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Tornado oder Gewitterbö?

Großes Aufräumen in Dramfeld Tornado oder Gewitterbö?

Die Sturmschäden vom Sonntagnachmittag in Dramfeld sind noch größer als bisher vermutet. Unterdessen rätseln Meteorologen, ob es sich dabei tatsächlich um eine Windhose, also einen Tornado, gehandelt hat.

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Eine Scheune an der Ortsdurchfahrt wurde am Sonntagnachmittag fast vollständig abgedeckt.

Quelle: dpa

Dramfeld. Feuerwehr, Polizei und Versicherer gehen mittlerweile von mehr als 30 teilabgedeckten Dächern, dazu weitere Dächer mit kleineren Schäden, aus. Außerdem wurde einige Fassaden und mehrere Autos beschädigt.

Am Montagmorgen waren im gesamten Ort Gerüst- und Dachdeckerfirmen im Einsatz. Sachverständige, Repräsentanten von Versicherungen, die Gemeindeverwaltungen und der Leineverband nahmen die Schäden auf. Überall war der Lärm von Motorsägen zu vernehmen. Viele Straßen sind von Äpfeln gesäumt: die Böen haben die Bäume abgeerntet. Nach dem ersten Augenschein, sagt Versicherungsfachmann Roland Graber von der VGH Göttingen, könne man von einem klaren Versicherungsfall ausgehen. Dass an einem Haus große Schäden entstanden, während nur einige Meter daneben alles stehen blieb, sei für solche Wetterphänomene typisch.

Rosdorfs Bürgermeister Sören Steinberg erschien am Montagmorgen ein weiteres Mal im Ort, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Steinberg geht davon aus dass im Ort mehr als 100 Bäume umgerissen oder so stark beschädigt wurden, dass sie gefällt werden müssen. „Wir sind besonders stark betroffen“, sagte Steinberg. „Die meisten Bäume stehen auf öffentlichem Grund.“

Ob es sich bei dem Auslöser tatsächlich um eine Windhose gehandelt hat, ist noch nicht abschließend gesichert. Auch Gewitterböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometer könnten Schneisen wie diejenige in Dramfeld schlagen, erklärt Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD): „Bei einem Tornado dreht sich - anders als bei einer eher geradlinige Gewitterfallböe - alles um eine senkrechte Achse.“ In Deutschland gibt es nach Worten von DWD-Experte Andreas Friedrich jährlich zwischen 20 und 60 Tornados. „2016 waren es bisher gut 30.“ Die Zahl der Gewitterböen liege zwischen mehreren Hundert und mehreren Tausend im Jahr.

Die etwa 600 Meter lange Schneise der Verwüstung in Dramfeld zieht sich vom westlichen bis zum östlichen Ortsrand. Nach dem Ende der Bebauung ist in Richtung Osten ein Feld auf einer Länge von etwa 50 Metern niedergedrückt. Um beurteilen zu können, ob es sich in Dramfeld um einen Tornado gehandelt hat oder nicht, ist der DWD auf konkrete Beobachtungen von Augenzeugen angewiesen. Hinweise, Fotos oder Videos können an direkt an andreas.friedrich@dwd.de geleitet werden.

Kachelmann: Es war ein Tornado

Anders als der Deutsche Wetterdienst (DWD) gehen die Experten von Jörg Kachelmanns Wetterkanal davon aus, dass am Sonntag in Dramfeld ein Tornado gewütet hat. Das Wetterkanal-„Stormtracking“ habe zehn Kilometer nordwestlich von Hann. Münden gegen 15.10 Uhr eine Gewitterzelle mit deutlicher Rotation, also erhöhter Gefahr eines Tornados“ registriert, die dann Richtung Osten weiterzog. Gleich nach der Messung verbreitete der Wetterkanal die Warnung „Eine Tornadobildung ist möglich.“ Nach der Auswertung der Tageblatt-Berichterstattung über die Schäden in Dramfeld kommt der Kachelmann-Kanal nun zu der Schlussfolgerung: „Von einem Tornado ist hier auszugehen.“ hein

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