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„Ich habe ihr das Melken beigebracht“

Gnadenhochzeit in Potzwenden „Ich habe ihr das Melken beigebracht“

Sie kennen sich seit 83 Jahren und sind seit 70 Jahren verheiratet: Anni und Wilhelm Wendhausen aus Potzwenden feiern Gnadenhochzeit. Mittlerweile haben sie ein Dutzend Enkel - und ein weiteres Dutzend Urenkel.

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Leben immer noch in dem Ort, in dem sie sich kennernlernten: Anni und Wilhelm Wendhausen.

Quelle: Pförtner

Potzwenden. Die heute 91-Jährigen haben sich in Potzwenden kennengelernt: Sie, eine Kaufmannstochter aus Hamburg, er ein Bauernsohn aus Potzwenden. Weil ihr Vater „ein Pferdenarr“ war, hatte dieser dort ein Haus gekauft. Er erzählt, wie sie Freunde wurden: „Ich habe ihr das Melken beigebracht. Und wie man sich die Milch direkt in den Mund spritzt“. Was folgte, war der gemeinsame Schulbesuch, Ausflüge ins Kino in Rittmarshausen.

Bis es Liebe wurde, „hat es lange gedauert“, erzählt sie. Im Krieg wurde Wilhelm 1942 eingezogen. „Beim Abschied habe ich ihr gesagt, dass ich sie gern habe“, erinnert er sich. Zum Dank habe sie ihn geküsst — „und dann ist sie weggelaufen!“, empört er sich.

Dann der Krieg, sie sandten sich Briefe. Als Bekannte wegen eines Todesfalls in Schwarz heirateten, schrieb sie ihm: „Meine Hochzeit stelle ich mir anders vor“. „Was heißt hier deine? Unsere!“, habe er zurückgeschrieben, weshalb sie bis heute von einem „schriftlichen Antrag“ spricht.

Die Hochzeit folgte `46, in den Nachkriegsjahren: „Das Kleid war aus Fallschirmseide“, erinnert sie sich. Sie arbeiteten gemeinsam auf dem Hof, übernahmen ihn. Es waren harte Jahre, beide standen früh auf, neben der Feldarbeit kümmerte sie sich um die Kinder. „Ich bin dankbar, dass sie mich nicht im Stich gelassen hat“, sagt Wilhelm zu der damaligen Zeit. „Das würde ich nie tun!“, entgegnet sie.

In den 70er-Jahren wurde es entspannter: Er begann, in der Verwaltung zu arbeiten, zur Silberhochzeit ging es nach Menorca, es folgten Urlaube auf Rügen - „aber eigentlich haben wir ja hier Urlaub“, findet sie. Ein Teil der Kinder, Enkel und Urenkel wohnt auf dem Dorf. So alt zu werden, hat Wilhelm nicht erwartet. „Aber dass wir zusammenbleiben, habe ich immer noch geglaubt“. Ihre Gnaden­hochzeit wollen sie in der Kapelle in Falkenhagen feiern - wo sie vor 70 Jahren geheiratet haben.hö

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