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Feuerwehr-Schatzmeister plündert Sterbekasse

Hattorf Feuerwehr-Schatzmeister plündert Sterbekasse

Die Sterbekasse des Kreisfeuerwehrverbandes Osterode schwimmt im Geld - auf dem Papier. 380.000 Euro weist der letzte Jahresabschluss aus, davon 340.000 in Sparkassenbriefen. Tatsächlich aber fehlen 265.000 Euro. Die hat der Schatzmeister veruntreut. Jetzt steht er in Göttingen vor Gericht.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Hattorf. Der Prozess vor dem Landgericht begann am Montag mit einem Geständnis des 65-Jährigen. Er räumte ein, was ihm die Anklage vorwirft: 44 Fälle der gewerbsmäßigen Untreue. Von drei Konten des Kreisverbandes und dessen Sterbekasse habe er Beträge zwischen 250 und 25.000 Euro abgehoben und für sich selbst beziehungsweise für die Kosten des defizitären Bistros seiner Frau verwendet. Die Schäden aus den 44 Anklagepunkten addieren sich freilich nur auf knapp 80.000 Euro. Der Rest ist verjährt. Weil er vor mehr als 20 Jahren zum Geschäftsführer sowohl des Kreisverbandes als auch der Sterbekasse gewählt wurde und er bei der Polizei auch schon zugab, dass die Unregelmäßigkeiten schon damals begannen, verschwand der größte Teil des Fehlbetrages schon vor dem Anklagezeitraum. Der bemisst sich für die unverjährte Zeit von Mitte 2011 bis Februar 2014.

Durch Brief des Finanzamtes aufgeflogen

Aufgeflogen ist alles, als das Finanzamt dem Vorsitzenden des Kreisverbandes schrieb, es seien private Steuerschulden des Ehepaares von einem Konto des Feuerwehrverbandes beglichen worden. Das könne die Gemeinnützigkeit bedrohen. Der Kreisvorstand erstattete darauf sofort Strafanzeige. "Wir sind alle so enttäuscht, das können Sie sich gar nicht vorstellen", sagte am Montag als Zeuge der Osteroder Kreisbrandmeister. Ob denn die Kasse überhaupt geprüft worden sei, wollten die Richter wissen. Ja, "ordentlich geprüft", er sei ja sogar dabei gewesen, sagte der Verbandsvorsitzende. Die Kassenprüfer hätten sich auch die Unterlagen angeschaut und alles für richtig befunden.

Mit alten Schatzbriefen getäuscht

Wie genau er die Prüfer getäuscht hat, wurde trotz des pauschalen Geständnisses nicht ganz klar. Unter anderem habe er die Konten zum Stichtag immer wieder so aufgefüllt, dass alles glatt wirkte. Als Beleg für die Guthaben habe er alte, längst fällige und also nicht mehr werthaltige Sparkassenbriefe den Prüfern vorgelegt. Wenn ein Sparkassenbrief fällig wurde, habe er die Summe auf das Verbandskonto ausgezahlt bekommen, nur einen Teil wieder in neue Schatzbriefe angelegt, und mit den alten Schatzbriefen vorgetäuscht, dass auch dieses Geld noch da sei. Bei der letzten Prüfung 2012 attestierten die Prüfer ein Guthaben von 380.000 Euro, sagte ein Ermittler der Polizei.

In Wahrheit war aber nicht mehr viel davon da. Der Angeklagte habe keineswegs einen aufwendigen Lebensstil gepflegt. Er könne sich nicht erklären, so der Zeuge, wo das Geld geblieben ist. 25.000 Euro immerhin liegen auf dem Scheunendach. Der Angeklagte hatte für 50.000 Euro eine Solaranlage gekauft, und als ihm nicht genug Kredit gegeben wurde, nahm er 25.000 Euro aus der Feuerwehrkasse. Er wolle alles wieder gut machen, sagte er - "soweit mir das möglich ist". Raunen in der Reihe der mürrisch dreinblickenden alten Feuerwehrkameraden im Zuhörerraum quittiert diese Bemerkung.

Für Prüfung keine Behörde verantwortlich

Eine Sterbekasse des Kreisfeuerwehrverbandes, wie sie im Landkreis Osterode existiert, ist wie eine kleine Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit. Für große Versicherungen ist die Bundes-Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zuständig. Die kleinen Kassen sollen eigentlich von kommunalen Behörden kontrolliert werden, sagte ein Polizist im Zeugenstand. Es sei aber offenbar nicht geregelt, welche Behörde. So habe der Landkreis Osterode 2009 dem Verband mitgeteilt, er habe festgestellt, dass er nicht mehr zuständig sei und die Aufgabe der Stadt Osterode abgegeben habe. Die aber habe nie geprüft. Selbst bei den Prüfungen bis 2009, so der Angeklagte, sei dem Landkreis Osterode nie etwas aufgefallen. Die Prüfprotokolle wiesen keine Unstimmigkeiten aus.

Im Landkreis Göttingen kann es derartige Untreue nicht geben. Hier existiert weder im Feuerwehrverband Göttingen noch im Verband Duderstadt-Eichsfeld eine Sterbekasse.

Sterbekassen finanzieren sich aus einem Anteil der Mitgliedsbeiträge. Verstirbt ein Feuerwehrmann - im Verband Osterode sind derzeit gut 3000 Kameraden versichert - erhalten die Hinterbliebenen 500 Euro aus der Gemeinschaftskasse für die Beerdigung. Dies ist in allen Fällen offenbar auch geschehen. Nur der Kapitalstock der Versicherung wurde durch die Untreue geschmälert.

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