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Flüchtlinge in Rosdorf lernen das Radfahren

Radfahren – aber sicher Flüchtlinge in Rosdorf lernen das Radfahren

Deutschland ist ein Fahrradland, Syrien und Afghanistan nicht. Anlass für die Johanniter, in der ehemaligen Anne-Frank-Schule untergebrachten Flüchtlingskindern das Radfahren beizubringen.

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Flüchtlinge in Rosdorf lernen Radfahren.

Quelle: EF

Rosdorf. Und dabei vor allem die Regeln. Menschen, in deren Herkunftsländern (auch) im Straßenverkehr das Recht des Stärkeren herrscht, in denen der Lastwagen oder das Kamel stets Vorfahrt hat, müssen in Rosdorf und anderswo erst einmal lernen, dass im noch unbekannten „Alamanya“ nahezu alles geregelt ist. Die Straßenverkehrsordnung haben sie nun zumindest rudimentär begriffen, und „wir konnten schon mit Erwachsenen die ersten Touren zum Kiessee unternehmen”, berichtet Unterkunftsleiterin Katja Lüdeke.

Schrauber-Werkstatt

Initiiert hat die Aktion eine begeisterte Radsportlerin mit Lizenz für Downhill-Rennen: Ann Christin Hartmann. Die Betreuerin im Rosdorfer Johanniter-Team schob das „Projekt Zweirad“ im September vergangenen Jahres an, damals mit nicht mehr als drei defekten Rädern. Wenig später ging eine Schrauber-Werkstatt für Fahrräder an den Start, in der Johanniter und Ehrenamtliche zusammen mit Flüchtlingen schrauben. Auch dank vieler Spenden aus der Bevölkerung ist der Fuhrpark in der Anne Frank-Schule mittlerweile auf 72 Räder gewachsen - samt gestifteten Helmen und Sicherheitswesten aller Größen.

Außenlager Friedland

Die Tage der Rosforfer Außenstelle des Friedländer Aufnahmelagers sind gezählt. Am 31. Juli müssen die Johanniter und die Flüchtlinge die Schule verlassen, da die Gemeinde die Immobilie für ein Bürgerzentrum benötigt.

Doch gerade in der vergangenen Woche hat die Hilfsorganisation eine neue Gemeinschaftsunterkunft in der Göttinger Gustav-Bielefeld-Straße in Betrieb genommen. Arnold-Friedrich von Zepelin, Chef der Johanniter-Unfall-Hilfe in Göttingen: „Klar, dass wir die erfolgreichen Projekte mitnehmen - und das gilt auch für unsere Mitarbeiter. Die machen einen tollen Job.“

Diesmal sind 20 Flüchtlingskinder mit Feuereifer dabei - und lernen, worauf sie auf den Straßen ihrer neuen Heimat achten müssen. Gleich zieht Betreuerin Elke Schultz den Schieber an der Papp-Ampel auf „Grün“ - und dann strampeln sie los auf den Parcours. Auf dem Hof der Rosdorfer Schule radelt Hartmann voran, im Schlepptau Kinder aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Die Kleinsten unter ihnen mit Laufrädern, der Älteste ganz cool auf einem Trekking-Bike. Eine enge Acht gilt es zu durchfahren, Geschicklichkeitsaufgaben zu meistern und schließlich die Slalom-Strecke zu bewältigen. Auch die Obrigkeit ist angetan. Hauptkommissar Jörg Arnecke, Verkehrssicherheitsberater bei der Göttinger Polizei, freut sich darüber, dass die Kombination aus Theorie-Training für Betreuer und Praxis-Unterricht für die Kinder so gut gelungen ist.

Alles neu

Darin steckt ein Haufen Arbeit. Johanniter aus der Rosdorfer Einrichtung absolvierten bei die Multiplikatoren-Ausbildung „Radfahren - aber sicher“. Und parallel dazu bastelten sie das Inventar des Verkehrsübungsplatzes auf dem Schulhof. „Toll, wie Sie das hier umgesetzt haben,“ lobt der Hauptkommissar.

Für die Flüchtlinge hierzulande ist alles neu - auch das System des Fahrrad-Verleihs, das die Johanniter in Rosdorf eingerichtet haben. Wer radeln will, muss sich anmelden - diese Regel unterdrückt Chaos schon im Keim. Ein weiterer Aspekt, der Betreuerin Hartmann wichtig ist: „Radfahren schafft Unabhängigkeit. Das ist besonders für die Flüchtlings-Frauen wichtig. Die freuen sich auch, dass ich in der Werkstatt stehe.“ Und die Männer? „Die haben keine Wahl,“ grinst die 30-Jährige.

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