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Klingen, Keile und Häuser

Grabungsteam präsentiert steinzeitliche Funde Klingen, Keile und Häuser

Mehrere jungsteinzeitliche Fundstücke und drei Hausgrundrisse hat das Grabungsteam um Eberhardt Kettlitz und Andrea Bulla bisher auf dem Areal hinter der ehemaligen Anne-Frank-Schule freigelegt. Die Grabung hat im Juli begonnen und wird noch bis Ende September andauern.

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Auch Tierknochen wurden gefunden.

Quelle: Peter Heller

Rosdorf. Auf dem erforschten Gelände befindet sich die größte bisher untersuchte Siedlung der linienbandkeramischen Kultur in Niedersachsen. Als „nicht nur lokal relevant“ und „bemerkenswert“ bezeichnete Landrat Bernhard Reuter (SPD) die 7000 Jahre alten Funde bei der Präsentation der Ergebnisse der Grabung am Mittwoch, bei der auch die erste Kreisrätin Christel Wemheuer (Bündnis 90/ Die Grünen) anwesend war

Zu den Funden gehören Gebrauchsgegenstände aus Keramik und Stein wie Sichelklingen, Steinkeile zur Holzbearbeitung, Keramikscherben, eine Pfeilspitze aus Feuerstein und Dechselklingen. Außerdem wurden drei Holzhausgrundrisse kartiert. Sie stammen aus zwei unterschiedlichen Phasen der Jungsteinzeit. Ein Haus entstand in der jüngeren Phase der Linienbandkeramik und zwei in der älteren. Bei Grabungen zwischen 1963 und 1970 fanden Forscher dort Abschnitte einer Siedlung mit 52 Hausgrundrissen aus der linienbandkeramischen Kultur, der ältesten bäuerlichen Kultur der Jungsteinzeit.

Die Bedeutung dieser Kultur liegt in der Zeit der neolithischen Revolution, der Phase, als der Mensch vom Jäger und Sammler zum Bauern und Viehzüchter wurde und anfing, Häuser zu bauen. „Dadurch erst wurde die Keramik erfunden, um Töpfe und Vorratsbehälter zu haben“, erklärte Landesarchäologe Henning Haßmann.

Auch Tierknochen wurden gefunden. „Anhand der Tierknochen können wir feststellen, wie viel damals noch gejagt wurde“, so Haßmann.

Die Hausgrundrisse ergänzen den Stadtplan von Ältest-Rosdorf, sagte Grabungsleiter Kettlitz. In den bis zu 30 Meter langen Häusern wohnten mehrere Menschen. Man könne an runden dunklen Verfärbungen im Lössboden erkennen, wo einst die Baumstämme in die Erde eingegraben wurden, die als Hauspfosten dienten, erläuterte der Grabungsleiter. Kettlitz zufolge sei das Bauen von Häusern auch aus einem anderen Grund wichtig für die Entwicklung des Menschen: „Häuser konnten nur in Gemeinschaftsarbeit entstehen. Der Mensch wurde also mehr zum sozialen Wesen, indem er die Aufgabe gemeinschaftlich löst.“

Bisher sind etwa 75 Prozent der Projektfläche mit 300 Befunden im Boden untersucht worden. „Es freut mich, das Rosdorf so attraktiv ist, dass die Menschen schon vor so langer Zeit hier siedelten“, sagte Gemeindebürgermeister Sören Steinberg (SPD). Er findet die Rückschlüsse, die man durch die Funde auf das Leben in der Jungsteinzeit machen kann, bemerkenswert und betonte: „Wir bemühen uns, dass im Familienzentrum, das auf diesem Grundstück gebaut wird, eine Ausstellung mit den Fundstücken zu sehen sein wird.“

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