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JVA Rosdorf nahezu „ausgebucht“

Niedersachsens sicherste Haftanstalt JVA Rosdorf nahezu „ausgebucht“

Die Justizvollzugsanstalt Rosdorf (JVA) im Landkreis Göttingen ist ein Bauwerk der Superlative: Bei kaum einem öffentlichen Bauprojekt in Niedersachsen gab es so viele Pannen und Verzögerungen wie beim Bau des Gefängnisses südlich von Göttingen. Vor zehn Jahren wurde die Haftanstalt endlich eröffnet.

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Quelle: Heller/Archiv

Rosdorf. 61 Millionen Euro hat das damals größte Hochbauprojekt des Landes am Ende gekostet. Das mit modernster Überwachungstechnik ausgestattete Gefängnis sollte die sicherste Haftanstalt in Niedersachsen sein. Bislang ist das Konzept aufgegangen: „Wir hatten noch keinen Ausbruch zu verzeichnen“, sagt Anstaltsleiterin Regina Weichert-Pleuger.

Derzeit sind 311 der insgesamt 318 Haftplätze für den geschlossenen Männervollzug belegt, damit ist die Anstalt nahezu „ausgebucht“. Während die Auslastung relativ gleichbleibend ist, hat sich die Zusammensetzung der Häftlinge verändert: „Wir haben eine andere Klientel als vor zehn Jahren“, sagt Weichert-Pleuger. So sei der Anteil der so genannten kurzstrafigen Gefangenen gestiegen. „Wir haben immer mehr Inhaftierte, die Freiheitsstrafen von unter einem Jahr zu verbüßen haben.“ Viele von ihnen wurden wegen Drogendelikten oder Diebstählen verurteilt. Manche können auch ihre Geldstrafe nicht bezahlen und sitzen stattdessen eine Ersatzfreiheitsstrafe ab.

Die Sicherheitsstandards sind auf Gefangene eingerichtet, die eine lange Strafe verbüßen müssen, weil sie besonders schwere Verbrechen begangen haben, zum Beispiel Mord, Sexualstraftaten oder Raubüberfälle. Bei diesen Inhaftierten geht es im Vollzug vor allem darum, als Voraussetzung für eine erfolgreiche Resozialisierung zunächst deren spezifische Problematik aufzuarbeiten, die sie hat straffällig werden lassen. Dementsprechend sind diese Betreuungs- und Behandlungskonzepte auf einen langen Zeitraum hin ausgelegt.

Für die nur kurzzeitig Inhaftierten stehen dagegen ganz andere Probleme im Vordergrund: „Bei ihnen richtet sich der Fokus eigentlich von Beginn an auf die Entlassung“, erläutert die Anstaltsleiterin. Hier geht es darum, das künftige Leben in Freiheit zu regeln, also um Wohnung, Arbeit und soziale Kontakte. Um diesen Anforderungen besser gerecht werden zu können, wurde für die „Kurzstrafigen“ eine eigene Station mit 21 Plätzen eingerichtet. Da diese Plätze allerdings nicht ausreichen, ist ein Teil auch weiterhin auf anderen Stationen untergebracht.

Gestiegen ist auch die Zahl der muslimischen Gefangenen. Derzeit seien es etwa 60, sagt Weichert-Pleuger. Im Haftalltag werde auf ihre religiösen Bedürfnisse Rücksicht genommen. Sie hätten beispielsweise die Möglichkeit, ihre Gebete zu verrichten. Grundsätzlich seien diese Gefangenen nicht problematischer als andere. Einmal habe es einen Zwischenfall gegeben, als ein muslimischer Gefangener sich weigerte, die Anweisungen einer Mitarbeiterin zu befolgen. Als diese ihm deutlich machte, dass er mit entsprechenden Konsequenzen zu rechnen habe, habe er ihr schließlich doch Folge geleistet. „Das hat auch bei anderen Gefangenen gewirkt“, sagt Weichert-Pleuger. „Sie wissen jetzt, dass sie weibliche Bedienstete respektieren müssen und diese sich auch durchsetzen können.“

Beim Umgang mit diesen Gefangenen wirke es sich positiv aus, dass es auch unter den JVA-Bediensteten einige Muslime gibt. Diese Mitarbeiter, die teilweise auch türkisch oder kurdisch sprechen, fänden häufig einen besseren Zugang zu diesen Gefangenen und könnten auch eventuelle Auffälligkeiten besser einschätzen, sagt die Anstaltsleiterin. Ein besonderes Augenmerk richte man auf einige als sogenannte Gefährder eingestufte Inhaftierte, um zu verhindern, dass sie Mitgefangene radikalisieren.

Seit vier Jahren befindet sich auf dem Gelände der JVA Rosdorf auch die zentrale niedersächsische Unterbringung für Sicherungsverwahrte. In dem Spezialgebäude sind Straftäter untergebracht, die ihre Haftstrafe bereits verbüßt haben, jedoch weiterhin als so gefährlich gelten, dass die Allgemeinheit vor ihnen geschützt werden muss. Derzeit sind 39 der insgesamt 45 Plätze belegt. Die Arbeit mit diesen langjährig Inhaftierten sei vergleichsweise schwierig und anstrengend. Viele von ihnen weigerten sich, bei den Behandlungs- und Betreuungsangeboten mitzuarbeiten, sagt Weichert-Pleuger. „Wir sind aber gesetzlich dazu verpflichtet, sie immer wieder zu motivieren.“

Von Heidi Niemann

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