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Kolumnen Bügel! Mich! Müde!
Sonntag Kolumnen
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19:57 06.04.2018
Wollten Sie sich nicht auch immer schon mal sanft in den Schlaf bügeln lassen? Quelle: Fotolia
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Hannover

Frühjahrsmüdigkeit – für viele Menschen ein turnusmäßiges Problem, für andere eine unerfüllte Sehnsucht. Da kann das Frühjahr noch so müde sein, man schläft einfach nicht ein.

Nutztierzählen, Atemübungen, rauschender Regen oder Carmen Nebel – nichts hilft, und dann stellen die auch noch die Dunkelheit eine Stunde vor, obwohl es morgens sowieso früher hell wird. Alkohol ist kontraproduktiv, sagen die Ärzte, obwohl jeder sofort Gegenbeispiele aus seiner partyproduktiven Vergangenheit aufzählen könnte.

Was also tun? Wo nach Schlaf suchen? Im Internet natürlich. Auf Bildschirme starren fördert im Bett alles Mögliche außer Schlaf. Aber Emma glättet dieses Problem. Denn Emma bügelt. Und bügelt. Und bügelt. “Hast du früher auch gern beim Bügeln zugehört?“, fragt Emma.

Emma greift zum Eisen

Und auch, wenn in der eigenen Gedächtniskammer für Haushaltsgeräusche beim besten Willen kein Bügelgeräusch zu finden ist, säuselt Emma weiter und greift irgendwann zum Eisen. Und dann bügelt sie. Eine Dreiviertelstunde lang. Hosen, Blusen, irgendwas.

Man ist von dieser Performance so geplättet, dass man unbedingt bis zum Ende gucken möchte und die zweite Folge gleich hinterher, wo einen vielleicht das Geräusch von gebügelten Socken endgültig aus den Puschen haut.

Bei manchen Menschen löst Emma mit ihrer Schlüpferbügelei angeblich einen beruhigenden Kribbeleffekt auf der Haut aus. Bei anderen – nicht. Zudem ist es schwer vermittelbar. Wenn man auf der Party erzählt, dass man nachts im Internet Frauen beim Bügeln zuguckt, hat man wohl ein ganz anderes Problem.

Wegdämmern ins Amazonasbecken

Etwas unverfänglicher ist es, bei Streamingdiensten schlaffördernde Naturkulissen anzuhören. Man klemmt seinen Kopf zwischen zwei Kopfhörermuscheln, um niemanden zu stören, kann infolgedessen nicht auf der Seite schlafen, aber spätestens, wenn im Regenwald die Flora rauscht und die Fauna tschilpt, dämmert man sanft ins brasilianische Amazonasbecken hinfort.

Dass vom rückenlagebedingten Geschnarche die Mitbewohner- und Nachbarschaft wach wird, ist sekundär. Man bekommt es ja in Brasilien nicht mit. Wer Regenwald nicht mag, kann Meeresbrandung nehmen oder norddeutschen Nieselpiss.

Als schlaffördernd unerforscht sind für Männer bislang Baumarktgeräusche. Und Stadionkulissen, 2. Liga, beim Spielstand 0:0. In der Praxis funktioniert es. Nicht nur im Frühjahr.

Von Uwe Janssen

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