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"Nach 45 Versuchen verliert man die Hoffnung"

Mutter sucht nach Feuer eine Bleibe "Nach 45 Versuchen verliert man die Hoffnung"

Sie haben irres Glück gehabt - und eine aufmerksame Nachbarin. Eine 31-jährige Mutter, ihre drei Mädchen, ihr Lebensgefährte und ihr Hund sind glücklich und unverletzt aus einem brennenden Haus geflohen. Doch jetzt suchen sie verzweifelt ein neues Zuhause.

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Erst vor dem Brand gerettet, dann doch an Rauchvergiftung verendet: eine der beiden Königsboas aus Rosdorf.

Quelle: Willing

Rosdorf. Ebenso ihr Nachbar, in dessen Küche das Feuer ausbrach und der drei seiner vier Haustiere verlor.

Es war Montagmorgen, 6.50 Uhr. Alle schliefen noch. Nur Andre N. aus der unteren Wohnung war schon zur Arbeit. Die Nachbarin klingelte Sturm: "Es brennt!" "Ich habe nur meine Kinder und den Hund geschnappt und raus!", sagt Marianne K. Die 31-jährige Köchin, dreifache Mutter, alleinerziehend und auf staatliche Hilfe angewiesen, rettete noch Handy und Papiere sowie einen Koffer voller Bekleidung. Dann war ihre Wohnung nicht mehr zu betreten. "Jetzt muss ich ganz neu anfangen."

Sie ist mit ihren Kindern bei der Oma in Bovenden untergekommen. Aber dort kann sie nicht bleiben. Sie sucht nach neuen vier Wänden - verzweifelt. Denn der Wohnungsmarkt ist leergefegt. Und wenn die Vermieter "Hartz IV" hören oder dass die vorige Wohnung brannte, gibt es sofort Absagen. "Dabei hat es doch gar nicht bei uns gebrannt, wir leiden nur darunter." 45 Wohnungen haben die junge Frau und ihr Lebensgefährte, mit dem sie gern zusammenziehen möchte, der aber selbst noch bei den Eltern wohnt, bisher gefunden und angefragt. 45 Absagen gab es. "Nach 45 Versuchen verliert man die Hoffnung", sagt die gelernte Köchin.

Die Kinder leiden unter dem Verlust. Wenn das Gespräch darauf kommt, weinen sie. Elf, acht und sieben Jahre sind sie. Sie haben ihr Umfeld in Rosdorf, ihre Freunde, die Schule. Ab Montag müssen sie wieder zum Unterricht - von Bovenden aus. Der Freund der Mutter hilft. Anzuziehen hat die kleine Familie nur das Nötigste - das, was noch zufällig für das lange Wochenende bei der Oma gepackt im Koffer herumstand.

Dabei hätte noch alles viel schlimmer kommen können. Der Rauchmelder ihrer Wohnung war defekt. Und nur zufällig wollten alle drei Mädchen in jener Nacht gemeinsam in einem Zimmer schlafen. Das Zimmer der Großen stand leer. Dort hinein war der Rauch als erstes gezogen.

Weniger Glück hatte Andre N.. In seiner Küche war das Feuer ausgebrochen. Sein Kater war, wie er, schon aus dem Haus. Die Katze verkroch sich, als es brannte. Ihr Kadaver wurde Tage später gefunden. Die Schlangen starben noch am Brandtag an Rauchvergiftung. Der Apparatebauer lebt nun bei Verwandten. Hätten die Schlangen überlebt, er fände wohl kaum einen Vermieter, der bereit gewesen wäre, ihn mit den exotischen Tieren aufzunehmen. Jetzt sucht er einzig mit dem Kater eine neue Wohnung. Auch er muss sich komplett neu einrichten. Immerhin hat die Versicherung Hilfe zugesagt. 5.000 Euro soll etwa Marianne K. mit ihren Töchtern als Starthilfe bekommen. Das ist für sie viel Geld - aber wenn man bei Null anfangen muss …

Schlangen erst gerettet, dann verendet

Es klang nach glücklichem Ausgang: Feuerwehr rettet zwei Riesenschlangen und eine Katze. Alle Bewohner haben sich dank der installierten Rauchmelder selbst retten können. So erste Meldungen. Doch was anfangs so versöhnlich wirkte, nahm nun doch ein trauriges Ende.

Beide Abgottschlangen (Boa constrictor), auch Königsboa genannt, die am Montagmorgen aus einer brennenden Wohnung in Rosdorf geborgen wurden, sind an den Folgen einer Rauchvergiftung verendet. Eine der 1,70 Meter langen Schlangen starb schon auf dem Weg ins Tierärztliche Institut, die andere quälte sich nach Luft schnappend bis in die nächste Nacht. Außerdem wurde im Brandschutt der Kadaver einer verbrannten Katze gefunden. Und die Bewohner hat nicht etwa ein Rauchmelder gerettet - der sprang nicht an -, sondern eine aufmerksame Nachbarin.

Das ist der Stand vier Tage nach dem Feuer in einem Wohnhaus in der Kirchstraße in Rosdorf. Am Freitag machten Brandermittler der Polizei und Vertreter der Versicherungen mit den Brandopfern eine Begehung der Brandstelle. Danach muss derzeit von einem technischen Defekt, mutmaßlich ein Elektroschaden an einem Herd, als Brandursache in der Küche im Erdgeschoss ausgegangen werden. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es nach Auskunft der Polizei nicht. Der Schaden werde nach wie vor mit rund 100 000 Euro beziffert. Aktuell sind die brandbetroffenen Räume nicht mehr beschlagnahmt, es soll aber weitere Untersuchungen an den Elektrogeräten geben. Der Brand hatte die Küche im Untergeschoss und einen Wohraum völlig zerstört und die Dachgeschosswohnung vor allem durch Rauch schwer beschädigt. Bewohnbar ist das Haus auf absehbare Zeit nicht. Vom Mobiliar beider Wohnungen wird nach derzeitiger Einschätzung kaum etwas zu retten sein.

Es war schon das zweite Feuer in dem Gebäude, einer ehemaligen Bäckerei. In der Silvesternacht 2005/6 hatte eine Feuerwerksrakete, abgefeuert von einem Bewohner, darin einen Brand ausgelöst.

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