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Reiterhof in Waake erhält Unterstützung

Piraten und Gemeinde Reiterhof in Waake erhält Unterstützung

Der Reiterhof der Familie Gaarz soll im Dorf bleiben. Das fordert inzwischen auch die Piraten-Partei in Göttingen. Der Landkreis bemängelte dagegen nicht erfüllte bauliche Voraussetzungen für Tierhaltung in der Größe des Betriebs, nachdem sich eine Nachbarin über Gerüche beschwert hatte.

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Quelle: Thiele

Waake. „Wir hatten uns nicht an die Piraten gewendet, aber wir freuen uns natürlich über die Unterstützung“, erklärt Hofbetreiberin Astrid Gaarz, die zusammen mit ihrem Mann Thomas seit 26 Jahren rund zehn Ponys auf dem Gelände hält. „Wir haben in all den Jahren keinerlei bauliche Veränderungen vorgenommen, noch die Tierhaltung aufgestockt. Selbst der Boden an den Stallungen war schon befestigt“, sagt die Besitzerin. Wie aus heiterem Himmel seien die Ansagen des Landkreises gekommen, dass dort Tierhaltung in dieser Größenordnung nicht zulässig sei.

 
„Tiere wurden hier seit Beginn des 19. Jahrhunderts gehalten“, argumentieren dagegen die Piraten in einer Pressemitteilung, daher sei es völlig unverständlich, dass ein so alteingesessener Betrieb keinen Bestandschutz haben solle. Parteimitglied Daniel Isberner meint: „Waake hat eindeutig dörflichen Charakter“, deswegen könne er nicht nachvollziehen, dass der Landkreis ein Geruchsgutachten, das Thomas Gaarz vom Tüv erstellen ließ, nicht akzeptiere mit der Begründung, Waake sei quasi eine Stadt.

 
Weiterhin kritisieren die Piraten in ihrer Pressemeldung, dass „die Nachbarin des Hofs, die vor zwei Jahren den Stein ins Rollen gebracht hatte, selbst beim Landkreis arbeitet und dort an entscheidender Stelle ihren Einfluss geltend macht.“ Isberner fordert: „Wenn man verhindern will, dass immer mehr Menschen aus den Dörfern abwandern, muss man die dortige Infrastruktur, Arbeitsplätze und ein attraktives Freizeitangebot erhalten.“

 
Die Piraten wollen ausdrücklich die Samtgemeinde Radolfshausen und den Waaker Bürgermeister Johann-Karl Vietor (CDU) dabei unterstützen, sich für den Erhalt des Reiterhofes einzusetzen.

 
Vietor bestätigt, dass er in der nächsten Ratssitzung Anfang Februar eine Resolution für den Erhalt des Hofes auf den Weg bringen will. „Für Waake wäre es ein großer Verlust, wenn diese Dienstleistung wegfiele. Das, was ein Reiterhof bieten kann, ist prägend für den ländlichen Raum: Kinder und deren Kontakt zu Tieren und zur Natur.“ Zwar müssten alle gesetzlichen Belange dabei berücksichtigt werden, aber auch ein Gesetz sei nicht immer ganz eindeutig und oftmals Interpretationssache. Im Fall des Reiterhofes gebe es jedenfalls noch einige rechtliche Auslegungen zu klären.

Landkreis widerspricht Vorwürfen

Die Situation des Reiterhofes in Waake hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Der Landkreis Göttingen hat erneut Stellung zu den Vorwürfen bezogen, er wolle den Hof verbieten. „Das ist schlichtweg falsch“, so Pressesprecher Ulrich Lottmann. Der Landkreis habe keineswegs die Pferdehaltung verboten.

 
„Richtig ist“, so Lottmann. „Der Hof darf in der jetzigen Form nicht weiterbetrieben werden. Er ist so nicht genehmigt und auch nicht genehmigungsfähig.“ Eine Genehmigung wäre nach der Erfüllung bestimmter Auflagen für zwei Pferde möglich. Derzeit hält Familie Gaarz neun Pferde und Ponys.

 
Auch kritisiert Lottmann die Vorwürfe, eine Landkreismitarbeiterin habe Amtsmissbrauch begangen, indem sie bei der Beschwerde über die Geruchsbelästigung ihre Stellung ausgenutzt habe. „Es gab eine berechtigte Beschwerde einer Anwohnerin“, erklärt der Pressesprecher. Ein Gutachten belege, dass die Immissions-Richtwerte deutlich überschritten wurden. „Da haben wir keine Spielräume“, so Lottmann, der darüber hinaus das Kenntlichmachen einer Person „sehr bedenklich“ nennt. Der Stein sei schließlich erst nach einem Ortstermin im Oktober 2013 ins Rollen geraten. Allerdings würden die Vorwürfe zum Amtsmissbrauch von neutraler Stelle überprüft. Auch den Vorwurf der Behördenwillkür weist Lottmann von sich: „Wir leben in einem Rechtsstaat, und es geht darum, geltendes Recht umzusetzen.“ Der Landkreis habe viel Zeit in dieses Thema investiert. Zusätzlich zum Ortstermin habe es mehrere Anhörungen und mindestens zwei größere Gesprächsrunden mit Vertretern aller beteiligten Behörden gegeben, bei denen Lösungswege aufgezeigt wurden. „Eigentlich hätte der Reiterhof bereits zum Mai 2015 seinen Betrieb einstellen müssen“, widerspricht Lottmann den Behauptungen, der Familie sei zu wenig Zeit eingeräumt worden. Der Landkreis habe mögliche Spielräume ausgenutzt, nun aber eine Frist zum 31. März gesetzt.

 
Lottmann betont, es sei auch nicht die Intention des Landkreises mit den Auflagen die Existenz des Familienbetrieb bedrohen. „Es geht einzig und allein um das Thema Pferdehaltung, die in dieser Größenordnung an dieser Stelle nicht erlaubt ist. Die Reitschule, also das Gewerbe, ist ein ganz anderes Thema.“ Der Landkreis appelliert zum Abschluss an alle Besitzer von Flächen, auf denen Pferdehaltung möglich ist, sich bei Familie Gaarz zu melden. rf

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