Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Integration ohne Anleitung

Flüchtlingskinder erstmals beim Feriencamp Stolle Integration ohne Anleitung

Viele Kinder aus Göttingen und dem Landkreis waren bereits bei dem traditionellen Feriencamp Stolle. Auch in diesem Jahr zelten dort gerade 131 Kinder, zum ersten Mal sind 21 der Jung-Camper Flüchtlingskinder.

Voriger Artikel
Landwirte entsorgen Verpackungen
Nächster Artikel
Frau bei Unfall leicht verletzt

Integration, Erholung und jede Menge Spaß seien das Ziel, erklären die Betreuer.

Quelle: HW

Dahlenrode. Integration, Erholung und jede Menge Spaß seien das Ziel, erklären die Betreuer. Das klappe auch reibungslos, obwohl sie im Vorfeld einige Bedenken gehabt hätten. Ob die Deutschkenntnisse der Flüchtlingskinder ausreichend seien und wie die Übernachtung im Zelt verlaufe, habe sie vor allem beschäftigt, berichten die Freizeitleiter Antje Juraschek und Jan Hintze vom Kreissportbund Göttingen.

Die Kinder toben über das Gelände, lachen, basteln und  spielen. Alle Ballsportarten stehen hoch im Kurs, auch bei Raschad. Der Neunjährige ist mit seinen Eltern aus Aserbaidschan geflohen und lebt in der Flüchtlingsunterkunft am Nonnenstieg. Sonntag ist er mit den anderen Flüchtlingskindern an der Stolle angekommen und hat bereits neue Freunde gefunden. „Wir spielen Fußball und Basketball“, erzählt er, und mag am liebsten Schwimmen und Essen.

Die gemeinsamen Mahlzeiten stünden bei den Flüchtlingskindern besonders hoch im Kurs, erzählt Betreuerin Astrid Müller. Die Kinder hätten sich fünf- bis sechsmal Nachschlag geholt. Ihnen gefielen vor allem gemeinsame Rituale und der feste Zeitrahmen. „Der geregelte Tagesablauf tut den Kindern einfach gut“, sagt Müller.

Ihre Arbeit begann bereits weit vor der Ankunft zur Ferienfahrt. Monatelang hat sie versucht, Bedenken der Eltern aus den Weg zu räumen. Sie arbeitet in der Flüchtlingsunterkunft am Nonnenstieg und bereitete die Eltern mit Fotos und Informationen vor. Trotzdem durften nicht alle Kinder reisen. Die Ferienfreizeit endet für die Flüchtlingskinder diesen Mittwoch. Das Geld spendete der Lions Club Bettina von Arnim.

Müller übernachtet mit den Kindern im Zelt. Raschad hatte während der ersten Nacht etwas Heimweh. Chaed kam sofort gut zurecht. Stolz hat die siebenjährige Syrerin ihren eigenen roten Schlafsack mit grauer Maus ausgebreitet und sich wohl gefühlt.

Vor den Nächten hatte Müller etwas Angst: „Davor, dass die Kinder nachts wach werden oder schlecht träumen.“ Schließlich seien auf der Flucht viele in Zelten untergebracht gewesen.
Diese Befürchtungen traten nicht ein. Während Müller erzählt, bauen einige Kinder das Schachbrett auf. Meistens mischt sich die Gruppe schnell, dann klappt Integration ohne große Anleitung. Viele Freundschaften seien bereits entstanden, erklärt Müller. Das ergebe sich von selbst: beim Zähneputzen, Essen, Sandburgen bauen oder Vorlesen. „Es war die richtige Entscheidung, die Kinder mitzunehmen“, sagt sie.

Von Katrin Westphal

Ferienfreizeit Stolle

Seit 1949 bietet der Kreissportbund Göttingen Kinder- und Jugendfreizeiten auf der Stolle an. In der Nachkriegszeit standen gute Ernährung und eine liberale, demokratische Erziehung der Kinder im Mittelpunkt. Außerdem sollten die vielen Flüchtlingskinder aus den deutschen Ostgebieten integriert werden. „Dieser Tradition, Kindern mit schwierigem persönlichem Hintergrund eine unbeschwerte Ferienzeit zu ermöglichen, sind die Mitarbeiter der Freizeiten bis heute treu geblieben“, erklärt der Kreissportbund.

Bei der diesjährigen Ferienfreizeit sind die Sieben- bis 13-Jährigen in 16 Zelten untergebracht. 18 Betreuer und zwölf Helfer kümmern sich um die jungen Camper. Der Tagesablauf an der Stolle wird musikalisch umrahmt. Zwischen den gemeinsamen Mahlzeiten geht es Schwimmen, Spielen oder Basteln. Elf Tage dauert die Ferienfahrt, die am Donnerstag, 21. Juli, endet.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Gänseliesel-Wahl