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20:00 15.09.2017
Hauptsache weit, bequem und trotzdem immer noch irgendwie sexy: Balenciaga erklärt den “Dilf“ zum Stilvorbild für das Frühjahr 2018. Quelle: picture alliance / Photoshot
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Hannover

Männermode ist schon lange nicht mehr langweilig. Nun hat auch der Dilf-Stil die Laufstege erobert. Dilf? Das ist die Abkürzung für den, nun ja, etwas derben englischen Begriff “Dad I’d like to fuck“. Also, um es vorsichtig und einigermaßen jugendfrei zu formulieren, der Vater, dem man nicht widerstehen kann.

Ein Dilf sieht aus wie ein Mann, der nicht dazu kommt, sich regelmäßig zu rasieren und der langsam, aber auf sympathische Weise, ein bisschen verwahrlost. Der weite Sachen trägt, weil diese einfach bequemer sind als der Maßanzug. Und wirkt das nicht auch viel interessanter als ein Typ, der ewig vor dem Spiegel steht, sich salbt und jedes Haar einzeln legt?

Zu beobachten ist der Trend auf den Laufstegen: Das Modelabel Balenciaga etwa widmete dem Dilf gleich eine ganze Frühjahrskollektion für 2018 und wurde dafür gefeiert. Zu leicht ausgebeulten Hosen tragen die Models ein lässiges Sakko oder einen Anorak, Sneaker und, um den Look perfekt zu machen, – natürlich – ein Kind auf dem Arm.

Was macht den Dilf zum Dilf?

Es sieht ganz danach aus, als hätte sich Chefdesigner Demna Gvasalia auf den warmherzigen Familienvater als Stilvorbild eingestellt. Doch was macht den Dilf eigentlich zum Dilf und damit auch so interessant für die Modebranche? Es ist wohl die Mischung aus einem (schon etwas reiferen) Mann, der Familiensinn hat, sich um Haus und Hof kümmert, Windeln wechseln und Milchfläschchen geben kann und dabei auch noch sexy wirkt.

Für manche Designer ist dieser neue Typus Mann ein Segen. So sagte Demna Gvasalia 2016 dem “Zeit-Magazin“: “Die meisten Männer halten sich fern von ausdrucksstarker Kleidung. Wahrscheinlich deshalb, weil sie Angst davor haben, sich lächerlich zu machen und nicht männlich auszusehen.“ Den Dilf aber interessieren derartige Hemmnisse nicht. Und in den Looks der Balenciaga-Show fühlen sich die Männer nun ganz offenbar alles andere als unmännlich.

Denn, auch wenn Gvasalia seiner künstlerischen Ader freien Lauf gelassen und den Look deutlich überspitzt hat, ist ihm die teure Kopie des Schlabber-Looks gelungen. Das Hemd flüchtig in die kantige Hose gestopft, den Anorak lässig übergeworfen. Nur etwas mehr Bartwuchs hätten die Models noch vertragen können.

Sportswear und Promi-Vorbilder

Zum Bild eines modernen Vaters passt es, in ausgebeulten Hosen und löchrigen T-Shirts mit Kindern auf dem Spielplatz herumzutollen. Die Modeindustrie hat das aufgegriffen: Die Hosen, die derzeit auf den Laufstegen gezeigt werden, sind häufig nicht mehr körpernah geschnitten und sehen manchmal auch bereits gebraucht aus. Auch der seit einigen Jahren für Frauen- und Männermode prägende Einfluss von Sportswear passt zu diesen Trend. Zu sehen war er zum Beispiel bei den Kollektionen für das Frühjahr 2018 von Prada und Louis Vuitton. Erlaubt sind Jogging- und auch Outdoorhosen.

Prägend für den Dilf-Stil waren außerdem auch Prominente wie Vierfach-Papa David Beckham und Brad Pitt. Auch der Schauspieler Ryan Gosling versteht es, sich als natürlicher und interessanter Vater zu kleiden. Auf roten Teppichen glänzt der 36-Jährige zwar im Smoking, privat zeigt sich der Hollywood-Akteur aber gänzlich anders. Seitdem seine beiden Töchter Esmeralda und Amanda auf der Welt sind, verkörpert er mit seinen ausgebeulten Hosen und schlabbrigen Shirts die Stilikone dieser Tage. Das Image muss eben zum Stil passen: Da bleibt Daddy Gosling keine Zeit, von Frauen bewundert zu werden – schließlich muss er sich um seine Töchter kümmern.

Von Mandy Sarti

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