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Gericht prüft Unterbringung in Anstalt

Prozess um Banküberfall in Wieda Gericht prüft Unterbringung in Anstalt

Im Prozess um einen Raubüberfall auf eine Volksbank-Filiale in Wieda im Südharz ging es am Montag vor dem Landgericht Göttingen um die Vorgeschichte und Motivation der drei Angeklagten. Zwei von ihnen haben massive Drogenprobleme. Dies könnte sich auch auf das Urteil auswirken.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Wieda. Der Vorsitzende Richter Michael Kalde gab am Ende der Sitzung den rechtlichen Hinweis, dass bei den 30 und 19 Jahre alten Angeklagten aus Walkenried auch eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht komme. Der dritte Angeklagte, ein 25-jähriger Mann aus Bad Lauterberg, scheint sein Leben dagegen besser im Griff zu haben und geht auch einer regelmäßigen Arbeit nach.  

In dem seit Mitte September laufenden Prozess muss sich das Trio wegen räuberischer Erpressung und schweren Raubes verantworten. Die Angeklagten hatten bei dem Überfall im Februar knapp 11.500 Euro erbeutet. Zwei Monate nach der Tat hatte die Polizei zunächst die beiden in Walkenried wohnenden Männer festgenommen. Während der 19-Jährige danach auf freien Fuß kam, wanderte der 30-Jährige in Untersuchungshaft. Später ermittelte die Polizei dann auch die Identität des dritten Täters.

Der 25-Jährige hatte nach eigenen Angaben die beiden Hauptakteure morgens nach Wieda gefahren, nahe der Bankfiliale abgesetzt und dann auf einem Parkplatz gewartet. Währenddessen war der 30-Jährige in die Bank gegangen und hatte dort so getan, als wollte er ein Konto eröffnen. Kurz darauf betrat der 19-Jährige, der sich vorher maskiert und Handschuhe übergezogen hatte, die Bank, hielt dem vermeintlichen Neukunden eine Waffe an den Kopf und rief: „Geld her, oder ich knalle ihn ab!“. Nachdem die Bankmitarbeiter das Bargeld in die von ihm mitgebrachte Plastiktüte gepackt hatten, nahm der maskierte Räuber die Tüte an sich, rannte zum Parkplatz und stieg zum 25-Jährigen ins Auto. Anschließend fuhren die beiden zu einer Hütte bei Bad Lauterberg, um das erbeutete Geld zu zählen und aufzuteilen. Der 30-Jährige, der in der Bank das Opfer gemimt hatte, holte sich später seinen Anteil ab.

Der 19-Jährige hatte in seiner geständigen Einlassung vor Gericht angegeben, dass er bereits mit zwölf Jahren angefangen habe, Cannabis zu konsumieren. Er habe später jeden Tag gekifft, oft gleich morgens nach dem Aufstehen, und sei „dauernd dicht“ gewesen. Nach Ansicht des Vertreters der Jugendgerichtshilfe ist der 19-Jährige unfähig zur Eigeninitiative. Da bei ihm eine deutliche Reifeverzögerung vorliege, sollte bei ihm Jugendstrafrecht angewandt werden. Der psychiatrische Sachverständige stellte ihm eine ungünstige Sozialprognose aus. Der 19-Jährige habe keinen Schulabschluss und trotz der Drucks durch die Hauptverhandlung den Hauptschulkurs nicht besucht. „Sobald er den Raum verlassen hat, sind die guten Vorsätze verschwunden.“

Auch der 30-Jährige brauchte Geld für Drogen. Nach eigenen Angaben konsumiert er seit 15 Jahren Ecstasy, Cannabis und andere Drogen. Später habe er fast täglich Crystal Meth genommen, auch am Abend vor der Tat habe er sich damit aufgeputscht. Der 25-Jährige hatte ebenfalls Geldprobleme. Er bezeichnete den Überfalls als „verdammt blöde Idee“. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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