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Kolumnen Landeier am Lebensabend
Sonntag Kolumnen Landeier am Lebensabend
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20:01 11.05.2018
Außer “verbringen“ und “genießen“ sind für den Lebensabend in aller Regel wenig Aktivitäten vorgesehen. Das ist schön. Aber warum erst dann genießen, warum nicht schon früher damit anfangen? Quelle: Fotolia
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Hannover

Lebensabend klingt wie etwas grundsätzlich Erstrebenswertes, die Sonne geht langsam unter, es regnet nicht, und das Verbringen spielt sich irgendwo im Garten ab, auf einer Veranda oder zumindest in einem gemütlichen Schaukelstuhl.

Lebensabend und Senior klingt besser als kurz vorm Ende und senil. Lebensabend sagen oft Dienstleister, die den Lebensabend anderer gegen Bezahlung gestalten wollen. Andere Lebenstageszeiten haben sie nicht im Programm.

Die Lebensnacht, was konsequenterweise das Nächste wäre, geht in unserem Sprachgebrauch normalerweise als Tod durch. Das muss nicht mehr beworben werden, gestorben wird ja am Ende doch immer.

Das Leben zu sich raufkommen lassen

Wenn man selbst am Lebensnachmittag angekommen ist, sagen wir, so um die Kaffeezeit rum, gibt es Dienstleistungen genug. Und Bedarf. Man fängt allmählich an, das Leben um einen herum etwas gemütlicher zu gestalten.

Man geht nicht mehr zum Leben, sondern lässt es auf sich zukommen. Oder man lässt es zu sich raufkommen. Der Lieferservice des Supermarkts – früher ein No-Go, weil man es ablehnte, heute ein No-Go, weil man nicht mehr laufen muss. Entfernung ist egal. Liefern ist liefern.

Zudem nimmt am Lebensnachmittag das anstrengende Kämpfen gegen Widerstände ab. Bei Spießertum ist es wie bei Hühneraugen oder Herpes: Es ist nicht mehr so eklig, wenn man sich damit beschäftigt.

Bewusste Landeie­­risierung

Auch die bewusste Landeie­­risierung der eigenen Situation macht den Lebensnachmittag leichter. “Landei“ ist nicht Dorfdoofi, sondern eine ökologische Lebensform. Mit dem Hipster hat sich eine urbane Lebensform entwickelt, die dem bekennenden Landei ein gleiches Maß an Verachtungswürdigkeit bietet.

Im Lebensmittelbereich gibt es ja kaum Typisches für die Stadt außer Red Bull, Koks und Chai Latte im Panoramarestaurant. Dann lieber ein Landei aus Bodenhaltung. Dafür bezahlt man in der Stadt viel Geld. Ein Landei am Nachmittag. Haltbar bis zum Lebensabend.

Von Uwe Janssen

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