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„Dummheiten auf Kosten anderer“

Streit um Bahnhaltepunkt „Dummheiten auf Kosten anderer“

Er ist ein Dauerbrenner: der geplante Bahnhaltepunkt Rosdorf. Am Montagabend redeten sich die Mitglieder des Rosdorfer Gemeinderats darüber erneut die Köpfe heiß. Am Ende stand ein gemeinsamer Beschluss, mehr Informationen einzuholen.

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Einer der zwei möglichen Standorte für den neuen Bahnhaltepunkt ist am alten Rosdorfer Bahnhof.

Quelle: Christina Hinzmann

Rosdorf. In seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl traten die unterschiedlichen Meinungen wieder offen zutage. Die SPD und SPD-Bürgermeister Sören Steinberg taten ihre Skepsis zum Projekt Haltepunkt und ihre Präferenz für eine bessere Busanbindung für Rosdorf kund. Er sei zwar „sehr skeptisch und kritisch“, dies aber nur „aus einem Bauchgefühl heraus“, sagte Steinberg. Daher plädiere er dafür, weitere Zahlen, Daten und Fakten einzuholen und für diese Planungshilfe 10 000 Euro bereitzustellen. Ähnlich argumentierte Jörg Kunkel für die SPD-Fraktion. Mehr Informationen könne den Rat vor einer Fehlentscheidung bewahren, meinte auch Fraktionskollege Christoph Sachse.

Gerhard Winter (CDU) erklärte, als Rosdorfer Ortsbürgermeister habe er um die 120 Gespräche mit Bürgern geführt. Ergebnis: „Keiner findet einen Haltepunkt gut“ - vor allem nicht die Kosten von 3,5 bis vier Millionen Euro. Fraktionskollege Jörg Winter hingegen gab zu bedenken, im Stadtgebiet von Göttingen gebe es jetzt schon immer weniger Parkplätze. Die Folge: „Eine Änderung des Nutzungsverhaltens muss und wird kommen.“ Weiter noch ging Christian Frölich (CDU): Es fehle ein Masterplan. Jetzt gehe es darum, „die Weichen für die nächsten 20 Jahre zu stellen“. Der Haltepunkt sei „eine Riesenchance“. Und für die Linke erklärte Azad Onal, er sei über die Ablehnung mancher Ratsmitglieder „entsetzt“: Vor Jahren habe sich der Rat klar für den Haltepunkt ausgesprochen. Der sei „eine einmalige Gelegenheit, es gibt kaum Parkplätze am Göttinger Bahnhof.“

Das beantwortete Haltepunkt-Gegner und Fraktionskollege Gerhard Winter mit einer gepflegten Stichelei: „Kommunalpolitik ist das Recht, Dummheiten auf Kosten anderer zu machen.“

Trotz der Unterschiedlichkeit waren sich die Ratsmitglieder bei der Abstimmung über die 10 000 Euro für eine eingehendere Untersuchung wieder weitgehend einig: Bei nur zwei Enthaltungen ging der Antrag der Verwaltung durch.hein

Bahnhof oder Raiffeisenstraße

Zwei Varianten für einen Bahnhaltepunkt in Rosdorf sind noch im Skat: eine Reaktivierung des früheren Stops am alten Bahnhof am südöstlichen Ende Rosdorfs oder an der Raiffeisenstraße gegenüber dem Edeka-Markt. Die Gemeinde favorisiert den Neubau von zwei je 170 Meter langen Außenbahnsteigen einschließlich Wetterschutz an der Bahnstrecke zwischen der Raiffeisenstraße und dem Edeka-Markt am Rischenweg. Dafür müsste eine Fußgängerüberführung gebaut und die Oberleitung angepasst werden. Hier ist außerdem die Parkplatzfrage nicht gelöst: In der Gemeinderatssitzung am Montag gab es Zweifel, ob die Verbrauchermärkte Parkplätze bereitstellen wollten oder könnten. Die Bahnhofsvariante stößt bei der Gemeindeverwaltung vor allem deshalb auf Skepsis, weil sie weitab vom Ortskern liegt. Es sei kaum damit zu rechnen, dass sich beispielsweise Bewohner des Hambergs erst in den Bus zum Bahnhof setzten, um von dort zum Göttinger Bahnhof zu fahren. Dahin fahren Busse auch direkt.

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