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Künstliche Beatmung durch die Aue

Seeburger See Künstliche Beatmung durch die Aue

Einen Vorschlag zur Erhöhung des Sauerstoffgehalts in der Aue im Seeburger Seeanger durch künstliche Einspeisung hat Ludwig Pape vom Verein Adele (Auge des Eichsfelds – Lebendiger Seeburger See) unterbreitet. Die Kreisverwaltung schätzt die Maßnahme als nicht sinnvoll ein.

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Ludwig Pape und Beate Kühnhold vom Verein Adele am Wehr der Aue im Seeburger Seeanger.

Quelle: Rüdiger Franke

Seeburg. „Der Seeanger ist gebaut worden als Überschwemmungsschutz, als Sandfang und als Naturrefugium“, sagt Pape. In diesem Jahr sei der Seeanger aber kein Sedimentfang sondern ein Wasserfang gewesen. Die Staurückhaltung während des Dauerregens habe damit gut funktioniert. Allerdings habe das Wasser lange im Seeanger gestanden. „Es konnte nicht einfach abfließen“, so Pape. „Es gab einen Rückstau bis zur Rhume.“ Das stehende Wasser habe sich erwärmt, was die Bildung von Faulgas gefördert hätte. Auch das Wasser in der Aue zeige auf seinem Weg eine deutliche Erwärmung, erzählt Pape. Die Aue sei ein Quellgewässer und damit eigentlich ein Frischestreifen im See. Doch gebe es zwischen der Furt und dem Wehr, einer Strecke von etwa einem Kilometer Länge, Temperaturunterschiede. „An warmen Tagen können das bis zu zehn Grad sein“, so Pape. Und das erwärmte Wasser würden dann in den Seeburger See fließen.

Einspeisung mit einem Kompressor

„Wir wollen dem See Linderung verschaffen durch eine Sauerstoffeinspeisung in die Aue unterhalb vom Wehr“, erklärt Pape. Dafür gebe es verschiedene Möglichkeiten. Eine sei die Einwirbelung, die so funktioniere, dass Wasser entnommen und dann wieder eingespritzt werde. „Nach unserer Meinung funktioniert es aber nur über einen Kompressor – stationär oder mobil“, sagt Pape. Die Anschaffung wolle Adele mit 10000 Euro bezuschussen. Die notwendige Abkühlung des Wassers soll durch die Führung des Wassers durch ein geripptes Rohr, welches als 20-Meter-Schleife durch die Erde verlegt werde. Deshalb biete sich das Wehr an, weil dort bereits Strom liege.

Die Kreisverwaltung sieht den Vorschlag als nicht sinnvoll an. „Eine solche technische Anlage verhindert nicht die grundlegenden Prozesse, sondern setzt bei deren Auswirkungen an“, sagt Kreissprecher Ulrich Lottmann. „Deshalb bestehen aus fachlicher Sicht erhebliche Zweifel, ob eine solche Anlage Abhilfe schaffen kann.“ Für die politische Diskussion im Ausschuss werde die Kreisverwaltung den Vorschlag jedoch prüfen und dabei eine externe Expertise einbeziehen. Das Ergebnis werde im Ausschuss vorgestellt.

Abfluss ausreichend

Die eingestellte Durchflussmenge für das Seeanger-/Retlakegebiet zwischen Ebergötzen und Seeburg habe in den vergangenen Jahren bei maximal 550 Litern pro Sekunde gelegen, so Lottmann. Dieser Wert sei für einen kontinuierlichen Abfluss, auch bei zwischenzeitlich stärkeren Regenereignissen, ausreichend. Die Regenereignisse Ende Juli 2017 mit außergewöhnlich hohen Niederschlagsmengen über mehrere Tage waren eine besondere Situation. Die Wassermenge der Niederschläge Ende Juli hätte aufgrund des Einzugsbereichs der Aue wahrscheinlich zu Überschwemmung in der Ortslage von Seeburg geführt. Das Auffangen der Wassermassen habe ein Hochwasser verhindert. Zugleich wurde Sediment zurückgehalten das ansonsten, einschließlich der damit verbundenen Nährstoffe wie Phosphat, in den Seeburger See gelangt wäre.

Von Rüdiger Franke

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