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Die Emotionale Identität stärken

Osteroder Bürgermeister über demografischen Wandel Die Emotionale Identität stärken

Über die spezielle Entwicklung des demografischen Wandels in Osterode hat Bürgermeister Klaus Becker im Demografiebeirat des Landkreises Göttingen berichtet. Dieser tagte erstmals in Osterode im Kreishaus.

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Quelle: Archiv

Osterode. Kreisrat Marcel Riethig sah darin ein Symbol, wie hoch die Bedeutung Osterodes für den Landkreis eingeschätzt wird. Beim Thema Demografie müsse man einen Blick über die Stadtgrenzen hinaus werfen und einen regionalen Ansatz suchen, erklärte Becker. Wer beispielsweise beklage, dass es in Osterode kein Kino mehr gibt, übersehe, dass das in Herzberg innerhalb von zehn Minuten zu erreichen ist und kostenlose Parkplätze biete. In einer Großstadt sei das oftmals ein größerer Aufwand.

Schnell erreichbare Angebote

Die Menschen müssten erkennen, dass es auch im Umfeld der Stadt Dienstleistungen und Angebote gibt, die schnell zu erreichen sind. Ein Problem sei das Thema Mobilität, für das zur Zeit Lösungen gesucht würden. „Es sind viele kleine Stellschrauben, an denen man gemeinsam drehen muss“, zeigte sich der Bürgermeister überzeugt.

Im letzten Jahrzehnt habe sich die Zahl der Einwohner in Osterode von 25 000 auf 22 500 und die der Grundschüler um dreißig Prozent reduziert. Bereits 2004 habe die Stadtverwaltung in Arbeitsgruppen mit vielen verschiedenen Akteuren begonnen, Lösungsansätze zu entwickeln. Erfolgt seien bereits eine Anpassung der Grundschullandschaft und der Feuerwehrbedarfsplanung sowie eine Neuordnung der Baugebiete. „Anders als in anderen Kommunen wurde die Zahl der Bauplätze zurückgefahren.“

Als weitere aktuelle Handlungsfelder nannte Becker gute Standortbedingungen für die Wirtschaft, attraktive Lebens- und Wohnbedingungen insbesondere für Familien, auch um dem Fachkräftemangel zu begegnen, und Anreize in der Siedlungsentwicklung, damit die Kerne von Städten und Dörfern nicht veröden. Ebenso sei die Kulturförderung ein Standortfaktor.

Osterode mit Vorreiterfunktion

„Der Umgang mit dem demografischen Wandel ist eine Zwei-Wege-Strategie: Effekte bewältigen und Ursachen beeinflussen“, betonte der Bürgermeister. Die Stadt Osterode, die sich mit dem Thema schon lange beschäftige, könne eine Vorreiterfunktion für andere Kommunen haben, meinte die Demografiebeauftragte des Landkreises, Regina Meyer. Die Fusion habe der Auseinandersetzung mit der Demografie einen neuen Schub gegeben und sei ein Lernprozess zwischen den Kommunen.

Die Initiative Harzkind stellte Mitbegründerin Elke Roch vor. „Harzkind ist durch die Demografie geboren“, erklärte sie. Begonnen habe alles mit einem „fürchterlichen Zeitungsbericht“ in der „Welt“ über Osterode. Daraufhin startete sie mit ihren Mitstreitern Melanie Funke und Dietrich Kühne die Beige-Hosen-Aktion, die bundesweite Aufmerksamkeit fand. „Wir haben erkannt, dass die Region ein Selbstbewusstseinsproblem hat“, erläuterte Roch. Harzkind wolle zeigen, dass der Harz eine tolle und schöne Region ist, die gerade Familien viel zu bieten habe, und damit die emotionale Identität der Harzer stärken. „Das ist ein großes Projekt in kleinen Schritten.“

Inzwischen verkaufe die Initiative Bekennerteile wie Bekleidung und kooperiere mit dem Harzer Tourismusverband, Harzklubs sowie Politik und Wirtschaft. Neuerdings gibt es beispielsweise die Altenauer Harzkind-Limmo, den Oberharzer Mundartverein und einen Videokanal. In Planung sei auch eine benutzergenerierte App, die auf beliebte Orte, Plätze, Geschäfte oder Restaurants hinweist. Die Initiative verstehe sich als Anlaufstelle für neue und alte Harzer und Unterstützer der Stadtflucht.

Die Beiratsmitglieder zeigten sich beeindruckt von der Arbeit der Initiative.

Der Demografiebeirat berät den Landkreis in allen relevanten Fragen des demografischen Wandels. Dem Gremium gehören Vertreter des Kreistages, der Städte und Gemeinden, aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche, Vereinen und Verbänden sowie Fachinstitutionen an.

Von Kerstin Pfeffer-Schleicher

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