Inari Schrein) waren Ziel des Tourguides, der der Gruppe fachkundig die geschichtlichen Zusammenhänge erläuterte.

 

Besuch im Atombomben-Museum

 

"Beeindruckend und gleichzeitig bedrückend war der Besuch in Hiroshima, eine quirlige Stadt." Das Atombomben-Museum und der Erinnerungspark rufen die Zäsur im Zweiten Weltkrieg in Erinnerung und mahnen vor der Möglichkeit, dass sich die Menschheit selbst vernichten kann. "Zu der Zeit, als wir dort waren, testete Nordkorea gerade eine neue Mittelstreckenrakete - das Hauptthema in den japanischen Nachrichten."

 

Ungewöhnlich sei die Eigenschaft der Japaner gewesen, mit der Erdbebengefahr umzugehen. Fast jeden Tag gebe es in Japan zumindest ein sehr schwaches Beben. "Im Erdbeben-Museum, das wir besuchen konnten, wurden diese Naturgewalten und die schrecklichen Zerstörungen der früheren Megabeben dargestellt."

 

Dass Japan aus zahlreichen kleinen Inseln und vier Hauptinseln besteht, wurde der Gruppe bei ihrer Inseltour im Süden bewusst. "Gewaltige, aber gleichzeitig filigran wirkende Brückenkonstruktionen verbinden die vielen Inseln miteinander."

Unter einer dieser Brücken befindet sich ein weiteres Weltkulturerbe in Japan: Von der Awajishima Brücke kann man den Gezeitenstrudel beobachten. Zwei Meere, der Pazifik und das Inlandmeer, treffen aufeinander und erzeugen riesige Strudel, denen sich nur große Schiffe nähern dürfen.

 

Welterbestätte Kaiserstadt Nara

 

Über Nara, einer alten Kaiserstadt - ebenfalls Weltkulturerbestätte - mit langer Geschichte und sehr gut erhaltenem Zentrum ging es zurück Richtung Tokyo, wo die Motorräder wieder abgegeben wurden und sich die Biker noch einmal einem Tischtennis-Vergleichswettkampf gegen Atoms Kokuryo stellten. Am letzten Tag in Japan durchwanderte die Gruppe besonders schöne Wohnquartiere, deckte sich mit Andenken ein und sang in einer der in Japan allgegenwärtigen Karaoke-Kneipen.

 

"Auch wenn Japan auf den ersten Blick sehr europäisch wirkt, gibt es doch viele Besonderheiten", stellt Hans Walter Rusteberg am Ende der dreiwöchigen Reise durch Japan fest.

Die Dienstleistungskultur sei sehr ausgeprägt, die Menschen sehr höflich. Auf vielen öffentlichen freien Flächen gebe es Rauchverbote und die Fremdsprachenkenntnisse seien sehr gering. "Kein Englisch oder Französisch insbesondere auf dem flachen Land", so Rusteberg.

 

Bargeldzahlung sei Standard, Kreditkarten würden eher selten genutzt. Ohne Parkplatz erhalte man in Japan keine Zulassung für das Auto - und Parkplätze seien teuer und würden streng überwacht. "Die Kralle ist sofort im Einsatz."

Die Landflucht zwinge immer mehr junge Menschen, den extrem teuren stätischen Wohnraum durch zusätzliche Arbeit zu finanzieren. Die Freizeit werde dafür zurückgestellt. Zusammenhängender Urlaub von mehr als zwei Wochen sei für die meisten Japaner unvorstellbar. nza

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