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Patenschaften und Glockenwein

Noch 100.000 Euro fehlen bis zur Anschaffung neuer Glocken Patenschaften und Glockenwein

163.000 Euro sollen die drei neuen Bronzeglocken kosten, die die Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer anschaffen will. Die ersten 40.000 Euro hat die Gemeinde zusammen, jetzt sollen kreative Ideen helfen, auch die restliche Finanzierung zu sichern.

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Siegbert Jagemann betrachtet den Zustand der alten Glocken.

Quelle: Richter

Seulingen. „20.000 Euro werden wir in Eigenleistung aufbringen können“, zeigen sich Siegbert Jagemann und Ansgar Tauchmann vom Kirchenvorstand zuversichtlich. Da vom Bistum keine Zuschüsse fließen, fehlen noch 100.000 Euro. An Ideen, das Geld aufzubringen, mangelt es nicht. So wird im April ein fränkischer Glockenwein mit der Seulinger Kirche auf dem Etikett bei einer Weinprobe vorgestellt. „Ein ideales Geschenk“, wirbt Tauchmann. Auch gläserne Windlichter mit der Kirche wird es zu kaufen geben.

Gläubige können zudem für verschiedene Objekte die Kosten übernehmen, etwa für die drei Glocken (30.000, 21.000 und 16.000 Euro), ein Läutewerk (1800 Euro) oder Schalladen (800 Euro). Von Pfarrer Michael Kreye stammt die Idee der Patenschaft über ein Tagesgeläut. Die Glocken schlagen dann in Gedenken etwa an einen Geburts-, Hochzeits- oder Sterbetag. Kosten: 250 Euro. Fällt ein solches Geläut auf ein Hochfest, sind 500 Euro zu überweisen.

Die neuen Glocken sind notwendig, weil die alten aus Eisenhartgruss aufgrund von Korrosion nicht mehr zu retten sind. Noch tun sie ihren Dienst, doch sie können jederzeit kaputtgehen. Hergestellt wurden sie 1951 von der Firma Weule aus Bockenem für umgerechnet 4300 Euro. Auch damals brachten die Gläubigen die Summe selbst auf. Für Bronze reichte ihr Geld nicht. Der damalige Pfarrer Lorenz Hellmond stimmte dem Guss nur widerwillig zu. „Er hätte das Geld lieber für den Wiederaufbau von kriegszerstörten Kirchen oder für die Unterstützung armer Theologiestudenten gespendet“, fand Kreye beim Aktenstudium heraus.

Seulingens ursprüngliche Glocken waren als Kriegsmaterial eingezogen worden. „Aus Bronze lassen sich auch Kanonen gießen“, erläuterte am Sonntag der Glockensachverständige Andreas Philipp. Glocken- und Kanonengießen seien früher in der Regel die gleichen Personen gewesen.

Philipp berichtete über die Geschichte des Instruments, das aus dem alten China stammt. Über Handelskontakte kam es in der Antike nach Griechenland und ins Römische Reich, wo die Glocken den Beginn des Markts oder die Ankunft eines Schiffs meldeten. Christen lehnten Glocken zunächst ab. Erst der Hinweis auf kleine Glöckchen am Gewand des jüdischen Hohepriesters führte zum Umdenken.

„Die ersten Glocken, die irische und schottische Missionare nach Germanien brachten, ähnelten Kuhglocken“, sagte Philipp. Später hätten dann unter anderem die Benediktiner mit dem Gießen großer Glocken begonnen. Lange Zeit seien sie ausschließlich aus Bronze angefertigt worden. „In den 1850er Jahren kam der hochwertige Gussstahl und später der billige Eisenhartguss auf“, so der Sachverständige.

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