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In Sack und Gasse

Weihnachtsmarktanalyse mit Uwe Janssen In Sack und Gasse

Was macht einen guten Weihnachtsmarkt eigentlich aus? Womit kann eine ausrichtende Stadt punkten, wie kann man Gemütlichkeit forcieren, was lockt die meisten Touristen, oder wenigstens die eigenen Stadtbewohner? Eine Analyse.

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Was trennt den guten Weihnachtsmarkt vom schlechten? Wenn sich Besucher über zuviel Gedränge und lange Schlangen beschweren, meinen sie das dann wirklich ernst? Eine Untersuchung.

Quelle: TCM1003 / CC BY-SA 2.0

Komisch. Alle haben den schönsten Weihnachtsmarkt. Dresden, München, Bremen, Baden-Baden, Potsdam, Hannover, Nürnberg, Leipzig, Mittegroßefehn, Hamburg, Stuttgart, Freiburg, Rostock. Und fast wäre in dieser Aufzählung Mittegroßefehn gar nicht aufgefallen.

Denn schöne Weihnachtsmärkte gibt es überall, die von ihren Organisatoren besungene Schönheit, Gemütlichkeit, Heimeligkeit und Kuscheligkeit deckt sich gelegentlich erst nach fünf Glühwein mit der Realität. Aber immerhin. Wichtig für einen florierenden Weihnachtsmarkt ist sein Standort. Wenn eine Innenstadt vorhanden ist, empfiehlt sich eine zentrumsnahe Platzierung.

Schlangestehen am Schnapsstand

Experimente in autobahnnahen Gewerbegebieten oder auf entsorgungsfreundlichen Stadtrand-Recyclinghöfen schlugen fehl, weihnachtliche Stimmung stellte sich trotz Posaunenkonzert und dem großen "Macht hoch die Tür" des Müllmännerchors nicht ein. Interessant: Die meisten Besucher empfanden Platz zum Gehen und fehlendes Schlangestehen am Schnapsstand als unpassend.

Um dem Besucher das richtige Weihnachtsmarktgefühl zu geben, sollte man also zunächst für klaustrophobische Laufwege und labyrinthische Wegeführung sorgen. Sack und Gasse, beides ist Weihnachten. Der Abstand zwischen zwei Buden sollte in jede Richtung eine Armlänge nicht überschreiten, das sogenannte Kölner Modell.

Um die Gänge zu verengen, ist es wichtig, die Budendächer mit typischen Devotionalien zu behängen. Denn wem nicht mindestens ein unbehandeltes Holzspielzeug ins Auge gependelt ist – der sogenannte Pinocchio-Effekt – der war nicht wirklich auf dem Weihnachtsmarkt.

Glattes Schuhwerk spart Energie

Selbstständiges Gehen ist nicht nötig, glattes Schuhwerk erhöht die Gleitfähigkeit. Man kann sich auch an den Vordermann anlehnen und ein kleines Nickerchen halten. Vorher Bescheid sagen kann nicht schaden. Sonst wird der Vordermann misstrauisch.

Denn der Weihnachtsmarkt ist auch für Kleinkriminelle die fünfte Jahreszeit. Nicht umsonst legen die meisten Taschendiebsverbände ihre Jahreshauptversammlungen in die Weihnachtszeit und gehen nach den Sitzungen ausnahmsweise noch mal unter Leute. Also geben Sie ihr Geld einfach aus, bevor es jemand klaut. Und bleiben Sie wachsam. Schauen Sie sich immer um. Und nach vorn. Wegen Pinocchio.

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