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Jacqueline Amirfallah kocht in der JVA Rosdorf

Drei-Gänge-Menü für drei Euro Jacqueline Amirfallah kocht in der JVA Rosdorf

Besuch in der JVA Rosdorf: TV-Köchin Jacqueline Amirfallah hat am Mittwoch ein besonderes Drei-Gänge-Menü für die mehr als 300 Strafgefangenen zubereitet. Für die Köchin war es eine besondere Herausforderung.

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Jacqueline Amirfallah (Mitte) kocht in der JVA Rosdorf.

Quelle: Peter Heller

Rosdorf. Normalerweise hat die Göttinger Restaurantbetreiberin Jacqueline Amirfallah kein Problem damit, sich neue und raffinierte Speisefolgen auszudenken. Am Mittwoch stand die „Fernsehköchin“, die außer in ihrem eigenen Restaurant auch regelmäßig in der TV-Sendung „ARD-Buffet“ kocht, allerdings vor einer besonderen Herausforderung: Die 57-Jährige arbeitet diesmal in der Küche der Justizvollzugsanstalt Rosdorf und bereitet dort gemeinsam mit Bediensteten ein Drei-Gänge-Menü für mehr als 300 Strafgefangene zu. Da die Köchin stets Wert darauf legt, mit frischen Produkten zu arbeiten, ist der Aufwand entsprechend groß: „Wir haben drei Stunden lang nur geschnippelt“, sagt sie.

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TV-Köchin Jacqueline Amirfallah kocht gemeinsam mit den Häftlingen der JVA Rosdorf

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Die besondere Kochveranstaltung findet aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der JVA Rosdorf statt. Niedersachsens jüngste und modernste Haftanstalt ist seit 2007 in Betrieb. „Wir haben hier seit zehn Jahren gute Arbeit geleistet“, sagt JVA-Leiterin Regina Weichert-Pleuger. „Dies wollen wir feiern, indem wir gemeinsam mit Kollegen für die Gefangenen kochen.“ Vor sieben Jahren hatte schon einmal ein „Kochevent“ mit Jacqueline Amirfallah in der Haftanstalt stattgefunden, damals hatte die bekannt TV-Köchin gemeinsam mit Gefangenen gekocht. „Das ist sehr gut angekommen“, sagt Weichert-Pleuger. Deshalb habe man sich im Jubiläumsjahr zu einer ähnlichen Aktion entschlossen, nur dass diesmal JVA-Bedienstete aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen den Kochlöffel schwingen, Gemüse schnippeln und Fleisch brutzeln.

Schon die Vorbereitung war eine Herausforderung. Die Kosten für die Zutaten müssen sich im Rahmen der Verpflegungssätze für Inhaftierte bewegen, das Menü darf nicht teurer als drei Euro pro Person werden. Jacqueline Amirfallah, die in ihrem Restaurant auch exquisite Köstlichkeiten wie Hummer, Muscheln oder Rehrücken zubereitet, hat deshalb immer wieder hin und her rechnen müssen, ehe sie schließlich in Abstimmung mit den Küchenleitern der Haftanstalt den Speiseplan festgelegt hat: Als Vorspeise gibt es Linsensalat mit Passionsfrucht-Vinaigrette, als Hauptgang gebratene Hähnchenbrust mit Pilzrisotto und zum Dessert Grießflammeri mit Pflaumenkompott.

Für die insgesamt 330 zu verköstigenden Personen habe man Unmengen an Möhren, Paprika, Champignons, Lauch und Zwiebeln benötigt, sagt die Köchin. „Das war eine große Logistikleistung des Einkaufs.“ Für die Kochteams bedeutet dies vor allem jede Menge Arbeit. So müssen die JVA-Mitarbeiter allein 50 Kilo Möhren in kleine Würfel schneiden. Im normalen Haftalltag sei ein solcher Aufwand kaum zu leisten, sagt Dennis Lottmann, der derzeit als Küchenhelfer in der JVA arbeitet. Das Essen spiele für die Gefangenen eine wichtige Rolle, meint er. Dies bestätigt auch Anstaltsleiterin Weichert-Pleuger: „Das Essen hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Stimmung der Gefangenen.“

Das Drei-Gänge-Menü bietet Abwechslung von der üblichen Kost. Bevor die Gefangenen in den Genuss kommen, müssen die Kochteams noch eine weitere Herausforderung meistern: Damit das Essen für alle reicht und keiner ungerecht behandelt wird, müssen sie die Portionen genau abwiegen. 180 Gramm Linsensalat gibt es für jeden, vom Grießpudding bekommt jeder 150 Gramm. Dann wird alles mit einem Thermo-Tablettsystem auf die Haftstationen gebracht. „Es ist wichtig, dass alle Leute gut essen“, sagt Jacqueline Amirfallah.

Von Heidi Niemann

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