Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Kolumnen Der Umzug (II)
Sonntag Kolumnen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:53 19.02.2018
Wenn du umziehen willst, hast du keine Freunde. Quelle: iStock
Anzeige
Hannover

Es gibt ja Menschen, die lieben fremde Umzüge. Weil sie Sadisten sind. Weil sie mit wohligem Grusel denken: “Was für’n Chaos. Ein Glück, dass ich gleich zurück darf in eine vertraute Umgebung mit klaren Laufwegen, WLAN und funktionierenden Lampen, während die hier bis Weihnachten Regale schrauben.“

Das ist das Umzugsparadoxon: Wenn du umziehen willst, hast du keine Freunde. Dafür erinnern sich Typen, die du seit zehn Jahren nicht gesehen hast, sofort wieder an dich, wenn sie umziehen. “Hiiii! Bist du nicht der... Dings? Und was machst du so?“ – “Ich bin verheiratet, zwei Kinder, wir ...“ – “Nein, ich meine nächsten Samstag.“

Schränke, die Schränke tragen

Man trifft seltsame Typen auf Umzügen. Da gibt’s die Berserker. Schränke, die Schränke tragen. Stumme Kerle, die als Kind in Zaubertrank gefallen sind und Luschen wie mich angucken wie etwas vor sehr langer Zeit Totgefahrenes. Bloß weil ich ein einzelnes Regalbrett durchs Treppenhaus wuchte wie ein ägyptischer Sklave einen Sandsteinquader. Berserker darf man nicht ansprechen, sonst wird man in eine Matratze eingerollt und nach Kassel gebracht.

Das Gegenteil der Berserker sind die Zimperlieschen. Es ist die Seelenpflegebeauftragte der Umziehenden: eine perfekt gestylte Freundin, die oben in der halb leeren Wohnung übrig gebliebenen Klimbim auf Tabletts stellt. Frauen sparen gern Kartons. “Dafür brauchen wir keinen Karton“, sagen sie. Und dann stehst du da mit einer Dia-Leinwand, die mit einem Ende in einem Jutebeutel steckt.

Packlogistische Expertise

Und unten, auf der Hebebühne des immer viel zu kleinen Autos, sammeln sich in großer Zahl die Auskenner: Männer, die zwei Kopfkissen nach unten getragen haben und jetzt auf dem Bürgersteig packlogistische Expertise ausstrahlen, um bloß nicht wieder nach oben zu müssen.

Meine Taktik geht anders: Ich kümmere mich um Spezialitäten. Empfindliche Bilder, Glasvitrinen, Hi-Fi-Anlagen, Kunstwerke. Der Zaubersatz lautet: “Ich bring das mal in mein Auto.“ Mein Auto – meine Zeitplanung! Und das kann schon mal dauern mit fragilem Gepäck. Das machst du nicht mal so eben hopplahopp.

Es gilt die alte Bauernregel: “Wenn ein Freund mit Umzug droht – stell dich besser erst mal tot. / Und ist alles dann im Lot, / bringst du später Salz und Brot.“ Schönes Wochenende!

Von Imre Grimm

Kolumnen Weltuntergang mit Uwe Janssen - Wo warst Du, Bruce Willis?

Was tun bei drohendem Asteroideneinschlag, außer den Netzstecker vom TV-Gerät zu ziehen und Selfies auf Instagram zu posten? Ablenkung wäre wichtig. Aber wo ist Bruce Willis, wenn man ihn braucht?

19.02.2018
Kolumnen Kartonkette mit Imre Grimm - Der Umzug (I)

Ich find‘s so schon schwer genug, eine Treppe hochzugehen. Da nehm ich doch nicht noch eine Topfblume mit. Zum Glück haben sich die Lebensumstände im Freundeskreis beruhigt – es fragt nicht mehr alle paar Wochen jemand nach Hilfe beim Umziehen.

09.02.2018
Kolumnen Preisobergrenze mit Uwe Janssen - Einfach mal weg damit!

Darf man’s, darf man’s nicht? Es droht schlechtes Gewissen für sehr lange Zeit, wenn Dinge in den Müll wandern, die eigentlich mal nett gemeint waren. Eventuell gilt das aber nicht bei Verlogenheitsgeschenken.

09.02.2018
Anzeige