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Der König von Lumumba

Futterneidtheorien von Imre Grimm Der König von Lumumba

Was vorweihnachtliche Völlerei mit einer Schwangerschaft zu tun hat, und was Eierlikör für die seelische Verfassung zum Fest leisten kann: Eine halbwegs wissenschaftlich fundierte Abhandlung.

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Alles wissenschaftlich erklärbar: Maßlose Völlerei ist (zumindest bei Männern) ein evolutionär bedingtes Muss zum Fest – und unter Umständen eine friedenssichernde Maßnahme.

Quelle: Shutterstock

Männer nehmen im Durchschnitt 2,2 Kilogramm an Körpergewicht zu, wenn sie Väter werden. Warum ist das so? Forscher glauben an eine Art solidarische Scheinschwangerschaft. Aber Forscher glauben auch, dass Hühner schöne Menschen lieber mögen (Universität Stockholm) und dass Dänemark das glücklichste Land der Welt ist ("World Happiness Report").

Meine These ist eine andere: In Wahrheit denken Männer, deren Frauen gesegneten Leibes sind: "Ich habe mein evolutionäres Soll erfüllt, jetzt is' auch egal – her mit der Lasagne!"

Stichwort Futterneid

Die wachsende Neigung zu bedenkenloser Völlerei hat möglicherweise auch damit zu tun, dass a) die Frau durch Stramplererwerb und Babyzimmerplanung gerade abgelenkt ist und sich b) die allgemeine Nahrungsverteilung in der Familie mit der Ankunft eines weiteren Kostkonkurrenten zum Nachteil des Mannes zu verändern droht – Stichwort "Futterneid".

Etwas in seinen Genen rät dem werdenden Vater, sehr schnell sehr viel zu essen. Diese tiefe kulturelle Prägung erklärt möglicherweise auch die Beliebtheit kalorienreicher Nahrung auf Adventsmärkten: Angesichts der nahenden Ankunft des Christkindes zwingen die Gene den Mann, sich mit Kartoffelpuffer, Bratwurst und Gänsekeule ein stabiles Bonusgewebepolster anzufuttern.

Denn in geistiger Hinsicht ist der Advent ja auch nichts anderes als eine Schwangerschaft. Gestärkt mit Schmalzkuchen, Flammlachs und asiatischer Frühlingsrolle erwartet der König von Lumumba dann die Ankunft des Kindes in gefestigter Verfassung.

Schweinebraten für den Frieden

Die Wissenschaft weiß viel über das Masturbationsverhalten afrikanischer Borstenhörnchen oder den Friktionskoeffizienten (vulgo: Glitschigkeitsgrad) von Bananenschalen. Die segensreiche Wirkung eines familiären Gelages auf die seelische Grundstimmung an den Festtagen dagegen ist noch nicht ausreichend untersucht worden.

Private Studien aus meinem Umfeld zeigen: Die mehrtägige Anwesenheit angeblicher Verwandter ist unter dem sedierenden Einfluss diverser Flaschen Eierlikör und dicker Scheiben Schweinebraten mit Knödeln emotional deutlich leichter auszuhalten als mit Knäckebrot und Selters. Oder wie es in den Schriften heißt: "Trink und futter wie ein Bär, dann nervt Onkel Hans nicht mehr." Schönes Wochenende!

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