Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regen

Navigation:
„Ich hab‘ ihm das Geld ja gegeben“

Prozess um Anlagebetrug „Ich hab‘ ihm das Geld ja gegeben“

Im Prozess um die mutmaßlichen Anlagebetrügereien eines 53-jährigen Betriebskaufmanns aus Rosdorf haben am Freitag mehrere Geschädigte als Zeugen vor dem Landgericht Göttingen ausgesagt. Einer von ihnen war ein Anleger aus Göttingen, der 60.000 Euro verloren hat.

Voriger Artikel
Kleine Experimente
Nächster Artikel
Spenden statt schenken
Quelle: dpa (Symbolbild)

Rosdorf/Göttingen. Ein Bekannter habe ihm den Angeklagten als Experten für lukrative Geldanlagen empfohlen, sagte der Zeuge. Anfang 2008 sei er dessen Wirtschaftsclub „GVW“ beigetreten und habe 15.000 Euro in das vom Angeklagten propagierte Geschäftsmodell „Neun-Prozent-Liga“ investiert. Der 53-Jährige, der als Gründer und Vorsitzender des Wirtschaftsclubs fungierte, habe weder in den Gesprächen noch in dem abgeschlossenen Darlehensvertrag auf Risiken hingewiesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, in den Jahren 2006 bis 2009 Anleger um rund 1,1 Millionen Euro geprellt zu haben. Der 53-Jährige hatte den Mitgliedern des von ihm gegründeten Wirtschaftsclubs für angeblich risikolose Finanzgeschäfte und clubinterne Darlehen einen Jahreszins von 9 Prozent zugesagt. Tatsächlich habe er einen Teil des Geldes für seinen eigenen Lebensunterhalt verbraucht.

Der Zeuge fand die Geschäftsmodelle damals „sehr erfolgversprechend“ und ging auch regelmäßig zu Treffen des Wirtschaftsclubs in Göttingen und Obernjesa. Zu diesen Treffen, die der Angeklagte moderierte, seien meist 20 bis 40 Teilnehmer gekommen, sagte der Anleger. 2009 habe der Angeklagte erstmals erwähnt, dass es um die Finanzen der Clubmitglieder nicht gut stehe und die Darlehen nicht zurückgezahlt werden könnten. Auch für die versprochenen Zinszahlungen sei kein Geld da. Er selbst habe dann mit anderen Clubmitgliedern ein „Krisenmanagement-Team“ gebildet, um das „Schiff wieder flott zu kriegen“. Am Ende seien ihre Bemühungen aber vergeblich gewesen: „Wir konnten der Spur des Geldes gar nicht folgen.“ Viel mehr als der finanzielle Verlust schmerze ihn, dass er selbst dazu beigetragen habe: „Ich hab ihm das Geld ja gegeben, ich hab mich komplett vertan.“ nie

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bilder der Woche vom 16. bis 22. September 2017