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Grabungen bei ehemaliger Anne-Frank-Schule

Reise in die Steinzeit Grabungen bei ehemaliger Anne-Frank-Schule

Als einen für die Forschungsgeschichte „interessanten Flecken“ hat Grabungsleiter Eberhardt Kettlitz das Gelände hinter der ehemaligen Anne-Frank-Schule bezeichnet. Dort befindet sich die größte untersuchte steinzeitliche Siedlung Niedersachsens. Seit Juli wird sie erneut erforscht.

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Grabung auf dem Gelände der ehemaligen Anne-Frank-Schule.

Quelle: Hinzmann

Rosdorf. Bereits zwischen 1963 und 1970 gelang es Forschern vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen, dort Abschnitte einer steinzeitlichen Siedlung, genannt „Mühlengrund“, archäologisch zu untersuchen. „Mehrere Grabungen haben zwischen 1963 und 1970 stattgefunden. Das Ergebnis war der Fund von Siedlungsspuren aus der Neusteinzeit“, erklärt die Kreisarchäologin Andrea Bulla. Die Forscher dokumentierten damals 64 Hausgrundrisse, wovon 52 der Linienbandkeramischen Kultur, der ältesten bäuerlichen Kultur der Jungsteinzeit, entstammen. Die Kultur ist auf 5500 bis 4900 Jahre vor Christus zu datieren. Durch die Neugestaltung des Schulgeländes hatte das Grabungs-Team um Eberhardt Kettltz die Möglichkeit, die Grabung auf dem bisher unbebauten Gelände in diesem Sommer fortzusetzen.

"Hausgrundrisse bilden den Kern der Siedlung"

„Die Hausgrundrisse bilden den Kern der Siedlung. Es ist wie ein archäologisches Puzzle-Spiel. Man nimmt die Teile, die in den 60ern und 70ern gefunden wurden, und versucht mit den neugefundenen Teilen den ältesten Stadtplan von Rosdorf zu vervollständigen“, sagt Kettlitz.

Die Funde der Wissenschaftler beschränken sich nicht nur auf Häusergrundrisse, erzählt der Grabungsleiter. „Bisher haben wir rund 60 Keramikscherben, einen Mahlstein zum Getreidemahlen, einen Feuerstein zum Anfertigen von Werkzeugen und kleine Tierknochen gefunden.“ Die Scherben seien von so guter Qualität, dass man sie bis auf 100 Jahre genau datieren könne.

Neolithische Revolution

Die große Bedeutung der Funde in der 7000 Jahre alten Siedlung liege in der neolithischen Revolution, so Bulla. „Es geschah ein Umbruch. Die Menschen in der Jungsteinzeit wurden sesshaft. Sie bauten Getreide an, züchteten Vieh und bauten Häuser. Vor der Jungsteinzeit waren sie Jäger und Sammler.“ Dieser Umbruch stellte den Beginn der modernen Revolution dar.

Der Archäologin zufolge sei Rosdorf kontinuierlich besiedelt worden. „Die neuen Forschungsmethoden und Geräte, die es in den 60ern noch nicht gab, sind eine Chance, das ganze deutlich darzustellen.“

Grabung soll drei Monate dauern

Die Grabung soll drei Monate lang dauern. Die Archäologin Bulla ist zuversichtlich, weitere bedeutende Funde auf dem 3000 Quadratmeter großen Areal zu machen: „Wir stehen erst am Anfang und haben nicht einmal ein Drittel untersucht. Das lässt auf mehr hoffen.“

aa

Linienbandkeramische Kultur

Der Name dieser Kultur leitet sich von der Form der Verzierung der keramischen Gefäße ab. Als charakteristisch für diese Zeit gelten Bandmuster aus eckigen, spiral- oder wellenförmigen Linien. Die Linienbandkeramik war unter anderen in Westungarn, Rumänien, der Ukraine, Österreich, Deutschland und Frankreich verbreitet. Sie gilt als größte Flächenkultur der Jungsteinzeit. Sie ist die erste neolithische (jungsteinzeitliche) Kultur Mitteleuropas.

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