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7500 Jahre alte Häuser im Neubaugebiet

Steinzeitlicher Funde in Seulingen 7500 Jahre alte Häuser im Neubaugebiet

Eigentlich sollten auf der Fläche zwischen Suhlabach und der Göttinger Landstraße demnächst neue Häuser entstehen. Allerdings wird dort zurzeit der Boden nach Überresten von sehr alten Gebäuden abgesucht. Vor 7500 Jahren, zu Beginn der Jungsteinzeit, lebten hier Menschen in Langhäusern.

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Archäologen untersuchen einen ca. 200 Quadratmeter großen, steinzeitlichen Hausgrundriss bei Seulingen.foto: thiele

Quelle: Oliver Thiele

Seulingen. Seit 1981 sei der Kreisarchäologie Göttingen an dieser lößbedeckten Ebene eine jungsteinzeitliche Siedlung bekannt, sagte Kreisarchäologin Andrea Bulla. Doch erst die Planung eines Neubaugebietes der Gemeinde Seulingen auf diesem Bodendenkmal machte eine fachgerechte Untersuchung des Areals erforderlich, wie es das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz vorsieht. Also wurde von der Gemeinde die Spezialfirma Goldschmidt aus Düren damit beauftragt, unter Aufsicht der Kreisarchäologie Ausgrabungen vorzunehmen und Daten zu erfassen. Seit Mitte August sind die Fachleute dabei, das Gelände mit dem Magnetometer zu vermessen.

Anhand der Ergebnisse wurde der Boden bisher auf einer Fläche von 4000 Quadratmetern vorsichtig abgetragen, die Befunde wurden per Hand auf Millimeterpapier eingezeichnet, Keramikscherben, Silexartefakte (Feuerstein) und Steingeräte in Plastiktüten verstaut, und es wurde damit begonnen, erste Ergebnisse auszuwerten.

Die Erkenntnisse versetzten auch die Archäologen in Staunen. „Wir können bisher sechs Langhäuser aus der Linienbandkeramischen Kultur dokumentieren, und es gibt mindestens noch drei weitere“, erklärte Grabungsleiter Dáire Leahy. Im Boden befindliche Zeugnisse solcher Gebäude seien zwar schon öfter entdeckt worden, doch bei der Seulinger Siedlung wurden Hauseingänge in nordwestlicher Richtung nachgewiesen, was eine bisher nicht bekannte Sonderform ausmache, betont Bulla. Außerdem lasse die Konstruktion eines Vorbaus auf der Südostseite darauf schließen, dass Seulingen einer der wenigen Plätze in Europa sei, die den Beginn der Linienbandkeramischen Kultur um 5500 v. Chr. belegen. „Die aufgedeckte Siedlung wäre somit 7500 Jahre alt und damit älter als bisher angenommen“, so Bulla. Nur mit der sorgfältigen Arbeit der Fachleute ließen sich genaue Befunde und neue Erkenntnisse festlegen, erklärte die Archäologin.

Die Ausgrabungen sollen noch bis etwa Mitte Oktober fortgeführt werden, sagte Leahy. Aufgrund der Erdablagerungen und Keramik können Daten über Nahrung und Kultur der frühen Seulinger ausgewertet und veröffentlicht werden.

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