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Manchmal hilft allein schon guter Rat

Schiedsmann Bernd Niemeyer Manchmal hilft allein schon guter Rat

Er ist eine Amtsperson, das weist das Schild „Schiedsmann“ an seinem Hauseingang aus. Er wird jedoch schon tätig, ehe es amtlich wird: Seit 14 Jahren schlichtet Bernd Niemeyer aus Rosdorf Streit unter Nachbarn.

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 Bernd Niemeyer

Quelle: Wenzel

Rosdorf. Schiedsleute – sie schlichten, wenn Nachbarn sich erbittert streiten. Manchmal aber auch schon, ehe den Parteien der Streit recht bewusst ist. Dann kann bereits guter Rat des Schiedsmannes versöhnend wirken. Zum Beispiel bei Hundelärm. Da wandte sich ein Bürger an den Schiedsmann der Gemeinde Rosdorf, weil der nachbarliche Hund nervt.

Einfache Mittel

Was denn der Nachbar dazu sagt, wollte Niemeyer wissen. Der war noch nicht angesprochen worden auf das Gekläffe. Der erfahrene Schiedsmann empfahl ein Protokoll: stets eine Notiz mit Zeit und Dauer des Gebells, damit man beim Gespräch mit dem Halter Munition hat. Niemeyer hat über den Fall nie wieder etwas gehört.

So einfach geht es nicht immer. Überhängende Äste oder schief stehende Zäune wirken auf den Betrachter läppisch, sind für Nachbarn aber oft ein Ärgernis und Grund zum Streit. Dann kann der Schiedsmann ins Spiel kommen, wenn eine der Parteien sich an die Gemeinde wendet, ihn anruft, er sich einschaltet und schließlich beide Parteien an den Tisch bittet. Das geht nur über einen förmlichen Schlichtungsantrag, der später in einen schriftlichen Vergleich münden soll.

Dreiviertel erfolgreich

Göttingen. Sieben Schiedsmänner und -frauen versehen im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichtes Göttingen ihren Dienst. Dazu sieben Stellvertreter. Im Jahr 2015 waren sie in 38 Fällen von Streitigkeiten nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch aktiv. In 34 Fällen bekamen sie auch beide Seiten für Schlichtungsgespräche an den Tisch. 26 Fälle, das sind immerhin 76 Prozent, konnten sie erfolgreich beilegen. 

Bei den Schlichtungen in Strafsachen - etwa im Falle von Beleidigungen oder minderschweren Körperverletzungen - waren es laut Amtsrichter Martin Rammert, der beim Amtsgericht Göttingen die Schiedsleute betreut und beaufsichtigt, zwölf erfolgreiche von 13 bearbeiteten Fällen, also 92 Prozent. Außerdem gab es die so genannten Tür-und-Angel-Fälle, in denen Schiedsleute Parteien aufsuchen und im Gespräch an der Haustür den Streit beschwichtigen. Das waren 2015 im Amtsgerichtsbezirk 36 Fälle. ck

Niemeyer aber regelt vieles früher. Der Rosdorfer, der am Mittwoch 70 Jahre alt geworden ist, besucht die Parteien, gibt Rat an der Tür, rät zum Antrag, wenn man sich nicht vorher einigen kann. Viele Fälle erledigen sich so schon. Der Rest wird schwierig. Kommen beide Seiten zum Gespräch beim Schiedsmann, bringen sie immer öfter gleich anwaltlichen Beistand mit.

Nachfolger gesucht

Klappt die Verständigung nicht, wird nach Paragraf 15a der Zivilprozessordnung eine Erfolglosigkeitsbescheinigung ausgestellt, ohne die es zu keinem Gerichtsverfahren kommen kann. Danach kann so ein Nachbarschaftsstreit vor dem Amtsgericht für den Unterlegenen eine teure Sache werden. Beim Schiedsmann, der ehrenamtlich arbeitet und immer für fünf Jahre vom Rat der Gemeinde berufen wird, ist es mit einer kleinen Verfahrens- und Vergleichsgebühr noch preiswert.

Bernd Niemeyer schlichtet nun in der dritten Wahlperiode. 2002 wurde er Stellvertreter für Gerd Winter, 2007 löste er diesen ab. Im nächsten Jahr will er aufhören. Ein Nachfolger – voraussichtlich wird es eine Frau – wird schon gesucht. Mindestens 30 Jahre alt, erfahren und ausgleichend muss man dazu sein. Niemeyer brachte das alles aus zahlreichen Ehrenämtern beim Spielmannszug, der Feuerwehr und als Touristikleiter des ADAC sowie zuletzt aus dem Seniorenrat alles mit. Er ist zudem amtlicher Betreuer und Seniorenvertreter im Feuerwehrausschuss der Gemeinde. Das Schiedsamt aber war sicher die abwechslungsreichste Aufgabe - und erfüllend, wenn der Streit vom Tisch war.

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