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Wilhelm Busch mal ganz anders

Ebergötzen Wilhelm Busch mal ganz anders

Wilhelms Buschs „Max und Moritz“ ist mehr als hinlänglich bekannt. Einen Einblick in weniger berühmte Werke des Humoristen bot am Sonnabend ein Theaterabend in Ebergötzen. Schauspieler Markus Veith inszenierte „Balduin Bählamm“ und „Maler Klecksel“ und begeisterte mit seiner Solo-Performance das Publikum.

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Markus Veith spielt Wilhelm Busch beim Theaterabend in der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen.

Quelle: Helge Schneemann

Ebergötzen. „Ritzeratze! voller Tücke...In die Brücke eine Lücke!“ – wie gut das Publikum mit den prominenten Werken Buschs vertraut war, zeigte sich gleich zu Anfang, als ein Chor an Besuchern den von Veith begonnen Satz vollendete. Und so konnte sich Veith schon noch wenigen einleitenden Worten zum „Urvater des Comics“ – in Busch – verwandeln, um fortan mit grummeliger Stimme, Bierhumpen und Pfeife ausgestattet einen Reim nach dem anderen von sich zu geben.

Auf aufwendige Kulisse verzichtet

Auf eine aufwendige Kulisse war er in der fast ausverkauften Wilhelm-Busch-Mühle nicht angewiesen: Zur Linken seines Sessels eine Staffelei als Erinnerung an Buschs Malerei, die dieser aber selbst kaum wertgeschätzt hatte. Und zur Rechten ein Schreibpult, wie es Busch benutzt haben könnte, als er jene Charaktere entwarf, die es zu Weltruhm bringen sollten. Den Hintergrund zierte nur ein Garderobenständer mit einem Frack, einem englisch-gemusterten Jackett sowie einem Samtbarett und einem Strohhut – ein Ausblick, auf die beiden Werke, die im Vordergrund des Abends stehen sollten.

Frack und Barett kamen als erstes zum Einsatz, als Veith zu Schreiber Balduin Bählamm wurde. Getreu dem Motto „Wie wohl ist dem, der dann und wann, sich etwas Schönes dichten kann“, inszenierte Veith die Geschichte eines Bürokraten, der sich selbst als verhinderten Dichter wahrnahm. Und während Veith absolut textsicher Reim um Reim das Schicksal des Möchtegern-Poeten inszenierte, kannte das Publikum bald kein Halten mehr: „Anstatt in den bequemen Sessel, setzt er sich in die scharfe Nessel“ hatte Busch den Streich des kleinen Jörg beschrieben, der Bählamm einen Hocker weggezogen hatte. In Veiths Inszenierung wurde daraus ein ausdrucksstarkes Hinplumpsen, dass die jüngeren Zuschauer vor Lachen von den Stühlen riss.

Kritik „auf hohem Niveau“

Dabei waren Mimik und Gestik so stark, dass sie manche Zuschauerin irritierten: „Das lenkt auch etwas ab“, bekannte eine Ebergötzerin in der Pause. Doch zugleich betonte sie, dass das Kritik „auf ganz hohem Niveau“, sei. Andere Besucher waren verblüfft ob der Textsicherheit und freuten sich darüber, Werke von Busch präsentiert zu bekommen, mit denen sie weniger vertraut waren.

Nach der Pause griff Veith auf das englisch-gemusterte Jackett und den Strohhut zurück: „Doch größeren Ruhm wird der verdienen, der Farben kauft und malt mit ihnen“, hatte Wilhelm Busch die Motivation seines Protagonisten „Maler Klecksel“ beschrieben, weder Musiker noch Bildhauer zu werden. Dass Busch Kuno Klecksel zunächst in die Lehre bei einem Malermeister geschickt hatte, inszenierte Veith dabei genauso geschickt wie das spätere Leben Klecksels als mittelloser Künstler in der Großstadt – eine Episode, die wohl nicht ganz zufällig an Buschs eigene, frühe Jugendjahre erinnerte: „Ach! reines Glück genießt doch nie, Wer zahlen soll und weiß nicht wie!“ hatte der einst in seinem Stück über Klecksel gedichtet. Und prompt brach das Publikum wieder ins Lachen aus, als Veith im inszenierten Selbstgespräch ebenso verzweifelt wie vergeblich einen Freund um Geld anschnorrte, um seine Bierrechnung zu bezahlen.

Von Christoph Höland

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