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Genuss & Leben Gib dem Leben einen Gin
Sonntag Genuss & Leben Gib dem Leben einen Gin
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20:01 24.11.2017
Warum immer nur Grappa für edle Eierliköre? Rene Strothmann und Michael Sander waren sich sicher: Das muss auch mit Gin möglich sein. Quelle: Grafik: shutterstock | Montage: RND
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Georgsmarienhütte

Dass Gin-Liebhaber irgendwann selbst produktiv werden und ihren eigenen Wacholderschnaps kreieren, das hat es in den vergangenen Jahren immer häufiger gegeben: Mehr als 300 unterschiedliche Gin-Sorten gibt es mittlerweile allein in Deutschland, viele von ihnen werden in kleinen Manufakturen hergestellt. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht.

Hobbytüftler und leidenschaftliche Gin-Genießer sind dabei immer auf der Suche nach der besten Geschmackszusammensetzung, nach den raffiniertesten, kernigsten oder auch eher weicheren, blumigen Aromen. Die Formel ist dabei immer die Gleiche: Wacholder plus x. Salbei, Artischocke, Ingwer, Orange, Zitrone, Pfeffer, Lavendel oder Rosen als Zutat – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Weitere Ingredienzien können hinzukommen. So schmeckt zum Beispiel der “Prütt Kaffee Gin“, gebrannt in der Feinbrennerei Sasse im Münsterland, nach Kaffeeröstaromen. Im Saarland wurde der “Ferdinand’s Saar Quince Gin“ auf den Markt gebracht, ein Likör mit Quittenaroma, und der Gin “Klippenziege“ aus Düsseldorf hält wach, weil er mit Mate versetzt wurde.

“Die Leute mögen was Kerniges“

Rene Strothmann und Michael Sander sind ebenfalls Tüftler. Zumindest haben sie mal so angefangen. 2014 haben die beiden Geschäftspartner, die in der Kosmetik- und Gesundheitsbranche arbeiten, ihren eigenen Gin kreiert. Heimatverbunden hat das Duo aus Georgsmarienhütte ihrer ersten Kreation den Namen “O49“ gegeben: Georgsmarienhütte liegt zehn Autominuten entfernt von Osnabrück. Die Postleitzahl in und um Osnabrück beginnt mit den Ziffern 49. Außerdem hat der gute Tropfen satte 49 Volumenprozent Alkohol. “Das passt hier in die Gegend, die Leute mögen was Kerniges“, sagt Rene Strothmann. Das “O“ steht neben Osnabrück auch für “Organic“, denn Strothmann und Sander haben sich für Bio-, also Organic-Gin entschieden.

Jetzt, etwa drei Jahre nach der Markteinführung ihres “O49“, der mittlerweile bundesweit in ausgewählten Läden und Restaurants zu finden ist, ist ihre erste Flasche Eierlikör auf den Markt gekommen. Einer, der geschmacklich und in der Aromatik genauso ausgefeilt ist wie ein guter Gin, denn daraus besteht er schließlich. “Der Alkohol im Eierlikör kommt zu hundert Prozent aus unserem Gin“, erläutert Michael Sander. Das Ergebnis: Anders als andere Eierliköre, die zwischen 18 und 20 Volumenprozent Alkohol pendeln, bringt es der “O49“ auf 22,5 Prozent. “Wir strecken den Eierlikör weder mit Sahne noch mit Milchpulver oder anderen Produkten“, betont Rene Strothmann.

So ist die Zutatenliste so transparent wie überschaubar: Gin, Eigelb, Vanille und Zucker – und dabei alles in Bioqualität. Bislang ist die Idee der beiden Tüftler nach eigenen Angaben einzigartig. Destilliert wird bei Dwersteg im westfälischen Steinfurt. Strothmann und Sander liefern Ideen und Konzept, in der Destille wird dann anschließend alles umgesetzt.

Geschmackvolles Hobby: Rene Strothmann (links) und Michael Sander kreieren gern außergewöhnliche Spirituosen wie ihren Eierlikör auf Gin-Basis. Quelle: Stefanie Hiekmann

Ähnlich wie beim ersten Gin, hatten Strothmann und Sander auch beim Eierlikör nicht geplant, jemals in die Großproduktion zu gehen. “Wir wollten das eigentlich nur für uns und für Freunde machen“, sagt Strothmann. Aber die Geheimhaltung hat nicht lange funktioniert. 49 Freunde hatten sie damals nach der ersten Gin-Produktion vor drei Jahren eingeladen, um den ersten Tropfen gemeinsam zu verkosten. Am Ende wollten die Freunde nicht nur ein Fläschchen mitnehmen, sondern gern eine ganze Kiste des Gins. Freunde von Freunden riefen an, Restaurants aus Osnabrück und Umgebung meldeten sich, und ehe sich die beiden Gin-Liebhaber versahen, war “O49“ ein Name in der Region – und bald auch darüber hinaus. Beim Eierlikör scheint es ganz ähnlich anzulaufen.

“Wir haben erst mal 1000 Flaschen produziert, aber das war viel zu wenig“, sagt Strothmann. Keine Woche nach der ersten Lieferung war alles ausverkauft. Nun wird also nachproduziert. Der Gin ist schon da. Die Bioeier für den Likör kommen von Biohöfen in Süddeutschland und werden in der Schweiz in einem Eier-Trennbetrieb getrennt. Das verbliebene Eigelb wird dann in Steinfurt kalt mit Gin, Zucker und Vanille vermischt. “Unser Eierlikör ist bewusst nicht wärmebehandelt“, sagen die beiden Unternehmer. So ist die Farbe besonders gelb und der Geschmack von Ei, Gin und Vanille bestmöglich in der Flasche konserviert. Das Ergebnis schmeckt leicht herb und trotzdem auch süß.

Die Destille bleibt ein Hobby

Strothmann und Sander hatten zu Beginn mit Zweifeln zu kämpfen, ob die Idee aufgeht. Als sie dem Destillateur ihre Idee vorstellten, habe der nur den Kopf geschüttelt, erinnern sie sich. Der herbe Gin als Eierlikörbasis? Das könne nur schiefgehen, bescheinigte er ihnen. Doch offenbar ließ ihn die Idee dann doch nicht los, er experimentierte und rief die beiden Gin-Freunde nur zwei Tage später wieder an: “Es geht doch!“, verkündete er.

Die Ursprungsidee sei übrigens in einem Osnabrücker Restaurant entstanden, erzählt Rene Strothmann. Zum Nachtisch gab es Schokoladeneis. In der geselligen Runde ist dann die Idee entstanden: Warum sollten es eigentlich nur die Italiener sein, die aus ihren Edelspirituosen – meist Grappa – teuren Eierlikör herstellen?

Die Destille ist und bleibt für Rene Strothmann und Michael Sander trotz ihres Erfolgs ein Hobby. Denn davon zu leben sei zu riskant. “Allein die Alkoholsteuer fällt durch die 49 Prozent beachtlich aus“, sagt Strothmann. Und da sie damals, bei ihren 49 Freunden mit 39 Euro pro Flasche gestartet seien, gab es auch kein Zurück mehr. “Im Grunde ist der Preis aber zu gering“, sagt Strothmann. Bioqualität, Holzkorken, lackierte Flaschen für das grüne Bio-Image, beidseitig bedruckte Etiketten – da komme eines zum anderen. Es sei ein schönes, aber kostspieliges Hobby, sagen beide und sind daher froh, noch ihren Hauptberuf zu haben.

Von Stefanie Hiekmann

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