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Regisseur Vollrath zeigt zehn Kurzfilme

Emotionale Extremlagen Regisseur Vollrath zeigt zehn Kurzfilme

Schwer vorstellbar, dass es gelingen kann, mit zehn Kurzfilmen zwei Kinosäle in Herzberg zu füllen – und das vormittags. Dazu braucht es ein Zugpferd. An diesem Sonntag hieß es Patrick Vollrath. Der Regisseur sorgte für ein volles Haus in der „Kinowelt“ und eine Spende an den Verein Rückenwind. Diesem spendete das Kino den Erlös.

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Patrick Vollrath

Quelle: Eckermann

Herzberg. Vollrath, der aus Eisdorf stammt, gilt als einer der Hoffnungsträger unter den deutschen Jungregisseuren. Mit seinen Arbeiten ist er häufiger Gast internationaler  Kurzfilmfestivals, außerdem hat er bereits eine Vielzahl von Preisen und Auszeichnungen gewonnen. Mit seinem jüngsten Film, „Alles wird gut“, gelang ihm der Durchbruch: Vollraths Geschichte eines verzweifelten Vaters, der im Kampf um seine Tochter zu unlauteren Mitteln greift, räumte Preise über Preise ab – bis hin zum Studenten-Oscar in Bronze und einer Einladung für den Kurzfilmwettbewerb der Semaine de la Critique in Cannes. Aktuell steht der Film auf der Shortlist für den Oscar in der Kategorie „Best Live-Action Short Film“.

„Alles wird gut“ bildete am Sonntag den Abschluss einer Matinee, die in zehn Kurzfilmen die Wirkgeschichte des Regisseurs nachzeichnete.

„Der Erlkönig“ dokumentierte dabei, wie Vollrath bereits 2003 mit einfachsten Mitteln, in der Kulisse des heimischen Waldes und mit Hilfe schauspielernder Freunde ein düsteres Musikvideo zu einer Vertonung des „Erlkönigs“ durch die Band Scarecrow gelang. „Damals dachte ich noch, man bräuchte einen Künstlernamen“, sagte er lachend zum Publikum: „Patrice v. Ollrath“ vermerkte der Abspann.

Die späteren Filme zeigten dem Publikum, wie sehr sich Vollrath im Laufe der Jahre weiterentwickelte: Alltagszenen werden in seiner Darstellung zu Blaupausen für emotionale Extremlagen. Beispiele dafür waren „Sleeping Perv is world-famous for 5 minutes“. Der Film erzählt die Geschichte eines geschiedenen, frustrierten Klischee-Langweilers, zu dessen Alltag Nudeln mit Ketchup und Ameisen-Dokus nach Feierabend ebenso gehören wie das Onanieren zum Dauergestöhne eines Webcam-Girls. Als er eines Abends dabei gefilmt wird, wie er in einer solchen Situation einschläft, erlangt der Protagonist ungewollte Berühmtheit im Netz – verliert seinen Job und das Sorgerecht und stirbt.

„This film is a cut-together ...“ zeigt Aufnahmen, die suggerieren sollen, während eines Tandem-Fallschirmsprungs mit katastrophalem Ausgang entstanden zu sein. Die ruckeligen Aufnahmen einer Action-Cam am Springenden und das Material der Freunde am Boden enden,  als der Schirm einen Baum erreicht.

Die Grausamkeiten von Kindern gegenüber Außenseitern macht „Ketchup Kid“ zum Thema. Der 20 Minuten lange Kurzfilm stellt Paul und Aleksander vor, die aus unterschiedlichen Gründen gemobbt werden. Als die Situation eskaliert, greift Aleksander zum Messer – und glaubt, einen Kontrahenten schwer verletzt zu haben und will sich das Leben nehmen.

Emotionalität und filmische Besonderheiten wie eine Fünf-Minuten-Aufnahme ohne Schnitt beim Musikvideo zu Robbs „Beyond“ paart Vollrath in seinen Filmen. Das Ergebnis sind manchmal beinahe schmerzhaft nahe Einblicke in das Seelenleben seiner Figuren. „Alles wird gut“ stellt dabei das Ergebnis in Reinform dar. Mit einem flauen Gefühl im Magen entlässt Vollrath seine Zuschauer nach dem letzten Film.

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